12. Juli 2021
Long-Covid bei Kindern: Was über die Spätfolgen bekannt ist

Long-Covid bei Kindern: Was über die Spätfolgen bekannt ist

Unter Long-Covid leiden nicht nur erwachsene Corona-Genesene. Auch Kinder und Jugendliche können Wochen später noch Beschwerden haben. Was bisher zu den Langzeitfolgen bekannt ist, erfahren Sie hier.

Zu Beginn der Corona-Pandemie hieß es, dass Kinder nicht zum Infektionsgeschehen beitragen und weniger ansteckend seien. Dass diese Annahme so nicht mehr stimmt, zeigten die letzten 15 Monate. Während der dritten Welle im Frühling dieses Jahres infizierten sich immer mehr Kinder und Jugendliche mit dem Coronavirus. Zwar sind schwere Verläufe eher selten und viele Infektionen laufen symptomlos ab, aber auch Wochen danach können genesene Corona-Patienten unter Long-Covid leiden. Zu den Beschwerden der Langzeitfolgen zählen unter anderem Abgeschlagenheit, Husten, Kurzatmigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Aufgrund von fehlenden Daten ist bislang noch nicht klar, wie stark und verbreitet diese Langzeitfolgen sind.

Long-Covid bei Kindern schwierig zu diagnostizieren

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezog sich im Talk mit Maybrit Illner auf britische sowie italienische Studien und sagte, dass sieben Prozent der jungen Infizierten Symptome von Long-Covid entwickelten – das sei „keine Kleinigkeit“. Laut einer britischen Umfrage weisen sogar rund 9 bis 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen fünf Wochen nach der Infektion noch mindestens ein Symptom auf.

Long-Covid ist bei Kindern allerdings schwer zu diagnostizieren. Eine weitere Problematik ist, dass man die Symptome auch auf den langen Lockdown zurückführen kann, der für Kinder eine psychische Belastung dargestellt hat und der mitunter zu Beschwerden führen kann. „Die Symptome des Long-Covid-Syndroms sind sehr diffus und überschneiden sich mit vielen anderen Krankheiten“, erklärt Dr. Daniel Vilser, Leiter der Long-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Jena, gegenüber geo.de. „Eine medikamentöse Therapie von Long-Covid haben wir noch nicht, weil wir die Ursache noch nicht kennen. Wir können nur die Symptome behandeln“, fasst es Daniel Vilser zusammen. In der Ambulanz der Uniklinik Jena werden betroffene Kinder beispielsweise mit Ergo- und Physiotherapie unterstützt.

Um das Krankheitsbild Long Covid besser zu erfassen und Betroffenen zu helfen, hat sich in München eine Spezial-Ambulanz gegründet. „Die gute Nachricht ist [...]: Viele junge Patientinnen und Patienten können sich folgenlos von den langwierigen Symptomen eines Post-Covid-Syndroms erholen.“ Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) hat eine Online-Umfrage eingerichtet, in der Kinderärzte Fälle von Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen melden können.

Impfung und Hygienekonzept: Besserer Schutz für Kinder und Jugendliche

Der Biontech-Impfstoff ist für Kinder ab 12 Jahren zugelassen worden, allerdings rät die Ständige Impfkommission (STIKO) nur Kindern mit Vorerkrankungen zu einer Impfung. Epidemiologen warnen, dass die vierte Welle aufgrund von einer nicht erreichten Herdenimmunität Deutschland im Herbst überrollen wird. Auch sprechen sich viele Politiker für einen höheren Schutz für Kinder aus. Dazu gehören unter anderem eine bessere Testpflicht für Kinder und einheitliche Maskenregeln. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble warnte vor neuen Schulschließungen und sprach sich für die Impfung von Jugendlichen aus. „Man sollte Jüngere impfen, wenn sie es wollen. Wenn wir es durch Impfungen der 12- bis 17-Jährigen schaffen, dass wir Einschränkungen im Schulbetrieb vermeiden, dann ist das ein gewichtiges Argument“, sagte Schäuble gegenüber der Bild am Sonntag.

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