26. April 2015
Medizinische Märchen

Medizinische Märchen

Kortison ist Gift für mich und Pilze darf ich nicht wieder aufwärmen. Stimmt das? Diese und andere Behauptungen halten sich hartnäckig. In manchen steckt ein Fünkchen Wahrheit, andere sind inzwischen überholt oder waren schon immer Humbug. 24 Mythen, die Sie getrost vergessen können.

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© malerapaso/iStock
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  1. Rotwein fördert den Schlaf Ein Irrglaube, auf dem immer noch viele beharren. Möglich, dass manche nach dem Genuss von einem bis zwei Gläsern Rotwein am Abend schneller einschlummern. Doch ein wirklich erholsamer Schlaf stellt sich nicht ein. Denn sinkt die Alkoholkonzentration im Blut, startet der Körper Weckimpulse.

Und die unterbrechen die für die Regeneration so wichtige Tiefschlafphase.

  • Wunden heilen am Besten an der frischen Luft Falsch. Unter einem Pflaster bleibt die Verletzung feucht. Trocknet die Stelle aus, bildet sich ein dicker Schorf, unter dem die Wunde länger braucht, um abzuheilen.
  • Bei Nasenbluten den Kopf in den Nacken legen Im Gegenteil: Den Kopf am besten nach vorn beugen, damit das Blut abfließen kann und nicht verschluckt wird.
  • Stillende Frauen können nicht schwanger werden Eine sehr riskante Verhütungsmethode. Es stimmt, dass sich bei Stillenden der Prolaktin-Spiegel im Blut erhöht. Dieses Hormon kann den Eisprung hemmen. Aber eine Garantie dafür bekommen Sie nicht.
  • Herzinfarkt betrifft hauptsächlich Männer Männer sterben am Herzinfarkt, aber Frauen doch nicht? Leider falsch. Bei Frauen steht diese Todesursache hierzulande sogar seit Jahren auf Nummer eins, noch vor Krebs. Das liegt vor allem daran, dass er sich mit unspezifischen Symptomen bemerkbar macht, z. B. Beschwerden im Oberbauch, Übelkeit, Kurzatmigkeit. Die berühmten Schmerzen im linken Arm melden sich typischerweise bei Männern. Für Frauen kommt daher Hilfe oft zu spät.
  • Krummes Sitzen schadet dem Rücken Das hieße ja, wer immer schön gerade sitzt, bleibt von Rückenproblemen verschont. Stimmt aber nicht. Für den Rücken ist jede statische Haltung ungünstig, und jeder Positionswechsel tut gut. Im Büro die Rückenlehne Ihres Schreibtischstuhls etwa auf 135 Grad kippen. Diese Haltung
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    Medizin - Symptome und Diagnosen: Ultraschall, Röntgen, Kernspin – bildgebende Diagnoseverfahren sollen helfen, Krankheiten früh zu erkennen. Aber wann machen sie wirklich Sinn?

    belastet die Wirbelsäule am wenigsten.

  • Zahnbeläge gehen im Alter nicht mehr weg Im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses wird der weiße Zahnschmelz immer dünner und das darunter liegende gelbe Zahnbein (Dentin) scheint durch. Mit Ablagerungen hat das nichts zu tun.
  • Pickel kommen von zu viel Schokolade Keine Studie belegt den Zusammenhang von Ernährung und Hautunreinheiten. Vielmehr entstehen die Mitesser und entzündlichen Pusteln durch eine erhöhte Talgproduktion. Und die unterliegt schlicht und einfach den Hormonen.
  • Vegetarier brauchen gar kein Vitamin B mzuzuführen, weil das in unserem Dickdarm gebildet wird Vitamin B12 kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor. Um keinen Mangel zu entwickeln, sollten Vegetarier und vor allem Veganer daher auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Zwar sitzen Mikroorganismen, die das Vitamin produzieren, tatsächlich auch im Dickdarm, doch wir scheiden es ungenutzt wieder aus. Denn nur bestimmte Stellen in den Schleimhäuten von Mund und Dünndarm können Vitamin B12 auch absorbieren. Wir müssen es also oral zu uns nehmen.
  • Allergiker müssen auf Haustiere verzichten Nicht die Haare, sondern gewisse ihnen anhaftende Proteine plagen Allergiker. Sie werden durch Speichel übertragen, die Intensität unterscheidet sich je nach Rasse. Am Besten, Sie probieren im direkten Kontakt mit einem ausgewachsenen Tier (klappt nicht bei Welpen oder Katzenjungen), ob Reaktionen auftreten. Besonders allergenarm: Labradoodle-Hunde, German-Rex-Katzen.
  • Bleistiftkauen führt zur Bleivergiftung Wir können Entwarnung geben: Der giftige Stoff Blei kam nie in Schreibminen zum Einsatz. Für die Schwarzfärbung sorgt stattdessen Grafit. Der kristallisierte Kohlenstoff birgt für den menschlichen Organismus keine Gefahr. Das Nagen am Stift bleibt dennoch eine schlechte Angewohnheit.
  • Nur Sportler brauchen Magnesium, um Krämpfe zu vermeiden Magnesium beteiligt sich an vielen Körperprozessen, nicht nur an den muskulären. So weisen beispielsweise Migränepatienten häufig einen niedrigen Magnesiumspiegel auf. Auch Diabetiker profitieren von einer verstärkten Aufnahme. Den Tagesbedarf decken Sie mit 375 mg (z. B. „Magnetrans ultra“, in Apotheken).
  • Mythen der Medizin

    13. Augentropfen machen abhängig Keine Sorge, wer gereizte, trockene Augen benetzt, macht alles richtig. Denn ohne Tränenflüssigkeit kommt es zu Reibung. Die ist nicht nur unangenehm, sondern kann Entzündungen verursachen. Zu einem Gewöhnungseffekt führen Augentropfen nicht. Pflanzliche Präparate (z. B. „Wala Euphrasia Augentropfen“, in Apotheken) wirken besonders gut verträglich.

    14. Scharfes Essen ist Geschmackssache Es existiert kein Geschmackssinn für „scharf“. Wir empfinden die Wirkung scharfer Speisen zwar im Mund, doch werden dabei nicht die dort befindlichen Geschmackspapillen angesprochen. Vielmehr melden sich Zellen, die für die Schmerzreiz-Weiterleitung zuständig sind, wie auch bei Hitze. Scharfes Essen tut also eigentlich nur weh.

    15. Kortison-Präparate unbedingt vermeiden Dünne Haut, brüchige Knochen, Vollmondgesicht – schwere Nebenwirkungen wie diese begründeten in den 1970er-Jahren den schlechten Ruf von Kortison. Doch damals wurde es viel zu sorglos und hoch dosiert verschrieben. Wird das körpereigene Hormon mit Bedacht angewandt, zählt es zu einem unserer wichtigsten Medikamente; z. B. kann Kortison Allergikern das Leben retten und Rheumapatienten den Schmerz nehmen. Wichtig: Immer nur so kurz und gezielt wie möglich einsetzen.

    16. Bei Nagelpilz darf ich monatelang keinen farbigen Lack auftragen In erster Linie brauchen Sie Geduld, um Nagelpilz zu bekämpfen. Spezielle Lacke töten den Pilz ab, sodass er sich nicht weiter ausbreitet. Dann müssen Sie nur noch warten, bis die betroffene Stelle rausgewachsen ist. Einen wirkstoffhaltigen Lack auf Acrylbasis, der relativ wasser- und abriebfest ist, können Sie in der Zeit durchaus farbig überlackieren (z. B. „Loceryl“, in Apotheken).

    17. Zähne immer möglichst kräftig schrubben Vorsicht! Wenn Sie zu fest aufdrücken, können Sie sich den schützenden Zahnschmelz förmlich wegschrubben. Sauberer bekommen Sie Ihr Gebiss dadurch leider nicht. Zur richtigen Zahnhygiene die Zahnbürste lieber nur sanft aufsetzen (praktisch: elektrische Zahnbürsten mit integrierter Andruck- kontrolle) und außerdem täglich Interdentalbürstchen oder Zahnseide verwenden, um die Zahnzwischenräume zu reinigen.

    18. Tägliche Darmentleerung muss sein Die Menschen sind unterschiedlich. Manche „können“ tatsächlich täglich, sogar mehrfach. Andere gehen nur alle drei Tage aufs Örtchen. Das liegt alles im Normalbereich. Nur wenn sich bei Ihnen plötzlich die Verdauungsgewohnheiten ändern, sollten Sie dem sicherheitshalber auf den Grund gehen und einen Arzt aufsuchen.

    19. Bügel-BHs fördern das Brustkrebsrisiko Zahlreiche Wissenschaftler haben versucht, Belege für dieses Gerücht zu finden – ohne Erfolg. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bestätigt: „Das Tragen von Büstenhaltern beeinflusst das Brustkrebsrisiko nicht, egal ob zu eng oder passend, mit Bügel oder ohne.“ Lediglich bei Frauen mit deutlichem Übergewicht steigt die Gefahr nach den Wechseljahren an.

    20. Lesen bei schlechtem Licht schädigt die Augen In der Dunkelheit müssen sich die Augen mehr anstrengen, die Muskeln ermüden schneller und die Sehkraft lässt kurzfristig nach. Dauerhaft richtet das bei Erwachsenen aber keinen Schaden an. Bei Kindern stimmt die Aussage. Ihre Augen sind noch nicht fertig ausgebildet, bei zu häufigem Schmökern unter der Bettdecke können sie kurzsichtig werden.

    21. Sport gefährdet die Gesundheit Herzinfarkt auf dem Fußballplatz oder beim Marathonlauf – viele führen „Sport ist Mord“ gern als Argument an, gemütlich auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Dabei senkt regelmäßige sportliche Aktivität den Blutdruck, trainiert das Herz und verbessert die Sauerstoffversorgung. Alles Wirkungen, die Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern. Verlangen Sie sich aber keine Höchstleistungen ab, wenn Sie untrainiert oder krank sind. Ein Spaziergang tut’s auch.

    22. Vorsorge schützt vor Krankheiten Ein Missverständnis: Vorsorgeuntersuchungen beugen keiner Erkrankung vor. Die korrekte Bezeichnung lautet daher auch „Früherkennung“. Denn der positive Effekt kommt daher, dass mögliche Erkrankungen, z. B. Tumoren, rechtzeitig entdeckt und dann sofort behandelt werden können. Damit steigen auch die Heilungschancen.

    23. Weiße Flecke auf den Fingernägeln zeigen einen Kalziummangel Stimmt nicht. Die weißen Punkte entstehen durch kleine Verletzungen der Nagelplatte. Die Struktur der Hornschuppen lockert sich etwas, manchmal bilden sich kleine Lufteinschlüsse – völlig harmlos. Gehen Sie etwas sanfter bei der Maniküre vor, dann sollten keine neuen Flecke entstehen.

    24. Pilze und Spinat darf ich nicht wieder aufwärmen Der Rat stammt aus einer Zeit, als noch kein Kühlschrank im Haushalt stand. Auf Pilzen kann sich Schimmel schnell vermehren. Daher sollten sie sobald wie möglich verzehrt werden. Bei Spinat verwandeln Bakterien mit der Zeit das enthaltene Nitrat in giftiges Nitrit. Aber nicht das zweite Erwärmen ist das Problem, sondern die lange Lagerung bei Zimmertemperatur.

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