Mundhygiene Gesund beginnt im Mund: Wie sich die Zahngesundheit auf den Körper auswirkt

Ein schönes und gesundes Lächeln hat nicht nur eine ästhetische Bedeutung. Die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch wirkt sich nachhaltig auf den gesamten Organismus und das Wohlbefinden aus. Gesundheit beginnt schon im Mund, deshalb sollte eine gesundheitsfördernde Mundhygiene ernst genommen werden. 

Mund-Zähne-Karotte

Ganzheitliche Zahnmedizin nimmt den ganzen Körper in den Fokus

Dass die Zähne im menschlichen Körper eine weitaus größere Bedeutung haben, als Nahrung zu zerkauen, ist keine neue Erkenntnis. Seit Jahren beschäftigt sich die ganzheitliche Zahnmedizin mit den Auswirkungen, die kranke oder abgestorbene Zähne auf Gesundheit und Wohlbefinden haben können. 

Das Wissen, dass die Mundgesundheit eine zentrale Rolle für den Körper spielt, geht aber noch viel weiter zurück. Bereits im 15. Jahrhundert prägte der Schweizer Arzt, Alchemist und Naturphilosoph Paracelsus das Zitat „An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch“. Heute hat die Medizin fundierte Erkenntnisse darüber, dass Zähne und Zahnfleisch des Menschen eng mit dem gesamten Organismus und der Psyche verbunden sind. Der gesundheitliche Zustand aller drei Ebenen wirkt sich auf die jeweils anderen aus und kann akute und chronische Erkrankungen hervorrufen. 

Die ganzheitliche Zahnmedizin nimmt deshalb den ganzen Körper in den Fokus und behandelt den Organismus aus einem weitreichenderen Blickwinkel heraus. Jedem einzelnen Zahn ist dabei ein Organ oder eine Körperfunktion zugeordnet. Diese Annahme geht auf die chinesische Naturheilkunde zurück, die die Zähne bereits seit über 4.000 Jahren eng mit den organischen Funktionen im menschlichen Organismus verknüpft sieht und entsprechend behandelt.

Ist der betreffende Zahn erkrankt, kann der Gesundheitszustand auch organische Beschwerden oder Einschränkungen einzelner Körperfunktionen zur Folge haben. Gleichzeitig kann ein erkranktes oder geschädigtes Organ sich auch negativ auf die Zahngesundheit auswirken. Nicht selten ist ein kranker Zahn eines der ersten und sichtbarsten Symptome für ein organisches Leiden. Tatsächlich gehen Zahnmediziner davon aus, dass chronische Erkrankungen wie Parodontitis das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen. Diese wiederum sind die häufigste Todesursache. Fast jeder zweite Todesfall kann ursächlich auf eine Erkrankung im Bereich Herz-Kreislauf zurückgeführt werden. 

Für Patienten ist es wichtig, frühzeitig auf Störbilder im Mundbereich zu reagieren und den regelmäßigen Besuch beim Zahnarzt nicht zu scheuen. Wenn Zahnstein oder Karies behandelt werden, bevor Parodontitis entsteht, lässt sich ein Übergreifen auf den Organismus meist verhindern. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt helfen dabei, Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln. Eine sinnvolle Ergänzung zu den Vorsorgemaßnahmen, die die Krankenkassen ermöglichen, kann eine Zahnzusatzversicherung sein. Eine private Vorsorge ist nicht nur wertvoll, wenn Zahnersatz benötigt wird. Die meisten Zahnzusatzversicherungen bieten auch regelmäßige professionelle Zahnreinigungen und andere Maßnahmen zum Schutz gesunder Zähne an. 


Bakterielle Munderkrankungen als Ursache für Störbilder im Organismus

Akute und chronische Erkrankungen im Bereich von Zähnen und Zahnfleisch haben meist bakterielle Ursachen. Im Mund, insbesondere im dentalen Bereich, beherbergt der menschliche Organismus eine hohe Konzentration an unterschiedlichsten Bakterien. Der Grund dafür ist das saure Milieu im Dentalbereich und in der gesamten Mundhöhle. Durch eine ungesunde Ernährung, die überwiegend säurebildende Nährstoffe beinhaltet, wird der Mundspeichel mit einem sauren pH-Wert angereichert und schafft so den idealen Lebensraum für Bakterien, die Krankheiten und Entzündungen auslösen können. 

Durch eine gesunde Mundhygiene wird die Konzentration der Bakterien auf einem Niveau gehalten, das für den Körper nicht schädlich ist. Regelmäßiges Zähneputzen und andere Möglichkeiten der Zahnpflege können ein neutrales oder sogar basisches Milieu in der Mundhöhle fördern. In diesem Umfeld können sich Bakterien nicht gut vermehren. Wird die Mundhygiene allerdings vernachlässigt, können sich die Bakterien im Mundraum übermäßig vermehren und akute oder sogar chronische Erkrankungen wie Karies oder Parodontose auslösen. 

Vermehren sich Mundbakterien zu stark, bilden sie zunächst einen deutlich sichtbaren Belag auf Zunge und Zähnen, den Zahnärzte Plaque nennen. So greifen sie den empfindlichen Zahnschmelz an und zersetzen ihn. In der Folge entsteht Zahnstein, der unbehandelt zu Zahnfäule werden kann und häufig auch Entzündungen des Zahnfleisches und der tieferliegenden Zahnbereiche führt. Ist erst der Nerv angegriffen, ist der Zahn im Gesunden oft nicht mehr zu retten. Der Zahnarzt spricht in diesem Zusammenhang von chronischen Erkrankungen wie Karies, Parodontose und Parodontitis, die zum Absterben des Zahnes führen und auf weitere Areale der Mundhöhle übergreifen können. 

Gelangen krankheitserregende Bakterien über einen angegriffenen Zahn bis zur Zahnwurzel, kann der ganze Körper betroffen sein. Die Zahnwurzel verbindet den Zahn über Blutgefäße und Nervenbahnen mit dem restlichen Organismus. Bakterielle Erkrankungen können über die Zahnwurzel in die Blutbahn gelangen und sich so im gesamten Körper bis zu den Organen ausbreiten und dort schwere Schädigungen hervorrufen. Besonders anfällig ist der Körper, wenn das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel aufgrund einer bereits vorliegenden akuten oder chronischen Erkrankung oder bei Säuglingen oder älteren Menschen, deren Immunsystem noch nicht oder nicht mehr stark ausgebildet ist. 

Typische Krankheitsbilder, die ihre Ursache im Mund haben können

Wer sich etwas eingehender mit Krankheiten und Störbildern beschäftigt, die auf kranke Zähne zurückzuführen sind, wird überrascht sein, wie umfangreich die Wechselwirkungen zwischen Zahngesundheit und allgemeinem Wohlbefinden sind. 

Dies sind typische Krankheitsbilder, die ihre Ursache häufig im Mund haben: 

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle
  • Entzündungen im Bereich des Lungen- und Herzmuskels
  • Diabetes: Hier ist Diabetes die Ursache für häufige Zahnentzündungen. Die erhöhten Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Blutgefäße in der Mundregion und führen dazu, dass Zähne und Zahnfleisch häufiger entzündet sind. 
  • Kopfschmerzen und Migräne durch Verspannungen und Entzündungen im Kieferbereich
  • Schmerzhafte Funktionsstörungen im Bereich der Rücken-, Nacken- und Kniemuskulatur. Auslöser sind häufig Fehlstellungen im Kieferbereich, die zu Fehlhaltungen im gesamten Stütz- und Bewegungsapparat führen können. 
  • Depressionen: Entzündungen im Dentalbereich können sich auf das Gehirn ausbreiten und dort das empfindliche chemische Gleichgewicht stören. Die Folge sind nicht selten depressive Verstimmungen und Depressionen. Auch chronische Schmerzen im Kiefer- und Zahnbereich können sich negativ auf die Stimmung auswirken. 
  • Entzündungen im Bereich der Blase und Prostata 
  • Beeinträchtigungen und Schädigungen der Sehnerven
  • Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich: Hierzu kann ein Hang zu häufigen Magen-Darm-Infekten ebenso zählen wie chronische Störungen im Zusammenhang mit einem Reizdarm-Syndrom. 
  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche: Entzündungen im Kieferbereich wirken sich oft negativ auf das allgemeine Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit aus.
  • Fehl- und Frühgeburten: Ist das Zahnfleisch entzündet, kann sich die Entzündung auf den Vaginalbereich übertragen und den Mutterkuchen schädigen, sodass das Wachstum des ungeborenen Kindes gehemmt wird. Außerdem wurde nachgewiesen, dass früher verwendete Amalgam-Füllungen im Zahnbereich Quecksilber abgeben, das auf den Körper toxisch wirkt. Bei schwangeren Frauen konnte Quecksilber sogar im Fötus nachgewiesen werden. Gesundheitsschädliche Auswirkungen sind nicht selten

Die Aufgabe der ganzheitlichen Zahnmedizin besteht darin, den menschlichen Organismus als Ganzes zu betrachten und bei Beschwerden im Bereich von Zähnen und Zahnfleisch eine umfassende Ursachenforschung zu betreiben, die auch die Organe, die Körperfunktionen und die Psyche berücksichtigen. So lassen sich Krankheitsbilder erkennen, die ihre Ursache nicht in der Zahngesundheit haben, sondern sich nur symptomatisch im Mund äußern.

Datum: 11.11.2020

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