2. Juli 2021
Kreuzimpfung: Wie wirksam und sicher ist sie?

Erst AstraZeneca, dann BioNTech – wie wirksam und sicher ist die Kreuzimpfung?

Erst AstraZeneca, dann BioNTech oder Moderna? Nicht nur junge Impfwillige, sondern alle Menschen sollen bei ihrer zweiten Impfung einen mRNA-Impfstoff erhalten. Wie wirksam und sicher ist die Kreuzimpfung zweier verschiedener Vakzine? Das sagen Experten.

Es gab und gibt weiterhin viel Wirbel um den Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Nachdem es einige Fälle von seltenen Hirnvenenthrombosen gegeben hatte, wurde das Vakzin von Ende März bis Anfang Mai nur noch an Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren verteilt. Nun ist er für alle Impfwilligen ab 18 Jahren freigegeben worden, wird aber nur noch bei Hausärzten angeboten.

Update: STIKO – Kreuzimpfung für alle AstraZeneca-Erstgeimpften

Zuvor sollten Jüngere, die als erste Dosis AstraZeneca erhalten hatten, einen mRNA-Impfstoff bei der zweiten Impfung bekommen. Diese Kreuzimpfung soll nun unabhängig vom Alter künftig alle AstraZeneca-Erstgeimpften erhalten, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Damit reagiert die Ständige Impfkommission (STIKO) auf die sich schnell ausbreitende und ansteckende Delta-Variante. Die STIKO betonte, die zweite Impfstoffdosis „zeitgerecht wahrzunehmen.“ Der Abstand zwischen erster und zweiter Impfung solle dann mindestens vier Wochen betragen.

Delta-Variante: Wie sicher wirkt die Kreuzimpfung bei der Mutation?

Die aus Indien stammende Delta-Variante breitet sich auch in Europa aus. Die Mutation gilt als ansteckender und resistenter gegenüber den Impfstoffen. Gilt das auch für die Kreuzimpfung? Der Immunologe Carsten Watzl sagte im Gespräch mit dem WDR, dass die Kreuzgeimpften mindestens genauso hohe Immun-Antworten haben wie doppelt Biontech-Geimpfte. „Daraus kann ich ableiten, dass Kreuzgeimpfte vermutlich gut gegen die Delta-Variante geschützt sind.“ Zurzeit gebe es aber noch keine Daten, wie immun Kreuzgeimpfte für die Delta-Variante sind.

Kreuzimpfung: Das rät das Robert-Koch-Institut

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat zu den Kreuzimpfungen online Stellung bezogen und rät zu einem mRNA-Impfstoff für die zweite Impfung. Allerdings soll diese Entscheidung nach ärztlichem Ermessen getroffen werden:

Hinsichtlich der zweiten Impfstoffdosis für jüngere Personen, die bereits eine erste Dosis Vaxzevria (AstraZeneca) erhalten haben, gibt es noch keine wissenschaftliche Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit einer gemischten Impfserie. Bis entsprechende Daten vorliegen, empfiehlt die STIKO für Personen <60 Jahre anstelle der zweiten Vaxzevria-Impfdosis von AstraZeneca eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 9-12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Hintergrund hierfür ist, dass der von einer 1-maligen AstraZeneca-Impfung ausgelöste Schutz nach 12 Wochen abzunehmen beginnt. Der Impfzeitraum 9-12 Wochen nach der Erstimpfung wurde gewählt, um hier eine organisatorische Flexibilität bei der Impfdurchführung zu ermöglichen.

Generell ist eine Entscheidung nach ärztlichem Ermessen für die erste oder zweite Impfstoffdosis mit der COVID-19 Vaccine Vaxzevria von AstraZeneca, die bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung getroffen wird, unabhängig vom Alter möglich. Bislang liegen keine Daten zum Risiko der Zweitimpfung vor.

Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Kreuzimpfung nicht

Aktuell empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Impfung mit verschiedenen Impfstoffen nicht, sondern wartet auf erste Studienergebnisse aus England, wo die Kreuzimpfung an Menschen untersucht wird. Ähnlich sieht das Tobias Welte. Der Lungenfacharzt und Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) warnte im Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: Er glaube zwar schon, dass die Kreuzimpfung funktioniere, aber als Wissenschaftler stütze er sich vor dem Handeln gerne auf gesicherte Daten, so Welte.

Erik Sander, Infektiologe an der Charité in Berlin, teilte über Twitter in einem Video mit: „Aus immunologischer Sicht kann eine solche Kombination sogar vorteilhaft sein und die Impfantwort des Immunsystems sogar verstärken. Ich erwarte mir von dieser Kombination daher eine gute Sicherheit und eine sehr gute Wirksamkeit mit einem exzellenten Schutz vor der Covid-19-Erkrankung.“

Kreuzimpfung: Das sagt die aktuelle Studienlage

  • Aus vorläufigen, neuen Studiendaten des spanischen Gesundheitsinstituts Carlos III geht hervor, dass eine Kreuzimpfung mit AstraZeneca und BioNTech hochwirksam sein soll. Bei den rund 670 Studienteilnehmern sei die Immunantwort (igG-Antikörper) zwischen 30- und 40-Mal größer als bei einer Kontrollgruppe gewesen, die nur den AstraZeneca-Impfstoff erhalten habe.
  • Einer Studie mit Mäusen zufolge, bei der erst ein Vektorimpfstoff und dann ein mRNA-Impfstoff verabreicht wurde, soll die Kreuzimpfung den Impfschutz erhöhen. Allerdings kann dieses Ergebnis nicht 1:1 auf Menschen übertragen werden.
  • Aus den Daten einer vorläufigen Studie der Universität Oxford geht hervor, dass es bei einer Kreuzimpfung von Biontech/Pfizer und AstraZeneca häufiger zu milden bis moderaten Nebenwirkungen nach der zweiten Impfdosis kommen kann. Ein Grund zur Sorge sei das aber nicht, so die Forscher.
  • Eine ähnliche Studie aus Deutschland, Schweden, Frankreich, Norwegen und Dänemark hat die kurzfristigen körperlichen Reaktionen auf Erst- und Zweitimpfungen mit den Vakzinen von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer untersucht.
    Erfolgten beide Impfungen mit demselben Impfstoff, war die Impfreaktion bei dem AstraZeneca-Vakzin bei der Erstimpfung stärker, bei BioNTech/Pfizer dagegen nach der zweiten Impfung. Bei Kombinationen der Impfstoffe war die Impfreaktion bei der Zweitimpfung stärker ausgeprägt, die sich durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Erschöpfung, Kopfschmerzen oder Gelenk- und Muskelschmerzen äußern.
    Bei Kreuzimpfungen mit AstraZeneca und Biontech nahmen die Studienteilnehmer häufiger Schmerzmittel ein als bei einer Impfserie mit nur einem Impfstoff. Hinzu kommt, dass die Reaktionen je nach Alter unterschiedlich stark ausfallen können. Jüngere Personen haben meist stärkere Impfreaktionen als ältere.

Fazit: Was heißt das nun für Impfwillige?

Solange es keine eindeutigen Empfehlungen oder Ergebnisse gibt, sollte die Entscheidung, ob eine Erst- oder eine Zweitimpfung mit AstraZeneca sowie eine Kreuzimpfung für Impfwillige unter 60 Jahren nun infrage kommt, nach ärztlicher Aufklärung und Abwägung potenzieller Risikofaktoren getroffen werden.

Video: Erst AstraZeneca, dann BioNTech? Kreuzimpfung ist hochwirksam

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