14. Februar 2014
Herzschmerz

Herzschmerz

Ich schenke dir mein Herz, ich schließe dich in mein Herz, ich fasse mir ein Herz, ich bringe es nicht übers Herz, es bricht mir das Herz: Kein anderes menschliches Organ verkörpert die Liebe und den Schmerz, den Mut und die Verzweiflung, das Leben und den Tod so radikal und poetisch zugleich. Kaum verwunderlich, dass auch aus medizinischer Sicht dem Herzen eine Schlüsselrolle zufällt.

Herz in Rot
© Thinkstock
Herz in Rot
In allen Kulturkreisen gilt das Herz als Zentrum des Lebens – insbesondere des menschlichen Daseins. Nicht von ungefähr, denn erst wenn es stillsteht, ist das irdische Sein beendet. Solange das Herz noch schlägt, lebt ein Mensch, auch wenn sein Bewusstsein dieses vielleicht nicht mehr registriert. Auch in den südasiatischen traditionellen Schulen (tantrischer Hinduismus, Vajrayana, Yoga) sowie in der traditionellen chinesischen Medizin steht das Herz im Mittelpunkt.

Gut zu wissen - Zahlen, die zu Herzen gehen

• Siebenmal verlieben sich Menschen im Schnitt, bevor sie heiraten.
 
• 2000000-mal verkaufte sich der Titanic-Hit „My Heart Will Go On” allein in Deutschland.
 
• 4000 Menschen tragen in Deutschland ihr Herz auf der rechten Seite.
 
• 34% höher ist das Risiko, einen Herzinfarkt in einer „konfliktreichen“ Partner- schaft zu erleiden.
 
• Rund 3000000000-mal schlägt das Herz während eines Menschenlebens.
 
• 235 Kalorien hat ein Lebkuchenherz im Schnitt.
So bildet das Herzchakra, das sich in Höhe des Herzens befindet, als viertes Energiezentrum den Kern des Chakrensystems. Es ist der spirituelle Sitz der Liebe, des Mitgefühls und der Menschlichkeit. Ein nicht richtig entwickeltes Herzchakra oder Störungen in diesem Bereich werden auf der körperlichen Ebene mit Herz- und Kreislaufbeschwerden assoziiert.
Das im Durchschnitt nur 300 Gramm schwere Herz ist als muskulöses Hohlorgan der Motor des Blutkreislaufes. Tagein, tagaus, 24 Stunden am Tag, pumpt es unablässig sauerstoff- und nährstoffreiches Blut über die großen und kleinen Arterien in alle Organe und in das Gewebe und sammelt zeitgleich das verbrauchte Blut wieder ein. In der Metamedizin verkörpert darum der Herzmuskel mehr als jeder andere Muskel die Anstrengungen des Lebens. Dort heißt es, Herzprobleme entstehen, wenn wir uns zu sehr für unser Glück, unsere Beziehungen, unsere Arbeit oder unseren Reichtum anstrengen müssen.

Das Herz muss viel aushalten

So gesehen ist es nur logisch, dass in unserer heutigen stressgeplagten, von Burn-out und Ellenbogendenken geprägten Gesellschaft auch das Herz nicht mehr unauffällig seinen Dienst ausüben will. In der Tat sind wir durch unseren Lebensstil prädestiniert für Herz-Kreislauf-Probleme. Bei uns in Deutschland erleiden jedes Jahr 300 000 Menschen einen Herzinfarkt, mehr als die Hälfte sterben daran. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Zahl der Frauen, die zwischen ihrem 35. und 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt bekommen, stark zugenommen. Laut der neuesten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 55 Prozent der verstorbenen Frauen in Europa an einem kardiovaskulären Ereignis gestorben (an Brustkrebs drei Prozent) und „nur“ 43 Prozent der Männer. Auch weltweit gesehen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen der häufigste Grund für gesundheitliche Beeinträchtigungen und Sterblichkeit bei Frauen– mehr als Osteoporose und Krebs zusammen.

Frauen leben gefährlicher

Einer der Ursachen ist das Frausein an sich. „Frauen erhalten immer noch nicht den gleichen Zugang zu medizinischen Behand- lungen und sind in Studien immer noch unterrepräsentiert. Nicht nur dass das weibliche Geschlecht in erhöhtem Maß von kardiovaskulären Erkrankungen generell und mit tödlichem Ausgang im Speziellen betrof- fen ist: Immer noch ist zudem der Glaube verbreitet, dass der Herzinfarkt vor allem eine Männerdomäne ist“, berichtet Marco Stramba Badiale, einer der Sprecher der European Society of Cardiology. Seine Gesellschaft untersucht seit 2009 in einem groß angelegten Studienprojekt, das sich „Red Alert for Women’s Hearts“ nennt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen speziell bei Frauen. Daran nehmen 28 kardiologische Zentren und Vereine in ganz Europa teil.

Fünf Tipps von Herzen

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die Deutsche Herzstiftung geben folgende Empfehlungen, die sich positiv auf die Herzgesundheit auswirken:
 
ERNÄHRUNG Die Mittelmeerkost begünstigt einen normalen Blutdruck und arteriosklerosefreie Gefäße: pflanzliche Öle statt Butter, viel Fisch und wenig Fleisch, magere Milchprodukte, Pasta, Brot, Reis und Kartof- feln, Hülsenfrüchte, viel Obst, Gemüse und Salat.
 
BEWEGUNG Mindestens 1–2 Mal pro Woche 20 Minuten joggen, walken oder Rad fahren senkt das Herz- infarktrisiko. 5000 Schritte täglich mindert es schon nach drei Wochen um 50%.
 
ENTSPANNUNG Stress ist der Risikofaktor für Blut- hochdruck. Regelmäßige Auszeiten, ob durch Yoga, Meditation, Saunagänge, kurz: alles, was Sie wirkungsvoll abschalten lässt, sind ein Muss. Und: Lärm gilt als einer der schlimmsten Stressfaktoren – sei es auf der Straße, im Büro oder aber zu Hause. Orte der Ruhe und absoluten Stille schonen das Herz.

 

Bislang sind die Ergebnisse von 62 Studien ausgewertet worden, Nachfolgestudien laufen. Die Ergebnisse bestätigen, dass vor allem im mittleren Alter (40plus-Jahre) die kardiovaskulären Erkrankungen bei Frauen im Verhältnis zu denen bei Männern weiter zunehmen.

Herzinfarkte bei Frauen sind häufig

Die Frauen selber – und wohl auch ihre Ärzte – rechnen in diesem Lebensalter einfach nicht mit einer solchen Erkrankung. Normalerweise sind die weiblichen Gefäße nämlich bis zur Menopause durch das Geschlechtshormon Östrogen geschützt. Der Anteil der weiblichen Raucher hat allerdings in den letzten Jahren dramatisch zugenommen, sodass heute genauso viele Frauen wie Männer regelmäßig zur Zigarette greifen. Die Zigarette ist für sie aber viel gefährlicher als für Männer, weil die weiblichen Blutgefäße anatomisch feiner und empfindlicher sind und zudem Frauen Nikotin schneller aufnehmen – vor allem wenn sie zusätzlich mit der Pille verhüten. Da ein Herzinfarkt bei Frauen wie eine Magenverstimmung daherkommen kann inklusive Druckgefühl im Oberbauch, plötzlich auftretender Übelkeit und Erbrechen, aber auch als schmerzfreier Schwächeanfall mit Bewusstlosigkeit, fahler Gesichtsfarbe oder Kaltschweißigkeit, wird nicht nur nicht mit ihm gerechnet – er wird leider auch immer noch sehr häufig übersehen. Die Symptome bei Männern sind mit dem typischen in den Arm, zwischen die Schulterblätter oder in den Hals oder Kiefer ziehenden Schmerz offensichtlicher.
Die sogenannte stille Ischämie oder der nicht erkannte Myokardinfarkt bei Frauen wird zudem oft durch andere Krankheiten kaschiert, nicht selten durch psychische oder psychosomatische Befindlichkeiten. Darüber hinaus sind einige diagnostische Tests bei Frauen nicht so aussagekräftig wie bei Männern – es scheint, als wenn Ärzte sie darum oft gar nicht erst durchführen. Auch eine Koronarangiografie, eine operative Untersuchung der Herzkranzgefäße, wird an Frauen seltener durchgeführt. Und selbst wenn bei ihnen eine koronare Herzkrankheit bekannt ist, werden ihre Gefäße operativ seltener wieder „freigespült“ – und das, obwohl gerade beim weiblichen Geschlecht häufig im ersten Jahr nach Diagnosestellung ein tödlich verlaufender Herzinfarkt eintritt. „Wir sind schockiert, herausgefunden zu haben, dass auch nach einem Herzinfarkt Frauen immer noch keine Behandlung, die dem neuesten Stand entspricht, bekommen, sondern dramatisch zu wenig Medikamente erhalten“, fasst Prof. Thomas Lüscher vom Universitätsklinikum Zürich zusammen.

Die richtige Behandlung bei einem Infarkt

Auf leisen Sohlen

Beim Infarkt verstopft ein winziges Blutgerinnsel eine der millimeterdünnen Adern der Herzkranzgefäße. Ein Teil des Herzmuskels wird nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt, dieser gerät außer Takt. Es kann in den ersten Stunden nach der Verstopfung zum Kammerflimmern kommen. Das Herz schlägt über 300-mal/Minute (normal: 60–70-mal/Minute), aber so uneffektiv, dass sich die Herzkammer nicht mehr ausreichend mit Blut füllen kann und der Kreislauf zusammenbricht. Eine andere Folge: das Absterben eines Herzmuskelbereichs.
Viele Menschen weltweit schwören seit Jahrzehnten auf Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“), weil sie das Blut verdünnt und so Verklumpungen des Blutes vorbeugt. Gerade bei Gefäßvorerkrankung lässt sich so die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich verringern. Doch nicht für jeden ist die ASS-Einnahme zum Schutz vor Herzinfarkten ratsam, warnt die Deutsche Herzstiftung. Prof. Dr. Helmut Gohlke, der dem Vorstand der Deutschen Herzstiftung angehört, betont: „Hat ein Mensch kein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist von einer regelmäßigen ASS-Einnahme abzuraten.“ Bei Gesunden ist die Gefahr von Nebenwirkungen (Blutungen im Magen-Darm-Bereich, Gehirnblutungen) größer als der Nutzen – selbst wenn täglich nur die empfohlene, niedrige Dosis von 75–100 mg eingenommen wird. Zum Vergleich: Die handelsübliche Tablette gegen Kopfschmerzen enthält 300 bis 500 mg. Vorbote eines echten Infarkts können z. B. Angina-pectoris-Anfälle sein: starke Schmerzen in der Herzgegend, die ausstrahlen. In der Metamedizin stehen sie für einen Territoriumsverlust. Unser Territorium ist das, was uns gehört, das, was wir unter vielleicht großen Mühen erbaut oder erschaffen haben – sei es unser Haus, unsere Firma, unsere Familie, unsere Kinder, unsere Arbeit.

Cholesterin

Die Blutfette sind ein Parameter für die Herzinfarktgefährdung. Ein normaler Cholesterinspiegel beinhaltet einen niedrigen LDL-Cholesterinwert (sogenanntes „schlechtes“ Cholesterin, Empfehlung: 100–135 mg/dl) und einen hohen HDL-Cholesterinwert („gutes“ Cholesterin, Emp- fehlung: über 50 mg/dl).
 
TEST HERZINFARKTRISIKO
Auf der Website der Deutschen Herzstiftung: www.herzstiftung.de

Wenn das Herz bricht

Diese Zusammenhänge sind nicht abwegig. Mittlerweile erkennen auch Wissenschaftler an, dass schwerwiegende psychische und emotionale Ereignisse sich auf das Herz auswirken. Die Hochschule Hannover veröffentlichte im September 2013 eine Studie zu dem Phänomen des gebrochenen Herzens (Broken-Heart-Syndrom). Demnach leiden daran 2,5 Prozent aller Patienten, die mit Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus kommen. Es kann z.B. nach dem Tod des Partners oder einer Scheidung auftreten, bei Mobbing oder finanziellen Sorgen. Die Symptome, der EKG-Befund und selbst die Laborwerte gleichen denen des Herzinfarkts bis ins Detail. In der ersten Phase sind beide Erkrankungen gleich lebensgefährlich – beim Broken-Heart-Syndrom funktioniert der Herzmuskel, wenn er sich erholt, jedoch wieder normal. Beim Herzinfarkt hingegen entstehen dauerhafte Narben, die die Pumpfunktion des Organs langfristig beeinträchtigen können. Nur die Herzkatheteruntersuchung zeigt, dass bei einem gebrochenen Herzen die Herzkranzgefäße nicht wie bei einem echten Herzinfarkt verstopft sind. Diese invasive Untersuchung wird vielleicht bald ersetzt werden: Forschern aus Hannover und von der Universität Zürich ist es vor Kurzem gelungen, Biomarker im Blut zu identifizieren, welche es nur beim Syndrom des gebrochenen Herzens gibt.
Vor einem Schicksalsschlag, davor, dass ein zutiefst trauriges Ereignis uns das Herz bricht, ist niemand gefeit. Unser Herz stärken können wir beizeiten durch die nötige Achtsamkeit, die wir uns und unseren Lieben zukommen lassen. Wenn wir uns regelmäßig bewegen und mediterran ernähren, auf Nikotin verzichten, Stress abbauen oder vorbeugen, ist schon viel gewonnen. Der Herzspezialist und Organist Prof. Dr. Hans- Joachim Trappe vom Vorstand der Deut- schen Herzstiftung glaubt zudem an die Kraft der Musik. Sie helfe bei Herz-Kreislauf- Problemen, Ängsten, Depressionen, gegen Schlafstörungen und Stress. Die positiven Auswirkungen auf das Immunsystem sind bekannt. Er selbst empfiehlt vor allem Klassik. Doch auch Popsongs vermögen es, die Herzen höherschlagen zu lassen und Männer wie Frauen dazu zu bringen, ihrem Herzen zu folgen oder es zu verschenken, dem Schmerz in ihrem Herzen nachzugeben – oder aber sich ein Herz zu fassen, um jemanden oder auch das Leben selbst (wieder) in ihr Herz zu schließen.
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