17. Februar 2010
Krankenkassen im Test

Krankenkassen im Test

Der Preis ist gleich, die Qualität nicht. Diese Checkliste für gesetzliche Kassen trennt die Spreu vom Weizen.

© jalag-syndication.de

Der Wettbewerb der rund 200 gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland ist in eine neue Phase getreten. Mitglieder können nicht mehr über extragünstige Tarife angelockt werden, weil seit Januar 2009 für alle gesetzlich Versicherten ein einheitlicher Beitragssatz von derzeit 14,9 Prozent gilt. Auch 95 Prozent der Leistungen sind fest vorgeschrieben. Heute läuft die Konkurrenz der Krankenkassen deshalb vor allem über Qualität und Service. Genau da gibt es große Unterschiede. Bei ihnen den richtigen Überblick zu bekommen, ist nicht gerade einfach. Deshalb haben Experten des Bundesgesundheitsministeriums, der Stiftung Warentest und des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen eine Checkliste ausgearbeitet, damit Sie den Service der Kassen besser durchleuchten können. Folgende elf Checkpunkte sollten Sie abhaken können – dann sind Sie bei der richtigen Krankenkasse.

  • Welche Beratungsmöglichkeiten bietet die Kasse?

Top-Kassen weisen heute z.B. bundesweit über 850 Beratungsstellen auf, die telefonisch oder per Internet 24 STUNDEN TÄGLICH AN 365 TAGEN IM JAHR erreichbar sind. In ihren Geschäftsstellen bieten sie auch Sprechzeiten am Abend oder am Wochenende an. Andere, nicht empfehlenswerte dagegen machen Dienst nach Vorschrift, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr. Gute Krankenkassen bieten zusätzlich HAUSBESUCHE NACH FEIERABEND an, um ihre Kunden in ihrer gewohnten, stressfreien Umgebung zu beraten. Wichtig ist, dass die Kasse Anfragen per E-Mail umgehend beantwortet. Warteschleifen am Telefon sollten gar nicht erst entstehen.

  • Wie ausführlich ist das Informationsangebot?

Moderne Krankenkassen informieren auf ihrer HOMEPAGE über Medikamente, bieten Diätpläne oder Ausdauersportprogramme an. Sie helfen bei der Suche nach dem richtigen Arzt, dem nächsten Krankenhaus oder einem Pflegeplatz und nennen Notfallapotheken. Manche Kassen haben sogar eine sogenannte CALLBACK-FUNKTION im Internet. Sie können darüber mitteilen, wann Sie eine telefonische Beratung zu einem bestimmten Problem wünschen. Zusätzlich ist wichtig, dass die BROSCHÜREN UND RATGEBER Z.B. ÜBER ARTHROSE ODER RÜCKENSCHMERZEN ohne Fachchinesisch geschrieben und kostenlos zu beziehen sind.

  • Gibt es einen Bonus für Vorsorgeuntersuchungen?

Einige Kassen zahlen 30 Euro für Mitglieder, die regelmäßig zu den gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen gehen. Auch Versicherte, die sich UMFASSEND IMPFEN lassen, bekommen dann Sachprämien oder Bargeld. Es gibt sogar Kassen, die es mit 30 Euro vergüten, wenn jemand einen Fragebogen für eine WISSENSCHAFTLICHE STUDIE zur Gesundheitsvorsorge ausfüllt.

  • Welche Vorsorgemodelle hat sie in ihrem Leistungskatalog?

Für CHRONISCHE KRANKHEITEN WIE DIABETES, ASTHMA ODER HERZLEIDEN bieten gute Versicherungen spezielle Behandlungsprogramme als Wahltarif an. Sinnvoll ist auch das Angebot eines Wahltarifs, in dem neue Behandlungsmethoden, z.B. gegen Hexenschuss, getestet werden. Oft sind solche Tarife mit Sonderleistungen wie der Befreiung von der Praxisgebühr verbunden.

  • Kommt von der Krankenkasse individuelle Hilfe?

Gesetzlich Versicherte können heute mehr erwarten als nur die Beratung bei Tariffragen. Auch bei MEDIZINISCHEN PROBLEMEN oder bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler des Arztes sollten die Sachbearbeiter Sie umfassend und ganz persönlich beraten.

Weitere Punkte auf der Checkliste

  • Gibt es bei Ihrer Kasse Wahltarife?

Bei SELBSTBEHALT-TARIFEN ODER KOSTENERSTATTUNGS-TARIFEN beteiligen sich die Versicherten an den Kosten der Behandlung. Diese Tarife lohnen sich für alle, die nur selten krank werden. Wenn der Krankenkasse keine oder nur geringe Kosten für die Therapie entstehen, zahlt sie eine Prämie aus. Im Schnitt beläuft sich das auf einen Monatsbeitrag. Zudem decken kundenorientierte Krankenkassen durch spezielle Wahltarife die Kosten für besondere Therapieeinrichtungen oder ALTERNATIVE BEHANDLUNGSMETHODEN wie etwa die Homöopathie ab.

  • Macht sie für Sie Facharzttermine?

Wenn Patienten wegen akuter Beschwerden einen medizinischen Spezialisten brauchen, bieten einige Kassen eine besondere Serviceleistung an: Sie vermitteln einen BLITZTERMIN BEI EINEM FACHARZT in der Nähe. Manche Krankenkassen organisieren für ihre Versicherten auch Spät- oder Samstags-Sprechstunden. Das ist z.B. etwa für Arbeitnehmer mit langen Arbeitszeiten oder für Schichtarbeiter ein praktischer Service.

  • Sind Zusatzleistungen bei Impfungen im Angebot?

Längst nicht alle Kassen übernehmen die Kosten etwa für SCHUTZIMPFUNGEN BEI FERNREISEN UND VORSORGEUNTERSUCHUNGEN, die über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen. Es lohnt sich, gezielt nach solchen Leistungen zu fragen.

  • Bezahlt die Krankenkasse eine Haushaltshilfe?

Nach einem KRANKENHAUSAUFENTHALT ODER EINER KUR übernehmen einige Kassen die Kosten für eine Haushaltshilfe. Das gilt auch, wenn der Patient durch eine Erkrankung zu Hause ans Bett gefesselt ist. Zusatzleistungen gibt es auch bei der häuslichen Krankenpflege durch Angehörige.

  • Können Sie sich einen attraktiven Hausarzttarif aussuchen?

Seit dem 1. Juli müssen alle Kassen ein HAUSARZTMODELL anbieten. Der Versicherte verpflichtet sich darin, bei Beschwerden immer zuerst zu seinem Hausarzt zu gehen. Der Vorteil: Prämienzahlungen oder Ermäßigungen bei Zusatzkosten.

  • Bezuschusst sie Gesundheitskurse?

ADRESSEN & TIPPS

  • Fragen zur gesetzlichen Krankenversicherung beantwortet das Bürgertelefon 0 18 05/99 66 02 (14 Ct./Min., Festnetz, abweichende Preise aus dem Mobilnetz möglich).
  • Tests und Tipps zur gesetzlichen Krankenversicherung finden Sie unter www.test.de/gkv
  • Persönliche Beratung bei der Kassenwahl: www.verbraucherzentrale.de

Die Teilnahme an Gesundheitskursen wie RÜCKENSCHULEN, AUTOGENES TRAINING, YOGA ODER DIE PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG NACH JACOBSON bieten viele Kassen an. Aber Art und Umfang der Unterstützung sind sehr unterschiedlich. Einige veranstalten selbst Kurse, andere übernehmen die KURSGEBÜHREN anteilig oder komplett. Fragen Sie nach, ob ein Gesundheitstraining etwa im Fitnessstudio durch Gutscheine, Geldprämien oder Sachleistungen belohnt wird. Spitzenkassen honorieren gute Gesundheitswerte bei Gewicht, Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin, die durch Ausdauersport erzielt wurden, mit bis zu 60 Euro. Entscheidend ist auch, ob die Kassen Programme für die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz anbieten, z. B. Lockerungsgymnastik oder eine ergonomische Beratung.

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