7. Februar 2010
Medi-Tapes

Medi-Tapes

Der Trend bei Rückenschmerzen, Migräne oder Muskelverspannungen: Medi-Tapes. Die elastischen Klebebänder wirken allein durch sanften Druck.

Medi-Tapes
© olly- Fotolia.com
Medi-Tapes

Sie sind so bunt wie Papageien und versprechen wahre Wunder. Grüne, rote, gelbe oder blaue Tapes sollen z. B. Migräne und Fersensporn verschwinden lassen, Verspannungen, Rückenschmerzen, Lymphödeme, Verdauungsprobleme und Tinnitus bessern. Aber helfen die in Längsrichtung elastischen, selbstklebenden Baumwollbänder, die keinerlei chemische Zusatzstoffe enthalten, tatsächlich? In einer jüngsten Studie hat Dr. Willem Evermann, Arzt für Naturheilverfahren in Kiel, die Wirkung der Tapes an 65 Patienten untersucht. Sie litten unter anderem an Hexenschuss, einem Halswirbelsäulen - oder Schulter-Arm-Syndrom mit heftigen, ziehenden Nackenschmerzen, aber auch an einer Überlastung der Muskeln oder Entzündungen am Sehnenansatz auf dem Schienbein.

Mehr Tipps und Infos

Bücher

- Dr. Dieter Sielmann: „Medi-Taping: Schmerzfrei im Handumdrehen“, Haug Sachbuch, 95 Seiten, 14,95 Euro
- Hans-Ulrich Hecker: „Aku-Taping – sanft gegen den Schmerz“, Haug Sachbuch, 96 Seiten, 17,95 Euro
- Birgit Kumbrink: „Kinesio-Taping: Ein Praxishandbuch. Grundlagen, Anlagetechniken, Indikationen“, Springer, 240 S., 44,95 Euro

Im Buchhandel oder zu bestellen über: info@vitaldirekt-shop.de oder Tel. 0 18 05/15 70 00 (vitaldirekt, 14 Cent/ Min., abweichender Mobilfunktarif)

Therapeuten

Eine umfassende Liste finden Sie auf www.kinesio-taping.de

Schneller schmerzfrei

Das Ergebnis ist überraschend. Dr. Evermann: „Die Tape-Behandlung war in diesen Fällen physikalischen oder medikamentösen Maßnahmen deutlich überlegen.“ Bei akutem Hexenschuss etwa wurden die Patienten schon innerhalb der ersten drei Tage schmerzfrei. In einer Kontrollgruppe, die Rotlicht, Massagen und Fangopackungen bekam, dagegen erst nach zwei Therapiewochen. Behandelte der Arzt ein Halswirbelsäulen- Syndrom mit den Tapes, verschwanden die Beschwerden bereits nach 24 Stunden statt nach 14 Tagen.

Die Knallfarben der Baumwollbänder, die durch unterschiedliche energetische Schwingungen eine zusätzliche Heilwirkung erzielen sollen, spielten aber offenbar keine entscheidende Rolle. Denn um einer Autosuggestion der Patienten nach dem Motto „Rot wärmt“ oder „Blau kühlt“ vorzubeugen, pflasterte Dr. Evermann alle Studienteilnehmer einheitlich mit schwarzen Tape-Bändern, die bei den Probanden eher negative Gefühle auslösten.

FürSie.de berichtet ausführlich darüber wie das Tapen gegen Schmerzen helfen kann >> hier geht es zum Artikel

Nonstop-Massage

Nonstop-Massage

Entwickelt hat das Medi-Taping der japanische Mediziner und Chiropraktiker Kenzo Kase bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In Deutschland setzt sich die Methode aber erst seit etwa vier bis fünf Jahren durch – auch unter Bezeichnungen wie „Kinesio-Taping“ oder „Aku-Taping“. Zahlreiche Mediziner und Physiotherapeuten arbeiten schon mit den elastischen Bändern. Die 5 Zentimeter breiten Tapes sehen aus wie Krepp- bänder, die beim Renovieren und Malen zum Abkleben eingesetzt werden.

Ihre beschichtete Rückseite besteht zu 100 Prozent aus Acryl. Die Tapes sind ähnlich dehnbar wie unsere Haut und werden in der Regel tatsächlich über mehrere Wochen als „zweite Haut“ getragen. Die Theorie dahinter: Bei einer Massage bewegt der Physiotherapeut Haut und Unterhautfettgewebe. Beim Kinesio-Taping dagegen wird die Haut ein ganzes Stück weit fixiert. Nur die Knochen, Muskeln und Sehnen können sich unter ihrem jetzt starren Gefüge normal und ungehindert bewegen. Mit jeder Bewegung werden Haut und Gewebe unter dem Tape lediglich angehoben. Lymphe und Blut fließen besser, verkrampfte Muskeln werden stärker durchblutet, Schmerzhormone beschleunigt abgebaut.

Ist durch das Medi-Taping z. B. die Nackenund Halsmuskulatur entkrampft, kommt es seltener zu Spannungskopfschmerzen oder Migräneattacken durch Muskelblockaden. Die schnelle Schmerzbefreiung durch die Tapes verhindert zudem, dass es z. B. nach einem Hexenschuss zu einer dauerhaften Schonhaltung kommt, die den Heilungsprozess verzögert. Aber: „Um die Wirkung des Medi-Tapings vollständig zu verstehen und zu belegen, sind unbedingt noch weitere Untersuchungen notwendig“, sagt Dr. Willem Evermann. Niemals in Eigenregie! Weil die Tapes mit etwa 10 Euro pro 4,50- Meter-Rolle (Kassen zahlen nicht) vergleichsweise günstig sind, neigen immer mehr Menschen dazu, sich in Eigenregie zu behandeln. Ohne exakte Anatomiekenntnisse besser nicht, warnen Experten. Ärzte und Physiotherapeuten nehmen ab 10 Euro pro Streifen. Der Zug der Bänder darf nicht zu stark und nicht zu schwach sein. Und sich selbst den Nacken zu pflastern, dürfte selbst Schlangenmenschen schwerfallen.

Test-Bericht

»DIE SCHMERZEN WURDEN WENIGER«

Imme Bohn, 48, VITAL- Redakteurin

„Eines muss ich vorweg sagen: Ich habe mein ,Leiden’ schon länger. Seit sechs Monaten schmerzten rechte Schulter und Arm. Als ich durch meinen behandelnden Physiotherapeuten vom Medi-Taping erfuhr, war ich extrem neugierig und voller Hoffnung. Ich gehöre nämlich zu den Patientinnen, die möglichst keine Tabletten nehmen und keine Spritzenbekommen wollen. Das Tape sollte ein Element der Behandlung sein.

Als der etwa 15 Zentimeter lange rote Kunststoffstreifen auf meinem rechten Schulterblatt klebte, spürte ich eine leichte Wärme – als wäre alles stärker durchblutet. Anfangs kribbelte es noch auf der Haut, aber nach wenigen Stunden hatte ich das Tape vergessen. Zehn Tage habe ich es getragen. Und: Weg sind die Schmerzen leider noch nicht. Aber sie werden seit dem Tapen immer weniger.“

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