14. Februar 2010
Kernspinresonanz-Therapie

Kernspinresonanz-Therapie

Schmerzlose Heilung bei Hexenschuss oder Gelenkproblemen verspricht die neu entwickelte KernspinresonanzTherapie. Auch Knochenbrüche heilen besser.

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Zeitung lesen, Sudokus lösen oder Musik hören – und ganz nebenbei Beschwerden im Rücken oder den Gelenken loswerden: Die neuartige KernspinresonanzTherapie macht’s möglich. Bereits mehr als 350 Fachärzte setzen in ganz Europa auf die junge schmerzlose Behandlungsmethode. Prof. Wilfried Dimpfel, Universität Gießen: „Für Arthrose konnte eine therapeutische Wirksamkeit bereits nachgewiesen werden. Für die Indikation Osteoporose ist sie wahrscheinlich.“ Eine deutliche Besserung erfuhren auch alle 62 Hexenschuss- Patienten einer jüngsten Doppelblindstudie des Ludwig-Boltzmann-Instituts in Saalfelden, Österreich.

WIE WIRKT DIE KERNSPINRESONANZ-THERAPIE?

Die KernspinresonanzTherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der die aus der Diagnostik bekannte Magnetresonanztomographie auf therapeutische Art und Weise eingesetzt wird. Das Verfahren will die Regeneration von defektem Knorpel- und Knochengewebe ermöglichen. Die Patienten werden dazu in neun bis zwölf Sitzungen etwa eine Stunde lang starken Magnetfeldern ausgesetzt. Diese erzeugt ein hochkomplexes Spulensystem – etwa 10 000-mal schwächer als bei einer MRT-Untersuchung, und ohne das Spritzen von Kontrastmittel. Wie genau diese Felder der Kernspintomographie wirken, ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt. Der österreichische Orthopäde Dr. Wolfgang Klapsch aus Spittal an der Drau vermutet: „Die verwendeten Behandlungs-Sequenzen scheinen mit körpereigenen Schwingungen derart übereinzustimmen, dass eine Wachstumsstimulation in Knorpel- und Knochengewebe stattfindet.“ Blockaden von körpereigenen Signalen, die für ein gesundes Zellwachstum sorgen sollen, werden wieder gelöst.

WO WIRD DIE BEHANDLUNG EINGESETZT?

Vor allem bei Problemen an der Wirbelsäule, wenn Bandscheiben und Wirbelkörper verschlissen sind. Aber auch bei einem Knorpelverschleiß in der Hüfte, entzündlichen Erkrankungen in den Kniegelenken oder den kleinen Gelenken von Fingern und Füßen. Darüber hinaus bei einer Reizung der Achillessehne, Beeinträchtigungen der inneren und äußeren Meniskusknorpel im Kniegelenk oder Arthrosen im Sprunggelenk und den Mittelfußknochen. Und das Multitalent der Radiologie hilft auch, wenn die Knochen nach einem Bruch nur schwer und zögerlich heilen.

GIBT ES BEI DER NEUARTIGEN THERAPIE NEBENWIRKUNGEN?

In der Anfangsphase kann es zu einer kurzfristigen und vorübergehenden Zunahme der Beschwerden kommen. Das ist ein gutes Zeichen. Es zeigt nämlich, dass der Körper auf die biologischen Heilimpulse optimal reagiert. Einige Patienten berichten von einem leichten Kribbeln und Prickeln oder einer angenehmen Erwärmung in den Arealen. Allein das empfinden die Patienten schon als wohltuend. Negative Nebenwirkungen oder unangenehme Begleiterscheinungen sind bei diesem Verfahren nicht bekannt.

WANN DARF DIE METHODE NICHT EINGESETZT WERDEN?

Auf die Behandlung verzichten sollten Personen mit einer bakteriellen Entzündung oder einem akuten Rheumaschub. Ungeeignet ist sie auch für Träger einer Insulinpumpe oder eines Herzschrittmachers. Ebenso sollten schwangere Frauen sich vorsichtshalber nicht den Magnetfeldern aussetzen.

WAS IST BEI DER THERAPIE WEITER ZU BEACHTEN?

Eine optimale Wirkung wird erzielt, wenn die Körperzellen des geschädigten Gewebes ausreichend mit Flüssigkeit versorgt werden. Also mindestens zwei Liter Wasser, ungezuckerten Tee oder Saft trinken. Für Patienten, die Probleme haben, sich zu bewegen, gibt es auch mobile Geräte für die Kernspinresonanz-Therapie. Sie können unter ärztlicher Anleitung zu Hause im liegen eingesetzt werden.

WAS KOSTET EINE BEHANDLUNG IM DURCHSCHNITT?

Die Kosten schwanken zwischen etwa 60 und 110 Euro pro Stunde. Weil die gesetzlichen Kassen die Therapie bisher nicht erstatten, raten Experten dazu, sich vom behandelnden Arzt vorher einen präzisen Behandlungsplan geben zu lassen.

Schmerzfrei auch durch Stoßwellen

  • FUNKTION Schall mit hoher Energie wird gebündelt und als Stoßwellen auf ein Schmerzareal gerichtet, etwa einen Kalkherd in der Schulter. Meist sind zwei bis fünf ambulante Behandlungen von etwa 20 Minuten nötig.
  • EINSATZ Chronische Schmerzen im Bewegungsapparat, bei denen Medikamente oder Wärme- und Kältebehandlungen nicht wirken. Therapiert werden z. B. eine Schultersteife, Tennisellenbogen, Golferarm, Fersensporn, Knieentzündungen.
  • ERFOLGSRATE In 65 Prozent aller Fälle kommt es zu einer deutlichen und anhaltenden Schmerzbesserung.
  • KOSTEN Um 200 Euro pro Behandlung. Die gesetzlichen Kassen zahlen in der Regel nicht.

Weitere Infos:

  • ADRESSEN Eine bundesweite Ärzteliste in derzeit rund 270 Behandlungszentren bietet die Webseite www.mbst.de.
  • INTERNET Infos zu Arthrose, neuen Therapien: www.deutsches-arthrose-forum.de. Infos zu Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen und anderen orthopädischen Beschwerden: www.wirbelsaeulenliga.de.
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