27. Mai 2021
Kreuzimpfung: Wie wirksam und sicher ist sie?

Erst AstraZeneca, dann BioNTech – wie wirksam und sicher ist die Kreuzimpfung?

Erst AstraZeneca, dann BioNTech oder Moderna? Junge Impfwillige sollen bei ihrer zweiten Impfung einen mRNA-Impfstoff erhalten. Wie wirksam und sicher ist die Kreuzimpfung zweier verschiedener Vakzine? Das sagen Experten.

Es gab und gibt weiterhin viel Wirbel um den Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Nachdem es einige Fälle von seltenen Hirnvenenthrombosen gegeben hatte, wurde das Vakzin von Ende März bis Anfang Mai nur noch an Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren verteilt. Jüngere, die zuvor AstraZeneca erhalten hatten, sollen eine Kreuzimpfung erhalten und ihre zweite Dosis mit einem mRNA-Impfstoff bekommen. Nun ist er für alle Impfwilligen ab 18 Jahren freigegeben worden und wird ab Mitte Mai bei Hausärzten verteilt.

Doch daraus ergeben sich viele offene Fragen. Wie sicher und wirksam ist eine Kreuzimpfung? Sollen Jüngere weiterhin ihre zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten? Eindeutige Antworten gibt es nicht. Auch die Meinungen der Experten gehen auseinander.

Kreuzimpfung: Das rät das Robert-Koch-Institut

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat zu den Kreuzimpfungen online Stellung bezogen und rät zu einem mRNA-Impfstoff für die zweite Impfung. Allerdings soll diese Entscheidung nach ärztlichem Ermessen getroffen werden:

Hinsichtlich der zweiten Impfstoffdosis für jüngere Personen, die bereits eine erste Dosis Vaxzevria (AstraZeneca) erhalten haben, gibt es noch keine wissenschaftliche Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit einer gemischten Impfserie. Bis entsprechende Daten vorliegen, empfiehlt die STIKO für Personen <60 Jahre anstelle der zweiten Vaxzevria-Impfdosis von AstraZeneca eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 9-12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Hintergrund hierfür ist, dass der von einer 1-maligen AstraZeneca-Impfung ausgelöste Schutz nach 12 Wochen abzunehmen beginnt. Der Impfzeitraum 9-12 Wochen nach der Erstimpfung wurde gewählt, um hier eine organisatorische Flexibilität bei der Impfdurchführung zu ermöglichen.

Generell ist eine Entscheidung nach ärztlichem Ermessen für die erste oder zweite Impfstoffdosis mit der COVID-19 Vaccine Vaxzevria von AstraZeneca, die bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung getroffen wird, unabhängig vom Alter möglich. Bislang liegen keine Daten zum Risiko der Zweitimpfung vor.

Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Kreuzimpfung nicht

Aktuell empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Impfung mit verschiedenen Impfstoffen nicht, sondern wartet auf erste Studienergebnisse aus England, wo die Kreuzimpfung an Menschen untersucht wird. Ähnlich sieht das Tobias Welte. Der Lungenfacharzt und Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) warnte im Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: Er glaube zwar schon, dass die Kreuzimpfung funktioniere, aber als Wissenschaftler stütze er sich vor dem Handeln gerne auf gesicherte Daten, so Welte.

Erik Sander, Infektiologe an der Charité in Berlin, teilte über Twitter in einem Video mit: „Aus immunologischer Sicht kann eine solche Kombination sogar vorteilhaft sein und die Impfantwort des Immunsystems sogar verstärken. Ich erwarte mir von dieser Kombination daher eine gute Sicherheit und eine sehr gute Wirksamkeit mit einem exzellenten Schutz vor der Covid-19-Erkrankung.“

Kreuzimpfung: Das sagt die aktuelle Studienlage

  • Aus vorläufigen, neuen Studiendaten des spanischen Gesundheitsinstituts Carlos III geht hervor, dass eine Kreuzimpfung mit AstraZeneca und BioNTech hochwirksam sein soll. Bei den rund 670 Studienteilnehmern sei die Immunantwort (igG-Antikörper) zwischen 30- und 40-Mal größer als bei einer Kontrollgruppe gewesen, die nur den AstraZeneca-Impfstoff erhalten habe.
  • Einer Studie mit Mäusen zufolge, bei der erst ein Vektorimpfstoff und dann ein mRNA-Impfstoff verabreicht wurde, soll die Kreuzimpfung den Impfschutz erhöhen. Allerdings kann dieses Ergebnis nicht 1:1 auf Menschen übertragen werden.
  • Aus den Daten einer vorläufigen Studie der Universität Oxford geht hervor, dass es bei einer Kreuzimpfung von Biontech/Pfizer und AstraZeneca häufiger zu milden bis moderaten Nebenwirkungen nach der zweiten Impfdosis kommen kann. Ein Grund zur Sorge sei das aber nicht, so die Forscher.
  • Eine ähnliche Studie aus Deutschland, Schweden, Frankreich, Norwegen und Dänemark hat die kurzfristigen körperlichen Reaktionen auf Erst- und Zweitimpfungen mit den Vakzinen von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer untersucht.
    Erfolgten beide Impfungen mit demselben Impfstoff, war die Impfreaktion bei dem AstraZeneca-Vakzin bei der Erstimpfung stärker, bei BioNTech/Pfizer dagegen nach der zweiten Impfung. Bei Kombinationen der Impfstoffe war die Impfreaktion bei der Zweitimpfung stärker ausgeprägt, die sich durch grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Erschöpfung, Kopfschmerzen oder Gelenk- und Muskelschmerzen äußern.
    Bei Kreuzimpfungen mit AstraZeneca und Biontech nahmen die Studienteilnehmer häufiger Schmerzmittel ein als bei einer Impfserie mit nur einem Impfstoff. Hinzu kommt, dass die Reaktionen je nach Alter unterschiedlich stark ausfallen können. Jüngere Personen haben meist stärkere Impfreaktionen als ältere.

Fazit: Was heißt das nun für Impfwillige?

Solange es keine eindeutigen Empfehlungen oder Ergebnisse gibt, sollte die Entscheidung, ob eine Erst- oder eine Zweitimpfung mit AstraZeneca sowie eine Kreuzimpfung für Impfwillige unter 60 Jahren nun infrage kommt, nach ärztlicher Aufklärung und Abwägung potenzieller Risikofaktoren getroffen werden.

Video: Erst AstraZeneca, dann BioNTech? Kreuzimpfung ist hochwirksam

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