14. Oktober 2010
Lichttherapie gegen Schmerzen

Lichttherapie gegen Schmerzen

Ob Heuschnupfen, Rückenschmerzen oder Schlafstörungen: Es werde Licht! Die moderne Medizin entdeckt die Heilwirkung der Lichttherapie bei immer mehr Gesundheitsproblemen. Die ist nicht teuer und gut verträglich.

Wald
© Elena Volkova - iStockphoto
Wald

Licht ist Leben, Licht ist Energie. Seine elektromagnetischen Wellen werden seit rund 25 Jahren genutzt, um Krankheiten zu heilen. Bei der Behandlung chronischer Haut - leiden wie Schuppenflechte oder Neurodermitis ist die Lichttherapie nicht mehr wegzudenken. Gegen Winterdepressionen (falls der Sommer mal wieder ausfällt) gilt sie als medizinischer Goldstandard. Und jedes Jahr kommen neue Einsatzgebiete hinzu – eine „strahlende“ Erfolgsstory.

Rotlicht bremst die Allergie gegen Pollen aus

Heuschnupfen-Patienten können aufatmen – dank der neuen Rhino-Lichttherapie. Dabei geben zwei dünne Nasensonden gleichzeitig rotes Licht mit einer Wellenlänge von 652 Nanometern (nm) und Infrarotlicht mit 940 nm ab. Der Neurologe Prof. Harry Whelan vom Medical College in Wisconsin stellte fest, dass diese Rotlicht-Kombi in der Nasenschleimhaut deutlich die Durchblutung erhöht. Das stärkt das lokale Abwehrsystem und polt seine Reaktion auf harmlose Blütenpollen wieder auf normal. Ständiges Kitzeln in der Nase und explosionsartige Niesattacken werden eingedämmt. Das therapeutische Rotlicht sollte schon sechs Wochen vor dem Pollenflug morgens und abends für je drei Minuten eingesetzt werden. Dosis in der Hochsaison: fünf- bis sechsmal pro Tag. Apotheken und Sanitätsfachgeschäfte bieten die Speziallampen an, Preis für Heimgeräte: ca. 70 Euro.

Depressionen: ein helles Strahlen für die Seele

Gegen verschiedene Arten von Depression setzen Mediziner mit großem Erfolg strahlend helle Licht - duschen mit 10 000 Lux ein. „Die Kombination von Lichttherapie und Schlafentzug ist nachweislich eine überzeugende First-Line-Methode zur Behandlung von Depressionen“, betont Prof. Jürgen Staedt, Ärztlicher Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes-Klinikum Berlin-Spandau. Vor allem Blaulicht mit einer Wellenlänge von 460 nm, das einen relativ großen Anteil des Tageslichts ausmacht, ist hochwirksam: Über die Augen aufgenommen, steigert es die Produktion der „Glückshormone“ Serotonin und Noradrenalin im Gehirn und unterdrückt die Herstellung des Schlafhormons Melatonin. Die Laune steigt. Prof. Staedt: „Das Licht sollte nicht von vorn kommen wie bei den für den Hausgebrauch verkauften Lampen, sondern von oben. Andernfalls geht durch die Blendwirkung zu viel verloren.“ Eine Bestrahlung dauert idealerweise 30 bis 45 Minuten. Am besten bei den ersten Symptomen sofort beginnen! Das hilft auch gegen Erschöpfung, chronische Müdigkeit und Burn-out. Die Therapie sollte nur ein Arzt durchführen, bei einer Depression zahlt das oft die Krankenkasse.

Ultraviolett schützt vor Osteoporose

Bei Hautproblemen sonnen, baden und cremen

Ein Klassiker ist die Lichttherapie bei der Behandlung der Haut. Abgegeben werden UVA- und UVB-Strahlen, z.B. von Lichtkabinen, -röhren oder -kämmen. Bei der synchronen Balneo-Phototherapie liegt der Patient während der Bestrahlung in einem Salzbad, damit das UV-Licht tiefer in die Haut eindringt. „Eine Sonderform ist die Photochemotherapie mit UVA-Strahlen“, sagt der Schweizer Dermatologe Dr. Martin Pletscher aus Binningen. „Da diese Strahlen wenig Energie aufweisen, wird die Haut vorher mit Medikamenten lichtempfindlich gemacht. Das verstärkt die therapeutische Wirkung von UVA.“ Vor allem Schuppenflechte, Neurodermitis und Ekzeme lassen sich mit Licht erfolgreich behandeln. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle ärztlichen Behandlungen.

Ultraviolett schützt vor Osteoporose

Mehr als die Hälfte der Menschen mit Osteoporose leiden an Vitamin- D-Mangel. Das Hormon bewirkt, dass Kalzium aus der Nahrung in die Knochen eingelagert wird. Die UVB-Strahlung des Sonnenlichts fördert die Vitamin-D-Aufnahme und die Produktion des körpereigenen Hormons. Ein 30-minütiges Sonnenbad pro Tag genügt, um die Knochen zu stärken. Zwischen Oktober und März reicht die UVB-Strahlung der Sonne aber nicht aus, und wir gehen zu selten an die frische Luft. Alternative: drei Kunstbestrahlungen in der Woche à 20 Minuten auf Gesicht, Hände und Unterarme für ca. 70 bis 100 Euro.

PMS: Lichtblick für die Hormone

Therapielampen mit hoher Lichtintensität von 10 000 Lux bessern bei 80 Prozent der Frauen prämenstruelle Beschwerden wie Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, schmerzhafte Brüste und Blähbauch. Die intensiven Lichtimpulse fördern im Gehirn die Ausschüttung von Botenstoffen, über die Hirnanhangsdrüse wird in den Eierstöcken die Produktion von Östrogenen und Gestagenen harmonisiert. Lassen Sie sich in der zweiten Hälfte des Monatszyklus täglich am frühen Abend 30 Minuten bestrahlen. Eine Lampe kostet ca. 70 bis 100 Euro. Die Kassen zahlen nicht.

Spot an – weg sind die Schlafprobleme

Besonders bei Störungen des Schlaf- Wach-Rhythmus können Lichttherapiegeräte die innere Uhr auf Normalzeit stellen. Dazu ahmen sie mit 2500 bis 10 000 Lux das Spektrum der Sonne nach. Ein Morgenmuffel, der erst um zwei Uhr nachts einschläft, braucht seine halbstündige Lichttherapie gleich morgens nach dem Aufwachen. Dann zieht er die Sitzung alle drei Tage um 15 Minuten vor. Der Frühaufsteher, der um 23 Uhr ins Bett geht, muss ca. gegen 17 Uhr unter die Lampe. Dann bildet die Zirbeldrüse im Gehirn fleißig den Müdemacher Melatonin. Preis pro Lampe ca. 70 bis 150 Euro.

Die Effekte verschiedener Wellenlängen

High Energy macht Schluss mit Schmerzen

Hochenergetische infrarote Strahlen dringen millimetertief ins Gewebe ein und erwärmen es. Die Gefäße weiten sich, durch die bessere Durchblutung werden Schmerzstoffe schneller abtransportiert. Hilft bei Verspannungen und Gelenk schmerzen. Preis pro Infrarotlampe: ca. 15 Euro.

Die Effekte verschiedener Wellenlängen

Das Sonnenlicht ist ein Mix unterschiedlicher Strahlen. Neben der Bestrahlungsdauer bestimmt vor allem die Wellenlänge und damit die Eindringtiefe die Wirkung – und den therapeutischen Nutzen. Faustregel: je kürzer die Wellenlänge, desto mehr Energie. Hier die am häufigsten angewandten Strahlungen:

  • Sichtbares Licht Wir nennen es Tageslicht und meinen das sichtbare Licht der Sonne, das aber nur 39 Prozent ihrer Strahlung ausmacht. Es hat einen Wellenlängenbereich von 380 bis 750 Nanometern (nm) und ist mehrfarbig: Ein Lichtstrahl besteht aus den Spektralfarben Violett, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot. Sichtbares Licht mobilisiert z. B. die Abwehrzellen, steigert die Produktion roter Blutkörperchen und mehrerer Hormone und beschleunigt den Stoffwechsel. So hilft es z. B. gegen Immunschwäche, Entzündungen, Wechseljahrsbeschwerden, Akne, Asthma, Erschöpfung und Hautkrebs.
  • Infrarotstrahlen Die unsichtbaren Wärmestrahlen haben eine Wellenlänge von 780 bis 1500 nm. Wärme erhöht im kranken Gewebe die Durchblutung. Das fördert den Abtransport von Stoffwechselprodukten, während gleichzeitig vermehrt Sauerstoff und körper eigene Immunzellen herangeschafft werden. Indikationen: Narben, entzündete Nasennebenhöhlen, Fibromyalgie, Rheuma.

  • UVA-Strahlen Das langwellige ultraviolette Licht im Bereich von 320 bis 400 nm wirkt keim - tö tend und leicht bräunend, es dringt tief in die Haut ein. Darum kommt es hauptsächlich gegen Haut krankheiten jeder Art zum Einsatz.

  • UVB-Strahlen Die mittelwelligen Strahlen dringen mit 280 bis 320 nm bis zu den Pigment zellen vor.Mediziner ver ordnen sie wohldosiert bei Hautkrankheiten bis hin zum Hautkrebs, bei Haarausfall, Allergien oder schlecht heilenden Wunden.
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