7. September 2021
Lockdown im Herbst? Was Geimpfte und Ungeimpfte erwartet

Lockdown im Herbst? Was Geimpfte und Ungeimpfte erwartet

Die vierte Welle nimmt langsam, aber unaufhaltsam an Geschwindigkeit auf. Als erstes Bundesland reagiert Baden-Württemberg und wird strengere Corona-Verordnungen für Ungeimpfte verhängen. Ob ein erneuter, bundesweiter Lockdown im Herbst wahrscheinlich ist, ist bislang noch nicht gewiss. Virologe Christian Drosten schließt angesichts der niedrigen Impfquote Kontaktbeschränkungen für alle nicht aus. Ein Überblick zur aktuellen Lage.

Vor etwa zwei Wochen versicherte Jens Spahn in den tagesthemen, dass es im Herbst keinen Lockdown für Geimpfte und Genesene geben wird. Es sei denn, es gebe eine neue Variante, gegen die die Impfstoffe nicht helfen. „Mit der Delta-Variante kommen wir sicher durch Herbst und Winter, wenn sich viele impfen lassen und wir das 3G-Prinzip im Innenraum haben“, so Spahn.

Drosten: Kontaktbeschränkungen für alle im Herbst möglich

Virologe Christian Drosten rechnet angesichts der aktuellen geringen Impfquote mit gesamtgesellschaftlichen Kontaktbeschränkungen im Herbst. Die derzeitige Impfquote von 61 Prozent der vollständig Geimpften reiche nicht aus, um so in den Herbst zu gehen. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk bezieht sich der Leiter des Instituts für Virologie an der Charité auf die Modellierung des Robert-Koch-Instituts aus dem Juli. Diese besagt, dass im Oktober in der Bevölkerung die Kontakte um 10 Prozent und im November um 30 Prozent gesenkt werden müssten.

Zudem habe sich gezeigt, dass nach einigen Monaten der Übertragungsschutz von Geimpften deutlich abnehme. Außerdem bezieht sich der Experte auf Studienergebnisse aus Großbritannien. Diese zeigen, dass bei der dominanten Delta-Variante eine deutlich höhere Hospitalisierungsrate im Herbst zu erwarten sei.

Ungeimpfte besser aufklären

Drosten appellierte in dem Interview mit dem Deutschlandfunk an noch Ungeimpfte, sich impfen zu lassen: „Wir müssen unbedingt gesamtgesellschaftlich an der Impfquote arbeiten.“ Drosten sehe davon ab, immer mehr Druck auf Ungeimpfte auszuüben, sondern warb dafür, mehr aufzuklären. „Man muss mehr verständlich machen, was der Impfschutz eigentlich ist, was er kann, was er nicht kann.“

Teil-Lockdown für Ungeimpfte in Baden-Württemberg

Als erstes Bundesland rückt der Teil-Lockdown für Ungeimpfte in Baden-Württemberg immer näher. Ende nächster Woche soll eine neue Corona-Verordnung verkündet werden. Wie der SWR berichtete, wird ein Stufenplan mit Beschränkungen für Ungeimpfte und ein 2G-Modell wahrscheinlich sein. „Das hat nichts mit Strafe oder irgendwas durch die Hintertür zu tun, sondern es ist die Erfordernis, die Pandemie im Griff zu behalten. Andere Motive stehen überhaupt nicht dahinter“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte sollen spätestens nach den Sommerferien am 13. September für ungeimpfte Menschen in Kraft treten, das teilte eine Sprecherin des Staatsministeriums dem SWR mit. Demnach dürften sich nur noch zwei Haushalte treffen. Auch eine PCR-Testpflicht für den Besuch von Restaurants und Theater soll es geben. Kretschmann hält das für unausweichlich. „Die Nicht-Geimpften sind jetzt natürlich die Träger der Pandemie“, sagte er der Deutschen Presseagentur. Zudem zieht der Plan das 2G-Modell in Betracht, das bereits in Hamburg gilt. Ein Kino- oder Restaurantbesuch wäre dann nur noch für Geimpfte oder Genesene möglich.

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