26. Mai 2011
Nie wieder Nackenschmerzen

Nie wieder Nackenschmerzen

Schluss mit verspanntem Büro-Nacken und nervigem Schulterzwicken: Drei neue Methoden können den Schmerz wirklich stoppen und machen schön locker.

Frau, Nackenschmerzen
© thinkstock
Frau, Nackenschmerzen

Heimlich nennen viele Orthopäden Nackenverspannungen „Eva-Schmerzen“. Denn diese typisch weiblichen Beschwerden ärgern mindestens jede zweite Frau ab 30. In mehr als 40 Prozent der Fälle sitzt ihnen buchstäblich Stress im Nacken, der aus der Seele kommt – Liebeskummer, Überforderung, Sorgen wegen der Kinder. Gerade haben die Forscher auch Östrogen und Progesteron als Nackenkiller entlarvt. Sie beeinflussen Schmerznetzwerke im Gehirn und machen besonders sensibel für einen wehen Nacken. Drei neue Methoden sagen verspannten, schmerzenden Muskeln den Kampf an – mit Erfolg und verblüffend einfachen Wirkmechanismen.

SCHMERZ EINFACH WEGSCHNIPPEN

Den Spannungsschmerz im Nacken mit dem Mittelfinger wegschnicken – das heißt Atlastherapie. Den blitzschnellen, schmerzlosen Impuls setzt der Therapeut an den Seitenfortsätzen des obersten Halswirbels (Atlas, griech. Träger). Muskeln und Bindegewebe um ihn herum sind dicht mit Nerven versorgt. Ihre „Fühler“ (Rezeptoren) haben Kontakt zu Gehirnzentren, die u. a. Muskeln steuern und Schmerzsignale verarbeiten.

„Bei Schmerzen und Verspannungen werden falsche Informationen an das Gehirn gesandt“, erklärt Dr. Klaus Dörhage, Arzt für Allgemein- und Manuelle Medizin in Kiel. Beim wohl dosierten, punktgenauen Fingerschnippen entsteht durch den ultrakurzen Dehnreiz auf die Nackenrezeptoren sofort ein anderes Wahrnehmungs- und Informationsbild. Dörhage: „So gelingt es der Atlastherapie, die fehlerhafte Informationsverarbeitung zu normalisieren“ – schmerzhafte Verspannungen lösen sich. Eine einzelne Behandlung kostet ca. 25 Euro, die die Kassen nicht übernehmen. Mehr Infos auf www.aegamk.de.

ATLAS-THERAPIE Ultrakurzer Dehnschmerz durch Fingerschnippen – die meisten Patienten brauchen mindestens drei Behandlungen.

Die Low-Level-Laser-Therapy


SANFTES LASERLICHT LÖST VERSPANNUNGEN

Bislang brachten Laserstrahlen gegen Nacken - schmerzen eher maue Ergebnisse. Sie entwickelten oft eine zu große Hitze, verbunden mit dem gefährlichen Risiko, Gewebe zu „verkochen“. Bei der „Low-Level-Laser-Therapy“ (LLLT) ist alles anders. Sie nutzt Softlaser, die mit Licht von so niedriger Intensität arbeiten, dass keine Wärme entsteht und deshalb auch das Muskelgewebe keinen Schaden nehmen kann. Sogar chronische Nackenschmerzen bekämpft der sanfte Laser wirksam. Entsprechend positiv und voller Hoffnung fällt dann auch das Fazit einer australischen Vergleichsanalyse (Meta-Studie) von 16 internationalen kontrollierten Studien mit insgesamt 820 Patienten aus: Die LLLT schneidet besser ab als viele andere gebräuchliche Methoden und ist sogar wirksamer als die meisten schmerzstillenden Medikamente.

„Das ist eine überraschende und wohl gute Nachricht“, kommentiert Prof. Claudia Sommer, leitende Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg. „Denn obwohl Nackenschmerzen in der Bevölkerung weitverbreitet sind und enorme wirtschaftliche Schäden verursachen, fehlte es bislang an wissenschaftlich gesicherten, wirksamen Therapien.“ Die Ärztin fordert vor dem großflächigen Einsatz der Technik in der Neurologie allerdings „größere hochwertige Einzelstudien“, die diese neuen Erkenntnisse überprüfen.

Wie der Softlaser heilt, ist bislang nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass er Mini-Entzündungen in den Muskeln ebenso dimmt wie die Weiterleitung von Schmerzsignalen ans Gehirn. Und noch ein Geheimnis behält die LLLT für sich: Bei Rückenschmerzen und Rheuma hilft sie nicht. Eine Sitzung kostet ca. 40 bis 80 Euro, meist sind drei nötig. Die Kassen zahlen nicht. Mehr Infos bei der Deutschen Gesellschaft für Lasermedizin, www.dglm.org.

LOW-LEVEL-LASER-THERAPIE Der Beschuss mit einem Softlaser hat keine Nebenwirkungen und ist vollkommen schmerzlos.

Die Matrix-Rhythmus-Therapie


LOCKER DRAUF MIT DEM RICHTIGEN SWING

Das physikalische Überlebensprinzip unserer ca. 50 Billionen Körperzellen heißt „Schwingung“. Permanent werden sie von Flüssigkeit, der sogenannten Matrix, umspült. Diese besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser – bei einem Erwachsenen sind das bis zu 18 Liter – und fungiert auch als „Taxi“ rein in die Zellen und wieder zurück. Im „Kofferraum“: auf der Hinfahrt Nähr- und Abwehrstoffe sowie Sauerstoff, auf der Rückfahrt diverse Abfallprodukte des Stoffwechsels. Der Motor dieses Matrix-Taxis sind acht bis zwölf rhythmische Schwingungen pro Sekunde, die mit ihrer Pumpwirkung den Stoffwechsel in jeder einzelnen Zelle antreiben.

Verspannungen in der Nackenmuskulatur durch einseitige Fehlbelastung oder Überlastung verlangsamen die Matrixschwingungen oder bringen sie zum Stocken. „Man muss sich das so vorstellen“, erklärt Dr. med. Ulrich G. Randoll, Facharzt für Allgemeinmedizin vom Matrix-Center in München: „Die Muskelzellen werden, wie jede andere Zelle im Körper auch, umspült wie die Fische im Wasser. Fehlt der Wasseraustausch, leiden die Fische zusehends, weil die Ver- und Entsorgung nicht mehr stimmt. Die ganze ,Logistik’ gerät in Unordnung und ,vermüllt’.“ Die Muskelzellen im Nacken schlittern in eine akute Energiekrise. Dr. Randoll: „Schmerzen, Verhärtungen, Muskelverkürzungen, Verkrampfungen und ein Verlust an Elastizität entstehen.“ Das kann z. B. Veränderungen im Gefäß- und Nervengewebe nach sich ziehen.

Die Matrix-Rhythmus-Therapie (MRT), die von der Universität Erlangen-Nürnberg zusammen mit Dr. Randoll entwickelt wurde, bringt die gesunden Schwingungen des interzellularen Wassers mithilfe des sogenannten Resonators wieder in Gang: Das Spezialgerät leitet mechanische und magnetische Schwingungen direkt in die Matrix der Muskelzellen. Sein Rhythmus simuliert einen Druck-Saug-Effekt wie beim natürlichen Muskelzittern. Die Matrix nimmt diese Impulse auf und gewinnt ihre Eigenschwingungen zurück. Die Zellen regenerieren sich, die Nackenschmerzen verschwinden.

Die Erfolgsquote der MRT liegt bei 80 Prozent. „Eine Kombination mit manuellen oder osteopathischen Techniken erweist sich als besonders sinnvoll“, so Dr. Randoll. Meist sind drei bis fünf Behandlungen nötig, 30 Minuten kosten ca. 40 bis 50 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur im Einzelfall. Mehr Infos und Therapeutenadressen auf www.marhythe-systems.de.

MATRIX-RHYTHMUS-THERAPIE Auch Knie- und Rückenschmerzen, Kopfweh, Sportverletzungen, Fersensporn und geschwollene Gelenke sprechen darauf an.

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