Lipödem: 3 Ursachen, die Sie noch nicht kannten

Lipödem: 3 Ursachen, die Sie noch nicht kannten

Fettverteilungsstörungen an Armen und Beinen betreffen fast ausschließlich Frauen und verursachen mitunter starke Schmerzen. Wie kommt es aber zu Entstehung der Lipödeme? Die Wissenschaft kennt einige Hypothesen dazu.

Was ist ein Lipödem?

Lipödem bezeichnet eine Fettverteilungsstörung, bei der Fettzellen des Unterhautfettgewebes sich krankhaft vermehren und vergrößern. Die Fettzellenwucherungen verursachen Schäden im Bindegewebe, was zur zusätzlichen Gefäßdurchlässigkeit mit Wassereinlagerungen im Bindegewebe führen kann. Ein Lipödem ist eine voranschreitende Erkrankung, die in mehreren Stadien abläuft und fast ausschließlich an Armen, Hüfte und Beinen auftritt. Von Lipödemen sind fast ausschließlich Frauen betroffen. Die Fettverteilungsstörung ist unabhängig von Übergewicht und hat als eigenständiges Krankheitsbild nichts mit ungesunden Essverhalten oder mangelnder sportlicher Aktivität zu tun. Dr. Jens Altmann, Facharzt für Plastische Chirurgie, leitender Arzt der Bodenseeklinik und Generalsekretär der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Medizin (IGÄM e.V.) weiß zu berichten:

In jedem Fall sind Lipödeme keine ‚klassischen‘ Fettpolster, die durch Übergewicht entstanden sind. Ganz im Gegenteil zeichnen sie sich durch Diätresistenz aus. (…) ein Lipödem ist durch eine charakteristische Statur gekennzeichnet. So sind Arme und Beine meist voluminöser und harmonieren nicht mit den restlichen Körperproportionen.

Fettverteilungsstörungen an den Armen, Beinen und der Hüfte verursachen den Betroffenen körperliche Schmerzen. Typische Symptome von Lipödem sind:

  • Schwellungen und Fettvermehrung tritt symmetrisch auf (beide Arme oder beide Beine sind von der Fettvermehrung betroffen)
  • Spannungsgefühl im betroffenen Gewebe
  • Druckschmerz und Berührungsschmerzen
  • Durchblutungsstörungen
  • Hämatomneigung
  • Bildung von Fettlappen
  • Entzündungen in Hautfalten möglich
  • Unterhautfettgewebe hat knotige Struktur

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3 Ursachen und Faktoren, die Lipödeme auslösen können

Es gibt bis heute keine genau geklärten Auslöser und Ursachen, die die Entwicklung eines Lipödems begünstigen. Als Ursachen ausgeschlossen werden können hingegen Bewegungs- und Sportmangel oder falsche Ernährung. Tatsächlich scheint die Ernährung keine Auswirkungen auf Entstehung oder Behandlung eines Lipödems zu haben. Forschende richten bei der Ursachenfindung ihren Blick aber verstärkt auf hormonelle Aspekte, denn die Erkrankung betrifft fast ausschließlich Frauen.

Hormonelle Störung:

Häufig treten Lipödeme bei Frauen dann auf, wenn sich ihr Hormonhaushalt umstellt. Etwa während der Pubertät, während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren sind Fettverteilungsstörungen häufiger. Forschende untersuchen etwa den Zusammenhang mit dem Hormon Östrogen, das etwa in der Lage ist, über Rezeptoren direkt mit Fettzellen reagieren zu können. Inwiefern Östrogen Fettzellen zur Vermehrung und Vergrößerung anregen kann, muss wissenschaftlich geklärt werden. Generell wird aber angenommen, dass ein hormonelles Ungleichgewicht die körpereigenen Prozesse zur Gewichtskontrolle durcheinanderbringt.

Übrigens: Da fast ausschließlich Frauen von Lipödemen betroffen sind, beobachten Forschende ganz genau, welche Ursachen bei den wenigen betroffenen Männern zur Entstehung einer Fettverteilungsstörung führen. Daraus können mögliche Rückschlüsse auf die Entstehung der Krankheit bei Frauen geschlossen werden. Interessant dabei ist, dass bei allen Männern mit Lipödem eine hormonelle Störung zugrunde liegt.

Vererbung:

Die Neigung zur Lipödembildung könnte genetische Ursachen haben. Es konnte etwa beobachtet werden, dass mehrere Familienmitglieder über viele Generationen an Fettverteilungsstörungen erkranken. Dies deutet auf erbliche Faktoren hin. Möglicherweise spielen also Gene eine Rolle bei der Entstehung der schmerzhaften Krankheit.

Gefäßschäden:

Möglicherweise wird die Entstehung von Lipödemen auch durch geschädigte Gefäße verursacht. Es konnte bereits beobachtet werden, dass das Lipödemfett neben Bindegewebswucherungen auch viele Immunsystemzellen enthält. Diese sind üblicherweise aktiv, um Entzündungen zu bekämpfen. Ihr vermehrtes Vorkommen in den betroffenen Lipödemarealen kann ein Hinweis auf erkrankte, entzündete Gefäße sein.

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