2. Februar 2010
Hautkrebs: Ursache, Symptome & Behandlungsmethoden

Volkskrankheit Hautkrebs

Strahlenschäden sowohl durch die ausgesendeten UV-Strahlen im Solarium, als auch durch die natürliche UV-Strahlung der Sonne sorgen für ein erhöhtes Risiko – abgerechnet wird erst nach Jahrzehnten. War die Belastung zu hoch, entsteht Hautkrebs. Aber: Kaum ein Tumor lässt sich so gut behandeln und vermeiden.

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Eigentlich keine gute Nachricht: Experten schätzen, dass jeder zweite Deutsche in seinem Leben Hautkrebs oder ein Frühstadium davon bekommen wird. Das klingt erst einmal erschreckend. Aber: Die Heilungsrate ist hoch. „Früh erkannt, ist jeder Hautkrebs gut therapierbar. Anders als bei anderen Krebserkrankungen sehen wir den Tumor wachsen und können rechtzeitig etwas dagegen tun“, beruhigt Prof. Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorcentrums der Berliner Charité. Außerdem liegt es in unserer Hand, wie gut wir uns vor der UV-Bestrahlung und Hautkrebs schützen.

Unbekannte Volkskrankheit

„Jeder kennt das malignes Melanom, kurz: Melanom oder der Schwarze Hautkrebs genannt, der von den Pigmentzellen ausgeht.“, so Stockfleth. Doch siebenmal häufiger tritt heller bzw. weißer Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) auf, der meist in den Stachelzellen der Haut seinen Ursprung hat. Von beiden gemeinsam ist der Auslöser zu viel UV-Strahlung. Das malignes Melanom ist ein bösartiger Hauttumor. Er trifft vor allem Menschen, die in der Kindheit zu sehr den UV-Strahlen der Sonne ausgesetzt waren. Besonders gefährdet sind aber auch Personen mit stark wechselnder UV-Belastung – sonnenarme Bürotage, dafür dreimal im Jahr Strandurlaub. Außerdem sind oft hellhäutige Menschen, Personen mit Hautkrebs in der Familie oder mit mehr als 50 Muttermalen betroffen.

Beim Plattenepithelkarzinom wird das UV-Konto langfristig belastet. Etwa 25 bis 30 Jahre nach den ersten Schädigungen bildet sich langsam ein Tumor heraus. Deshalb galt der helle Hautkrebs lange Zeit als „Tumor der Älteren“. „Wer aber schon als Teenager regelmäßig das Solarium besucht hat, erreicht diesen Zustand bereits mit 40“, beschreibt Prof. Stockfleth die aktuelle Entwicklung.

Welche Melanom-Typen gibt es?

Es gibt diverse Formen des Schwarzen Hautkrebses. Meist wird unterschieden zwischen:

  • Nodulären Melanom (NM) - knotige Formen, die zu 20% auftreten
  • Superfiziell spreitendes Melanom (SSM) - flache Formen, ca. 60% Häufigkeit
  • Akrolentiginöses Melanom (ALM) - spezielle Melanomen an Hände und Füßen, tritt zu 5% auf
  • Lentigo-maligna-Melanom (LMM) - entsteht zu 10% im Gesichtsbereich älterer Menschen
  • Unklassifizierbare Melanome - z.B. an den Schleimhäuten oder Augen, maligner blauer Nävus (gutartige Fehlbildung der Schleimhaut oder Haut, desmoplastisches MM und Melanom auf großem kongenitalem Nävus
  • Farblosen Melanome (amelanotische Melanome) - Vorläufer sind die Lentigo maligna und das Melanoma in situ.

Mit bloßem Auge lassen sich Melanomen erkennen, je dicker der Tumor ist, desto tiefer ist er bereits in den Körper eingedrungen. Je tiefer der Hautkrebs eindringt, desto mehr entsteht ein höheres Risiko, dass sich einzelne Melanomzellen vom Tumor lösen und über die Lymphbahnen oder Blutgefäße im Körper streuen. Auf diese Weise entstehen sogenannte Tochtergeschwulste (Metastasen). Diese stellen eine große Gefahr dar, denn ein Melanomknoten in wichtigen Organen wie Gehirn, Leber oder in Knochen kann den Menschen umbringen. Metastasen sind oft gefährlicher als Tumore selbst.

Die durchschnittliche Überlebensdauer verändert sich je nach Dicke des Melanoms. Wenn ein Melanom im Frühstadium entdeckt und entfernt wird, besteht eine weit über 90-prozentige Heilungschance. Den meisten Melanom-Patienten kann rechtzeitig geholfen werden.

Basalzellkarzinom

Aus Zellen der sogenannten Basalzellschicht der Haut und den Wurzelscheiden der Haarfollikel entstehen die Tumore Basalzellkarzinom (kurz: Basaliom oder BZK). Die Tumore können dabei in das umliegende Gewebe hineinwachsen und dort Knochen und Knorpel befallen. Metastasen bilden sie keine, denn nur sehr selten siedeln sie sich in anderen Organen an.

Heller Hautkrebs ist weltweit der am häufigsten vorkommende Hautkrebs. Aufgrund der sehr seltenen Fälle, wo er Metastasen bildet, ist er auch als "semi-maligne" bekannt. Von Hautkrebs sind sowohl Männer als auch Frauen betroffen. Deutschlandweit erkranken ca. 180.000 neu an weißen Hautkrebs. Zunehmend erkranken auch immer mehr Jüngere, wohingegen das Durchschnittsalter eigentlich bei 60 Jahren liegt.

Zusammen mit dem Plattenepithelkarzinom wird der Basalzellkarzinom auch als "Weißer Hautkrebs" bezeichnet. Er entsteht im Kopf-Hals-Bereich. Die Ursachen liegen in der erblichen Veranlagung, einer viel zu hohen UV-Dosis und der hellen Haut. In den unterschiedlichsten Gestalten tritt Basaliom auf, häufig jedoch als gelblich-rötlicher knotiger Tumor. Der Rand fühlt sich perlschnurartig an, an der Oberfläche erkennt man kleine Blutgefäße, die eher als rote Flecken auffallen. Handelt es sich bereits um einen fortgeschrittenen Basaliom, treten des Weiteren in den meisten Fällen Geschwüre, die durch Nässen und kleinere Blutungen auf.

Tipps zum Schutz der Haut

Doch die Sonne ganz verbieten, will auch der Berliner Dermatologe nicht: „Ihr könnt ruhig in die Sonne gehen, aber berücksichtigt ein paar Regeln.“ Genau genommen sind es drei:

  • Vermeidet einen Sonnenbrand.
  • Zwischen 11 und 15 Uhr solltet ihr euch im Schatten aufhalten.
  • Verwendet immer einen dem Hauttyp entsprechenden Sonnenschutz.

Darauf sollte auch der UV-A-Schutz angegeben sein. Denn der normale Lichtschutzfaktor (LSF) bezieht sich nur auf die weniger tief in die Haut eindringende UV-B-Strahlung. „Gute Erfahrungen haben wir mit liposomalem Sonnenschutz gemacht, der sich durch kleine Fettkügelchen in den oberen Hautschichten einlagert und nur einmal täglich aufgetragen werden muss“, sagt Prof. Stockfleth. Wichtig: Auch dunkle Hauttypen sollten sich eincremen. Sie verbrennen zwar nicht so schnell, dennoch von allein geschützt sind sie davor auch nicht. Für Risikogruppen gibt es sogar spezielle Produkte, die gezielt hellen Hautkrebs verhindern (beispielsweise „Extreme Lotion 50“ von Daylong; liposomaler Sonnenschutz: „All Day 20 Liposomale Sonnenmilch“ von Louis Widmer; beide in der Apotheke erhältlich).

Neue Herausforderungen

Eigentlich müsste also kaum jemand an Hautkrebs erkranken. Doch die Tatsachen sehen anders aus: 374 000 Neuerkrankungen in Deutschland allein in 2008. Damit ist Hautkrebs der häufigste Krebs überhaupt. In den letzten 20 Jahren stieg die Neuerkrankungsrate jedes Jahr um etwa 5 Prozent. Mit Folgen für Diagnostik und Therapie. Hier wurde verstärkt geforscht. Und es hat sich Beachtliches getan.

Beispiel Diagnostik: „Die konfokale Lasermikroskopie ermöglicht es uns, Veränderungen in der Haut sichtbar zu machen, ohne dass wir dafür eine Gewebeprobe entnehmen müssen“, erklärt Prof. Stockfleth. Das bedeutet für den Patienten: keine Schnitte und keine Narben. Diese Technik ist zwar noch kein Standard, aber ihr gehört die Zukunft.

Hautkrebs erkennen und behandeln

Die Therapien werden immer schonender, auch wenn ein bösartiger Melanom (Schwarzer Hautkrebs) wie bislang operiert werden muss, weil diese Form von Krebs schnell streut. Doch die Schnitte wurden in den letzten Jahren immer kleiner und die Heilungschancen dank vermehrt angebotener körperlicher Untersuchungen wie die Hautkrebsvorsorge beim Arzt und besseren Früherkennung wie Hautkrebs-Screening immer größer. „Für 80 Prozent der Patienten mit Schwarzem Hautkrebs ist die Behandlung mit nur einer operativen Entfernung erledigt“, sagt der Dermatologe. Lediglich jeder Fünfte braucht zusätzliche Bestrahlung oder Medikamente. Blutuntersuchungen können bei fortgeschritteneren Melanomen hilfreich sein, um den Betroffenen möglichst wenig zu belasten.

Doch bevor ihr zum Arzt geht, könnt ihr euch auch eine Selbstuntersuchung unterziehen. Diese wird nach der ABCDE-Regel vollzogen. Wenn einer der folgenden Merkmale auftreten, solltet ihr einen Hautarzt aufsuchen. Das A steht für Asymmetrie. Hierbei handelt es sich entweder um einen neuen dunklen Hautfleck, der eine ungleichmäßige Form aufweist oder einen alten Leberfleck, der seine Form verändert hat. Das B verkörpert die Begrenzung, dabei ist der Rand des Flecks rau, uneben oder verwaschen. C signifiziert die colour (Farbe). Weist der Fleck unterschiedliche Töne und krustige Auflagen auf, wie z.B. rosa, graue oder schwarze Punkte, könnte es sich um Schwarzen Hautkrebs handeln, eine genauere Diagnose könnt ihr euch beim Arzt einholen. Bei D wie Durchmesser geht es um die breiteste Stelle des Flecks, ist diese größer als fünf Millimeter, sollte er vom Arzt untersucht werden lassen. E wie Evolution, verändert sich das Hautmerkmal innerhalb von drei Monaten, solltet ihr ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Therapie ohne Schnitte

Stichwort weißer Hautkrebs: Bei der Aktinischen Keratose, der Frühform des Stachelzellkrebses, handelt es sich um eine verhornte Veränderung der Oberhaut. Im Frühstadium metastasiert der Tumor noch nicht. Auch das Basaliom, der am häufigsten auftretende Hautkrebs, bildet sich in der Epidermis. Er streut kaum, kann aber umliegende Knochen und Knorpel schädigen. Nur knotige oder tiefe Hautveränderungen werden per Laser oder Skalpell entfernt.

Da die Schädigung meist an den „Sonnenterrassen“ des Körpers – Ohren, Nase, Stirn, unbehaarter Kopf – auftritt, gibt es oft viele kleine Tumore nebeneinander. Zu erkennen sind sie an ihrer rauen sandpapierartigen Oberfläche, an weißen oder rötlichen Flecken und Verhornungen. Hier bietet sich eine Therapie größerer Hautareale ohne Schnitte und Narben an.

In Frage kommen die Photodynamische Therapie (eine Bestrahlung mit rotem Licht), die Behandlung mit chemotherapeutischer Salbe, Cremes mit Immunmodulatoren oder ein mildes Gel, das Hyaluronsäure und Diclofenac enthält. Die Behandlung kann drei, vier Monate dauern. Dafür liegt die Erfolgsquote bei 75 Prozent – und das ganz ohne OP. Gerade die nichtoperativen Verfahren werden ständig verbessert: Pflaster, die vor der photodynamischen Therapie aufgeklebt werden, sollen etwa typische Bestrahlungsschmerzen reduzieren. Und die Entwicklung geht immer weiter.

Behandlung des malignes Melanoms

Im Stadium 0 wird durch einen chirurgischen Eingriff Gewebe aus dem Körper entfernt. Melanomzellen haben auf diese Weise keine Möglichkeit an die Absetzungsränder heranzureichen. Mit einem Sicherheitsabstand von 0,5 cm werden derzeit maligne Melanome entfernt.

Im Stadium I können Behandlungen wie z.B. das chirurgische Entfernen des Tumors und eine Schildwächter-Lymphknotenbiopsie im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt werden. Wenn Krebszellen in den Schildwächter-Lymphknoten gefunden werden, werden meist alle Lymphknoten in der näheren Umgebung operativ entfernt. Hierbei handelt es sich um eine adjuvante Therapie mit Interferon.

Eine zusätzliche Teilnahme an Studien mit adjuvanten biologischen oder immuntherapeutischen Substanzen können im Stadium II herangezogen werden.

Ein operativer Eingriff der betroffenen Lymphknoten und der Teilnahme an Studien mit adjuvanten biologischen, immuntherapeutischen und chemotherapeutischen Substanzen

Wie im Stadium I können auch im Stadium III eine operative Entfernung der betroffenen Lymphknoten und eine Teilnahme an klinischen Studien mit adjuvanten biologischen, immuntherapeutischen und chemotherapeutischen Substanzen vollzogen werden.

Sowohl eine operative Entfernung betroffener Organteile oder Lymphknoten als auch eine Strahlentherapie zur symptomatischen Behandlung und eine Teilnahme an klinischen Studien können in Erwägung gezogen werden, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Weitere Informationen

  • Deutsche Krebsgesellschaft: Alles zum Thema Krebs. www.krebsgesellschaft.de
  • Initiative weißer Hautkrebs: Alles über Ursachen, Vorsorge und Therapie der Erkrankung. www.weißerhautkrebs.de
  • Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention: Informationen rund um Haut, Sonnenschutz, Früherkennung. www.unserehaut.de
  • Deutsche Krebshilfe: umfangreiches Informations- und Beratungsangebot. www.krebshilfe.de
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