5. Juni 2017
Palmöl - Inhaltsstoff in Kosmetik und Lebensmitteln

Palmöl - Inhaltsstoff in Kosmetik und Lebensmitteln

In den Regalen stehen heute zahlreiche Produkte mit Palmöl: Wir erklären Euch, weshalb dieser Inhaltsstoff in der Kritik steht, wieso sein Anbau trotz vieler Herausforderungen nicht grundsätzlich schlecht ist und worauf Ihr beim Einkaufen achten könnt.

Palmöl Vorteile und Nachteile
© slpu9945/iStock
Palmöl Vorteile und Nachteile

Oft ohne es zu wissen, verwenden wir täglich viele Produkte, in denen Palmöl verarbeitet wurde: Beispielsweise Cremes, Duschgele und Lippenstifte, aber auch Kerzen, Seife, Waschmittel, Schokoriegel, Eis, Tiefkühlpizza, Margarine – sogar in Biokraftstoffen ist das Multitalent enthalten. Kosmetikunternehmen verwenden den Inhaltsstoff gerne, weil er trockene Haut zart pflegt und zugleich vor schädlichen freien Radikalen schützt. In der Lebensmittelindustrie wiederum ist Palmöl besonders beliebt, weil es den Geschmack verbessert und Nahrungsmitteln zu ganz verschiedenen Eigenschaften verhilft: So bringt es etwa Schokolade zum Schmelzen – lässt aber auch Margarine fest und schön orange werden.

Palmöl - ein Allroundkünstler, der in die Kritik geraten ist

All das kann Palmöl, doch es steht mittlerweile in Verruf: Ein Grund dafür ist, dass für den Anbau der Ölpalme, aus dem es gewonnen wird, Regenwald gerodet wird. Am stärksten davon betroffen sind Malaysia und Indonesien, von wo etwa 85 Prozent des Palmöls stammen. Allein in Indonesien mussten zwischen 1990 und 2005 fast 1,5 Millionen Hektar Regenwald weichen – und der Flächenbedarf nimmt weiter zu. Da der Regenwaldboden besonders reich an Kohlenstoff ist, der durch Brandrodungen freigesetztwird, steigt die Klimaerwärmung weiter an. Dadurch ist das kleine Indonesien mit drei Milliarden Tonnen inzwischen der drittgrößte Erzeuger von Treibhausgasen geworden – hinter den geografischen Riesen USA und China.

Hinzu kommt, dass die Brandrodung die Entstehung von gesundheitsschädlichem Smog begünstigt. Mit dem Verschwinden des Regenwaldes wird zudem vielen Tieren die Heimat genommen – etwa den Orang-Utans, Sumatra-Tigern oder Java-Nashörnern. Der Konsum von herkömmlichem Palmöl trägt direkt zu deren Ausrottung bei. Und schließlich leiden auch die in den Anbaugebieten lebenden Menschen, indem sie von ihrem Land vertrieben oder gegen geringe Löhne als Arbeiter auf Palmölplantagen eingesetzt werden.

Palmöl ist trotzdem nicht grundsätzlich schlecht

Warum also nicht einfach Produkte mit anderen Pflanzenölen kaufen, wie einige Verbraucher es ganz bewusst tun? Weil mittlerweile immer mehr Umweltschützer warnen, dass dieser Wechsel zu einem noch viel höheren Flächenbedarf führen würde: „Die Ölpalme ist eine höchst effiziente Nutzpflanze“, so Martina Fleckenstein, Leiterin des Fachbereiches Landwirtschaft und Landnutzungswandel der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland. Für die von ihr produzierte Ölmenge benötigen Raps und Sonnenblumen die viereinhalbfache, Sojapflanzen sogar die achtfache Fläche. „Der Wechsel von Palmöl zu anderem Pflanzenöl würde daher nur zu ähnlichen Anbauproblemen in anderen tropischen Ländern führen“, erklärt Martina Fleckenstein.

Palmöl Vorteile und Nachteile
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Palmöl Vorteile und Nachteile

Erste Schritte, die in die richtige Richtung führen

Nachhaltiger Anbau könnte das Problem zumindest abmildern: Dafür dürften beispielsweise Ölpalmen nur auf Brachflächen, stillliegendem landwirtschaftlich nutzbarem Land und Böden mit geringem Kohlenstoffgehalt angebaut werden. Abgeschnittene Palmwedel, gerodete Bäume und unbrauchbare Früchte müssten als Dünger genutzt werden, um den Humusgehalt des Bodens zu erhalten, Feldarbeiter einen fairen Mindestlohn bekommen.

Für einen ersten Schritt in diese Richtung gründeten der WWF, die Entwicklungsorganisation Oxfam, Palmöl-Produzenten, Händler, Banken und Investoren im Jahr 2004 den sogenannten Roundtable on Sustainable Palm Oil – ein runder Tisch für nachhaltig produziertes Palmöl, der jene Hersteller zertifiziert, die mehr für den Naturschutz tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Kritisiert wird jedoch, dass dies noch immer weit entfernt von nachhaltigem Anbau ist – und dass es vielen Mitgliedern allein darum geht, mit dem Siegel ihr grünes Image aufzupolieren.

Schon etwas weiter geht das 2013 gegründete Forum Nachhaltiges Palmöl in dem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie ebenfalls Unternehmen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen wie der WWF vertreten sind. Alle Mitglieder verpflichten sich, nachhaltig angebautes Palmöl zu verwenden, für das z. B. kein Regenwald gerodet, möglichst wenig Biozide eingesetzt und soziale Standards eingehalten wurden. Ziel ist es, die Auflagen künftig zu erhöhen, so dass etwa keine Ölpalmen mehr auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt angebaut werden. Aber immerhin gibt die Organisation bereits den richtigen Weg vor.

Das bedeueten die Siegel

RSPO: Bei der Herstellung des enthaltenen Palmöls werden z. B. die Landeigentumsrechte von Kleinbauern geachtet. Zudem wird kein Wald mit „hohem Schutzwert“ abgeholzt – der Anbau auf Torfböden und der Einsatz aggressiver Pestizide sind jedoch weiterhin erlaubt.

FONAP: Es ist nachhaltiges Palmöl enthalten, für das kein Regenwald gerodet wurde. Jedoch können sogenannte Palmöl-Derivate, auf denen u. a. Emulgatoren oder Tenside basieren, wegen ihrer geringen Verfügbarkeit auch mit konventionellem Palmöl vermischt sein.

NATRUE: Produkte dürfen lediglich aus natürlichen, naturnahen und naturidentischen Inhaltsstoffen bestehen. Zudem müssen die Hersteller einen Umweltbericht vorlegen, aus dem hervorgeht, wie bei der Herstellung die Nachhaltigkeit auf bestmögliche Weise gefördert wird.

Wir können jetzt schon einen Beitrag leisten

Es existieren bereits einige Bio-Kosmetiksiegel wie etwa Natrue, die Produkte mit ausschließlich nachhaltig produziertem Palmöl auszeichnen. Insgesamt trifft dieser sorgsame Umgang jedoch bislang gerade mal auf 30 Prozent der bei uns erhältlichen Produkte zu und wir können der Umweltschädigung durch herkömmlich angebautes Palmöl kein sofortiges Ende setzen. Indem wir aber im Super- und Drogeriemarkt bei palmölhaltigen Produkten auf Siegel für nachhaltigen Anbau achten, zeigen wir unser Bewusstsein für den Naturschutz und senden ein Signal an alle Unternehmen, die ihre Herstellung bislang noch nicht umgestellt haben.

Leider ist nicht immer eindeutig erkennbar, ob ein Produkt Palmöl enthält: Da es auf der Inhaltsstoffliste ganz unterschiedliche Namen tragen kann. Zudem verraten Smartphone-Apps wie etwa „Codecheck“ bereits beim Einkaufen, in welchen Kosmetikprodukten und Lebensmitteln Palmöl steckt. Was wir auch versuchen können: noch etwas bewusster palmölhaltige Lebensmittel wie Schokolade, Süß- und Knabberwaren oder Fertiggerichte zu konsumieren. Etwas weniger, etwas seltener – für uns und unsere Umwelt.

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