8. Juli 2021
Kreuzimpfung: Stärkere Impfreaktionen erwartbar

Nach Kreuzimpfung sind stärkere Impfreaktionen zu erwarten

Bei der Kreuzimpfung werden verschiedene Corona-Impfstoffe miteinander kombiniert. Als erste Dosis wird AstraZeneca verabreicht, bei der zweiten Impfung ein mRNA-Impfstoff. Die Kreuzimpfung gilt ersten Studien zufolge als sehr wirksam, allerdings treten stärkere Impfreaktionen häufiger auf. Welche Gründe dahinterstecken und wie man vorbeugen kann, lesen Sie hier.

Nach einer ersten Impfung mit AstraZeneca rät das Robert-Koch-Institut zu einem mRNA-Impfstoff für die zweite Impfung – also die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. Der Impfstoff von AstraZeneca erregte im Vorfeld für Aufsehen, da es einige seltene Fälle von Hirnvenenthrombosen gab. Nach einem Impfstopp und der Empfehlung, das Vakzin an Personen im Alter von 60 bis 69 Jahren zu verimpfen, haben Bund und Länder den Impfstoff nun für alle volljährigen Impfwilligen freigegeben.

Studie: Kreuzimpfung gilt als sehr wirksam

Die Kreuzimpfung aus AstraZeneca und einem mRNA-Impfstoff wird als heterologe Impfserie bezeichnet. Eine Studie des spanischen Gesundheitsministeriums zufolge bietet die Kreuzimpfung einen höheren Schutz vor einer Covid-19-Infektion als zwei Impfungen mit dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Die 679 Probanden im Alter von 18 bis 59 Jahren zeigten nach der zweiten Dosis mit Biontech ein 30 bis 40 Mal höheres Antikörperniveau als bei der Kontrollgruppe, die nur eine Dosis AstraZeneca erhielt.

Der Infektiologe Leif Erik Sander von der Berliner Charité kann diesen Effekt erklären. Im Interview mit Spiegel Online sagte er: „Man umgeht ein Problem, das entsteht, wenn man zweimal denselben Vektorimpfstoff verabreicht.“ Die Antikörper, die sich nach der AstraZeneca-Impfung bilden, bekämpfen die Vektorviren. Diese werden mit der zweiten Dosis erneut in die Körperzellen eingebracht. „Deshalb ist der Impfeffekt der zweiten Impfung viel geringer. Das nennt man Vektorimmunität.“

Stärkere Impfreaktionen bei Kreuzimpfung

Eine Studie aus Oxford untersucht derzeit die Verträglichkeit der Kreuzimpfung genauer. Die Impfreaktionen sind stärker als nach einer zweiten Dosis AstraZeneca. Die Probanden berichteten häufiger von leichten oder mittelschweren Impfreaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost oder Fieber. Über die Nebenwirkungen klagten zwischen 60 und 80 Prozent der geimpften Studienteilnehmer in Großbritannien. „Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass die Vergabe zweier unterschiedlicher Dosen zu vermehrten Arbeitsausfällen am Tag nach der Impfung führt“, sagte Studienleiter Matthew Snape von der Universität Oxford gegenüber BBC. Diese Erkenntnis sei etwa wichtig für die Planung von Impfungen bei Beschäftigten im Gesundheitsbereich.

Sander sagte gegenüber Spiegel Online, dass die Verträglichkeit der Kreuzimpfung deutlich besser werden, wenn ein längerer Abstand zwischen den Impfdosen eingehalten werde. Die Reaktionen würden nach zwölf statt nach vier Wochen deutlich milder ausfallen.

Kreuzimpfung und Delta-Variante

Die aus Indien stammende Delta-Variante breitet sich zunehmend in Europa aus. Gegenüber anderen Varianten gilt Delta als ansteckender und resistenter gegenüber den zugelassenen Impfstoffen. Laut dem Immunologe Carsten Watzl hat eine Kreuzimpfung mindestens eine genauso hohe Immun-Antwort wie eine vollständige Biontech-Impfung. „Daraus kann ich ableiten, dass Kreuzgeimpfte vermutlich gut gegen die Delta-Variante geschützt sind“, sagte der Experte im Interview mit dem WDR.

Wie lange hält der Impfschutz?

Verschieden Studien zufolge soll der Impfschutz mindestens sechs Monate anhalten. Erste Impfauffrischungen könnten laut Virologe Christian Droste bereits im Herbst stattfinden. Moderna und Biontech/Pfizer arbeiten bereits an entsprechenden Folgeimpfstoffen, die besonders gegen die ausbreitenden Mutationen wirksam sein sollen.

Gilt man mit Kreuzimpfung als vollständig geimpft?

Wer vollständig geimpft ist, für den gelten verschiedene Lockerungen hinsichtlich Kontaktbeschränkungen oder der Testpflicht beim Einkaufen oder Friseurbesuch. Gemäß der Covid-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung gilt man mit einer Kreuzimpfung in Deutschland als vollständig geimpft. Aber gilt das auch fürs Ausland? Urlaubsländer wie Griechenland, Italien oder Kroatien akzeptieren die Kreuzimpfung. Wer nach Spanien reist, muss ein negatives PCR-Testergebnis nachweisen, das nicht älter als 72 Stunden ist – egal, ob geimpft oder nicht.

Video: Besserer Schutz vor Covid-19? Impfstoff-Mix könnte Immunität stärken

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