16. September 2021
Migräne oder Kopfschmerzen?

Migräne oder Kopfschmerzen? – So unterscheiden sie sich

Ist das schon Migräne oder sind das noch Kopfschmerzen? Nicht jeder Schmerz muss gleich den Migräneverdacht aufkommen lassen. Und auch hartnäckige oder sehr starke Schmerzen begründen nicht automatisch eine Migräne. Lesen Sie hier, wo die Unterschiede zwischen einfachen Kopfschmerzen und Migräne liegen.

© Andrea Piacquadio / Pexels

Unterschiede bei Kopfschmerzen und Migräne: Schmerztyp

Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen und jeder Mensch empfindet den Schmerz anders. Ob eine Migräne-Behandlung langfristig Linderung bringt oder es eine andere Schmerztherapie braucht, kann aber schon der Schmerztyp zeigen. An ihm lassen sich oft die häufigen Spannungskopfschmerzen von einer Migräne unterscheiden.

Der Unterschied zwischen verschiedenen Arten von Kopfschmerzen und Migräne liegt unter anderem in der Lokalisation. Während der Spannungskopfschmerz sich meist über beide Kopfseiten zieht, ist die Migräne in der Regel einseitig. Nur etwa ein Drittel der Patienten spürt den Migräneschmerz auf beiden Kopfseiten.¹ Den Spannungskopfschmerz beschreiben Betroffene außerdem als dumpf, drückend oder ziehend. Sie fühlen sich an wie der berühmte Schraubstock um den Kopf.

Die Migräne dagegen quält die Patienten mit pulsierenden oder intensiv pochenden Schmerzen. Manche Betroffene beschreiben sie als „Gewitter im Kopf“, andere als Stiche zahlloser Nadeln oder dröhnenden Presslufthammer im Kopf.

Die Stärke der Schmerzen sagt übrigens nichts darüber aus, ob es sich um Migräne oder andere Kopfschmerzen handelt. Sie kann auch bei anderen Kopfschmerztypen sehr intensiv ausfallen, genauso, wie manche Migräne von den Patienten eher als mittelschwer empfunden wird.

Ähnlich ist es mit der Schmerzdauer. Auch sie hilft bei der Unterscheidung wenig, da Migräneattacken eher kurz und andere Kopfschmerzarten auch einmal länger und sogar über Tage auftreten können.

Unterschiede bei Kopfschmerzen und Migräne: Bewegung

Um den Unterschied von anderen Kopfschmerzen zu Migräne zu erkennen, kann Bewegung mitunter helfen. Wer zum Beispiel unter Spannungskopfschmerzen leidet, dem tut moderate Bewegung – am besten an der frischen Luft – oft gut. Die Schmerzen lassen meist nach und die Patienten fühlen sich wieder besser.

Anders ist das bei einer echten Migräne. Hier verschlimmern sich die Symptome durch Bewegung noch weiter. Das gilt auch für leichte Bewegung wie ein Spaziergang. Menschen mit Migräne haben während einer Attacke eher das Bedürfnis nach Ruhe. Vielen bekommt schon das Tageslicht nicht gut. Sie möchten sich eher zurückziehen und dem Körper eine Pause gönnen, bis der Anfall vorüber ist. Ein Spaziergang kann bei der Frage, ob es Migräne oder ein anderer Kopfschmerz ist, also durchaus aufschlussreich sein.

Unterschiede bei Kopfschmerzen und Migräne: Begleiterscheinungen

Während Kopfschmerzen oft allein auftreten, kommen bei Migräne in der Regel weitere Symptome hinzu. Sie können während des Anfalls auftreten oder gar Stunden oder gar Tage vorher eine Attacke ankündigen. Folgende Begleitsymptome sind typisch für eine Migräne:

  • Verdauungsstörungen: Den Betroffenen wird vor oder während der Attacke übel, sie erbrechen oder haben Durchfall.
  • sensible Sinneswahrnehmung: Patienten reagieren empfindlicher auf Licht oder Lärm. Manche empfinden bestimmte Gerüche als unangenehm, zum Beispiel von Nahrungsmitteln, Parfüm oder Blumen.
  • Störung der Wahrnehmung: Bei manchen Betroffenen werden Hautareale vor allem im Gesicht und an den Armen vorübergehend taub oder sie spüren ein Kribbeln, Ameisenlaufen oder Ähnliches
  • unspezifische Symptome: Mitunter wird Migräne auch von Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsstörungen begleitet.

Außerdem lässt sich die Migräne an der sogenannten Aura erkennen. Darunter verstehen Mediziner optische Phänomene wie Linien oder Blitze, die die Betroffenen sehen. Die Migräne mit Aura tritt bei etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten auf.²

Kopfschmerzen oder Migräne: Warum die Unterscheidung so wichtig ist

Neben Migräne und Spannungskopfschmerzen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer verschiedener Kopfschmerzen. Mehr als 240 sind es laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft.³ Und so vielfältig wie die Kopfschmerzen, sind auch ihre Ursachen. Eine genaue Diagnose ist daher für eine erfolgreiche Behandlung wichtig. Mitunter sind die Kopfschmerzen dabei nur ein Symptom. In anderen Fällen wiederum sind sie die eigentliche Erkrankung. Die Ärzte sprechen von sekundären oder primären Kopfschmerzen.

Neben einer gezielten Behandlung hilft das Wissen über die Ursache auch dabei, eventuelle Auslöser (Trigger) der Beschwerden zu umgehen. So können Migränepatienten Stress, Schlafmangel oder bestimmte Nahrungsmittel vermeiden. Spannungskopfschmerzen entstehen meist durch muskuläre Verspannungen. Werden diese gelöst oder vermeiden die Betroffenen neue Verspannungen, lassen dadurch meist auch Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen nach.

¹ Nobis, Hans-Günter: Schmerz – eine Herausforderung. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag 22016. S. 22.

² Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (o. A.): Migräne. Abgerufen unter: http://www.dmkg.de/patienten/antworten-auf-die-wichtigsten-fragen-rund-um-den-kopfschmerz-onlinebroschuere/online_broschuere_migraene.html (16.09.2021).

³ Totzeck, A./Diener, H.-C.: „Migräne.“ In: Gaul, C./Diener, H.-C. (Hg.): Kopfschmerzen. Stuttgart: Thieme-Verlag 2016. S. 201.).

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