12. Februar 2010
Medizin - Symptome und Diagnosen

Medizin - Symptome und Diagnosen

Ultraschall, Röntgen, Kernspin – bildgebende Diagnoseverfahren sollen helfen, Krankheiten früh zu erkennen. Aber wann machen sie wirklich Sinn? 

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Spannende Bilder aus dem menschlichen Körper sind heute medizinischer Alltag. Möglich wurde das zuerst im Jahre 1895 mit der Entdeckung der nach Wilhelm Conrad Röntgen benannten Strahlen. In den vergangenen 110 Jahren hat diese Art der Diagnostik erhebliche Fortschritte gemacht: Leistungsfähige Computer erlauben ein immer genaueres Bild von Organen oder Knochen. Nicht nur zwei-, sondern auch dreidimensionale Ansichten sind mit Schichtaufnahmeverfahren wie der Computertomografie (CT) oder der Magnetresonanztomografie (MRT) möglich. Selbst Vorgänge wie Stoffwechsel oder Blutfluss können heute von außen beobachtet werden – ganz ohne Skalpell. Doch was können diese sogenannten „bildgebenden Diagnoseverfahren“ (siehe Tabelle Seite 71) leisten? Welche Vorsorgeuntersuchung ist sinnvoll, und was ist nur teuer, aufwändig oder belastend? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Können die Diagnose-Methoden schaden?

Der Blick in den Körper ist nicht immer ganz harmlos. Besonders bei Röntgenaufnahmen und der CT wirkt Strahlung auf den Körper, die bei hoher Belastung zu Krebs führen kann. Sinnvoll ist es daher, jede Untersuchung in einen Röntgenpass eintragen zu lassen (kostenlos beim Arzt oder beim Bundesamt für Strahlenschutz). So behält man den Überblick und kann Mehrfachuntersuchungen ausschließen. Die CT wird bei Ärzten immer beliebter, denn sie kann viel genauere Bilder liefern als das einfache Röntgenbild. Doch die Genauigkeit wird mit einer stärkeren Strahlenbelastung erkauft. Sie kann bis zu 1000-mal höher sein als beim Röntgen. Risiko und Nutzen jeder Strahlendiagnose sollte daher gut abgewogen werden.

Was tun bei Osteoporose?

Osteoporose: Welches Messverfahren ist empfehlenswert?

Einfach, preiswert und oftmals fälschlich als „Knochendichtemessung“ bezeichnet, können Ultraschalluntersuchungen zwar das statistische Bruchrisiko der Knochen gut ermitteln, nicht aber die tatsächliche Knochendichte messen. Als Früherkennungsmaßnahme der Osteoporose sind sie eher ungeeignet. Lediglich bei regelmäßiger Messung schon in jungen Jahren kann eine Tendenz festgestellt werden. Hierzu müssen alle Ergebnisse aufbewahrt und später verglichen werden. Eine Osteoporose wird mit diesem Verfahren nicht diagnostiziert, geschweige denn ein Behandlungsverlauf dokumentiert. Hierzu sind Röntgenstrahlen nötig: Bei einer einfachen Röntgenuntersuchung (DXA-Methode) wird der Knochen zweidimensional abgebildet. Damit ist die Knochendichte pro Fläche (in der Einheit g/cm2) abbildbar. Wirklich aussagekräftige Werte liefert jedoch nur die dreidimensionale Darstellung durch ein CT am Unterarm und am Unterschenkel. Zusätzlich kann damit nicht nur die Dichte, sondern auch die Struktur dargestellt werden. So kann ein erfahrener Arzt auch ohne Vergleichswerte aus jüngerem Alter die tatsächliche Rückbildung von Knochen erkennen. Nachteil der CT: die höhere Strahlenbelastung.

Welche Diagnosen helfen bei Rückenschmerzen und Kopfschmerzen?

Soll man bei chronischen Rückenschmerzen röntgen?

Nur allzu schnell schicken Orthopäden Patienten mit Rückenschmerzen zum Röntgen. Dabei sind rund 85 Prozent der Beschwerden unkompliziert und beruhen nicht auf krankhaften Veränderungen der Wirbelsäule. Das Röntgen dient nur dem Ausschluss und ist eigentlich unnötig. Dem gegenüber steht das Risiko der Strahlendosis bei der Untersuchung.

Kopfschmerzen – können bildgebende Verfahren bei der Diagnose helfen?

Wie bei den Rückenschmerzen ist eine aufwändige bildgebende Diagnose bei Kopfschmerzen meist unnötig. Meistens ist es keine krankhafte Veränderung der Wirbelsäule oder des Gehirns, was den Schmerz auslöst. Selbst eine Differenzierung der über 200 Kopfschmerz- und Migränearten kann ein erfahrener Schmerzspezialist in über 90 Prozent der Fälle durch die Anamnese im Gespräch mit dem Patienten abklären. Nur selten, wenn der Schmerz zum Beispiel erstmals nach dem 40. Lebensjahr oder nach einem Unfall auftritt, sind bildgebende Verfahren notwendig, um Blutungen, Tumore oder Entzündungen auszuschließen. Zum Einsatz kommt dann Ultraschall, mit dem Gefäßveränderungen aufgespürt werden können. Wird ein Abstrahlen von der Wirbelsäule vermutet, kann Röntgen Aufschluss geben. CT und MRT des Kopfes decken Veränderungen im Gehirn auf, wie Tumore, Entzündungen und Gefäßprobleme.

Früherkennung beim Gynäkologen

Gynäkologische Früherkennung: Was bringen Ultraschalluntersuchungen?

Die Sonografie ist eine Form der bildgebenden Diagnostik ohne Risiken und Nebenwirkungen. Sie schadet nicht, und ein erfahrener Arzte kann sich so ein gutes Bild von den inneren Organen machen. Nicht nur während der Schwangerschaft, auch routinemäßig gibt Ultraschall Aufschluss über den Zustand von Gebärmutter, Eierstöcken und Eileitern. Die Aussagekraft steht und fällt mit der verwendeten Technik und der Erfahrung des Arztes, der die Bilder anschließend interpretiert. Am besten suchen Sie einen Arzt mit Ultraschall-Zertifikat auf (z. B. von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin). Der vaginale Ultraschall ist keine Kassenleistung, wird aber zur optimalen Vorsorge ab 30 Jahren als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) von den meisten Ärzten empfohlen. Als erste Diagnose ist eine Sonografie immer sinnvoll bei Symptomen wie Zwischenblutungen oder Unterleibsschmerzen. In so einem Fall handelt es sich um eine Diagnose, die die Kassen zahlen, und nicht um Vorsorge.

Wie sieht eine optimale Brustkrebs-Früherkennung aus?

Gewebeveränderungen in der Brust können durch eine ganze Reihe von Verfahren erkannt werden, deren Anwendung sehr stark vom Alter und dem persönlichen Brustkrebsrisiko abhängig sind: Das Röntgen der Brust (Mammografie) gilt derzeit als beste Methode, um Veränderungen früh zu erkennen. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zu einem kostenlosen Screening eingeladen. Bei jüngeren Frauen ist das Brustgewebe jedoch oft noch zu dicht, so dass die Mammografie keine guten Ergebnisse liefert und die Strahlenbelastung in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen steht. Daher gibt es von 30 bis 49 als Kassenleistung die jährliche Tastuntersuchung beim Frauenarzt plus Anleitung zum monatlichen Selbstabtasten. Zeigen sich dabei verdächtige Veränderungen, werden sie durch eine Mammografie und unter Umständen eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung der Brust abgeklärt. Letztere wird auch häufig als IGeL angeboten. Nachteile: hoher Zeitaufwand und Kosten (ab 40 Euro). Die Vorteile sind jedoch: keine Strahlenbelastung und – bei einem Spezialisten – sehr klare, gute Bilder, die oft Unterscheidungen von Zysten beziehungsweise gut- oder bösartigen Tumoren möglich machen. Auch für junge Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko wird Ultraschall im Rahmen der besonderen Brustkrebsvorsorge erstattet. Hier sollte nämlich jede unnötige Strahlenbelastung vermieden werden. Eine MRT kann Tumore ebenfalls sehr früh erkennen. Sie ist aber zeitaufwändig und sehr sensitiv, was in rund 20 Prozent der Fälle zu fälschlich bösartigen Befunden und damit zu unnötigen Ängsten führt.

Was ist eine virtuelle Darmspiegelung?

Ist eine virtuelle Darmspiegelung sinnvoller als eine klassische?

Die Darmspiegelung (Koloskopie) gilt als beste Früherkennungsmaßnahme von Darmkrebs. Bei über 55-Jährigen übernehmen die Kassen die Kosten zweimal im Abstand von zehn Jahren. Ein Vorteil der konventionellen Methode mit Endoskop: Geschwülste oder Polypen, die bösartig werden könnten, werden gleich entfernt. Der Krebs kann gar nicht erst entstehen. Doch der Gedanke an eine Darmspiegelung schreckt viele Menschen ab. Eine Alternative ist die virtuelle Darmspiegelung: Mittels CT oder MRT werden Schichtbilder des Darms aufgenommen, aus denen ein dreidimensionales Bild entsteht. Auch bei der virtuellen Koloskopie ist vorab eine Darmreinigung nötig. Flache oder noch kleine Polypen werden oft übersehen, und bei verdächtigen Veränderungen ist anschließend eine konventionelle Koloskopie notwendig, um diese zu entfernen. Die Kosten, ca. 800 Euro, zahlen die Kassen in der Regel nicht.

Wann machen MRT-Bilder Sinn?

Helfen Bild-Diagnosen bei unspezifischen Symptomen?

Müde, abgeschlagen, appetitlos – kommen mehrere solcher Symptome zusammen, sollte man sie ernst nehmen. Versteckte Infektionen, Schilddrüsenprobleme oder Tumore können die Ursache sein. Doch bildgebende Verfahren wie eine Ganzkörper-MRT sind erst die zweite Wahl bei der Diagnose und werden ohne Verdachtsmomente von den Kassen nicht erstattet. Eine umfassende Anamnese und ein großes Blutbild sind die sinnvolleren ersten Schritte auf dem Weg zur Ursache.

Diagnose-Überblick - Röntgen und Computertomografie

Diagnose-Überblick


Diagnoseverfahren Röntgen, dazu gehören z. B. auch die Angio- und Mammografie

So funktioniert es: Röntgenstrahlen durchdringen den Körper und zeichnen digital oder auf Fotopapier Gewebe- oder Knochenunterschiede auf

Die Anwendungsgebiete: Bei Verdacht auf Knochenschäden. Stärkere Strahlung kann auch Gewebeveränderungen erkennen

Oft nicht sinnvoll… bei chronischen Rücken- oder Kopfschmerzen, unspezifischen Symptomen

Was zahlt die Kasse? Notwendige Untersuchungen werden gezahlt. Ab ca. 15 Euro

Diagnoseverfahren Computertomografie, auch als „CT“, „CT-Scan“ oder „CATScan“ bezeichnet

So funktioniert es: Mit Röntgenstrahlen wird eine Vielzahl von Bildern gemacht und von einem Computer in ein 3-D-Modell umgerechnet

Die Anwendungsgebiete: Sehr genaue 3-D-Darstellungen von Knochen und Gewebe, z. B. bei komplizierten Knochenbrüchen

Oft nicht sinnvoll… bei chronischen Rücken- oder Kopfschmerzen, unspezifischen Symptomen

Was zahlt die Kasse? Ab 35 Euro z. B. für eine CT-Knochendichtemessung. Erstattung bei Krankheitsverdacht

Diagnose-Überblick - Magnetresonanztomografie

Diagnose-Überblick


Diagnoseverfahren Magnetresonanztomografie, auch „MRT“, „MRI“ oder „Kernspintomografie“ genannt

So funktioniert es: Gemessen wird mit Magnetfeldern ohne Strahlenbelastung. Eine MRT dauert jedoch mindestens 30 Minuten, ist sehr laut, die Röhre eng

Die Anwendungsgebiete: Darstellung auch von Nerven- und Hirngewebe möglich. Aufspüren von Entzündungen, Tumoren

Oft nicht sinnvoll… zur Knochenbegutachtung, gefährlich bei Metallimplantaten, Schrittmachern

Was zahlt die Kasse? Einzelorgane ab ca. 140 Euro, Ganzkörper ab ca. 600 Euro. Kassen zahlen keine Vorsorg

Diagnose-Überblick Sonografie und Nuklearmedizin

Diagnose-Überblick


Diagnoseverfahren Sonografie, umgangssprachlich „Ultraschall“ genannt

So funktioniert es: Schallwellen werden vom Körpergewebe unterschiedlich reflektiert oder absorbiert, dadurch kann ein Bild erzeugt werden, auch in 3 D

Die Anwendungsgebiete: Zur Diagnose innerer Organe wie Schilddrüse, Herz, Niere oder Gebärmutter

Oft nicht sinnvoll… zur Darstellung von Knochenstrukturen, dem Gehirn oder den Gelenken

Was zahlt die Kasse? Ab ca. 12 Euro pro Organ. Bei Krankheitsverdacht zahlt die Kasse


Diagnoseverfahren Nuklearmedizin (Positronen-, Einzelphotonen- Emissions- Tomografie, Szintigrafie)

So funktioniert es: Der Patient nimmt leicht radioaktive Kontrastmittel ein, die nach außen abstrahlen und dort von speziellen Kameras gemessen werden

Die Anwendungsgebiete: Darstellung von Stoffwechselaktivität z. B. bei der Krebsdiagnose, Schilddrüsenproblemen

Oft nicht sinnvoll… als Vorsorgeuntersuchung, lediglich bei akuten Verdachtsmomenten

Was zahlt die Kasse? Szintigrafie ab ca. 150 Euro, PET-Scan ab ca. 1000 Euro. Vorsorge wird nicht erstattet

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