Zahnersatz Funktionsweise moderner Implantate

Geht’s um die Dritten, lassen sich die neuen Zahnimplantate kaum noch von natürlichen Zähnen unterscheiden. Und auch für schwierige Fälle findet sich heute eine perfekte Lösung.

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Wir leben immer länger, das ist die gute Nachricht. Die weniger gute lautet: Nicht alle Originalteile unseres Körpers begleiten uns bis ins hohe Alter. Oft will ein Hüftgelenk irgendwann nicht mehr oder ein Knie. Am häufigsten machen allerdings die Zähne schlapp: 13 Millionen Stück müssen allein deutsche Zahnärzte jedes Jahr ziehen. Manchmal auch weit vor ihrer Zeit, zum Beispiel nach einem Unfall. Als Ersatz tritt an die Stelle des Zahns wie bei vielen Gelenken immer häufiger ein Implantat – in diesem Fall eine künstliche Wurzel, die üblicherweise aus Titan gefertigt und in den Kieferknochen geschraubt wird. Meist schließt sie eine einzelne Lücke und bekommt eine Krone aufgesetzt. Leider sind die Kosten für Zahnimplantate immer sehr hoch. Günstige Alternativen gibt es nicht.

 

Schonend für benachbarte Zähne

Das Ergebnis der Behandlung sitzt so gut und sieht so gut aus, dass kein Unterschied zu einem echten Zahn spürbar oder erkennbar ist. „Anders als bei einer Brückenverbindung müssen gesunde Nebenzähne auch nicht bis auf den Stumpf beschliffen werden“, sagt Dr. Gerhard Michael Iglhaut, Zahnarzt in Memmingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. Zudem stellt ein Implantat sicher, dass die Kaukräfte beim Essen weiterhin auf die Kieferknochen übertragen werden. Das verhindert, dass der Körper hier Knochenmasse abbaut. Und weil das Titan mit dem Knochengewebe eine stabile Verbindung eingeht, vermittelt die Wurzel ein sicheres Gefühl beim Kauen, Sprechen und Lächeln. Allerdings müssen Patienten für diese Vorteile auch einiges an Zeit, Geduld und mindestens 1500 Euro pro Implantat ohne Krankenkassenzuschuss investieren.

 

Der Aufwand ist relativ gering

Die Operation selbst dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Unter örtlicher Betäubung öffnet der Zahnarzt mit einem kleinen Schnitt das Zahnfleisch, bohrt einen Kanal in den Kiefer und pflanzt das schraubenförmige Implantat ein. Die genaue Lage hat er zuvor mit einem dreidimensionalen bildgebenden Verfahren am Computer bestimmt. Eine individuell hergestellte Schablone hilft ihm, die exakte Stelle tatsächlich zu treffen. Danach näht er in der Regel das Zahnfleisch wieder zu und lässt das Implantat geschützt unter der Schleimhaut einwachsen. Allerdings ist nicht jeder Kiefer ohne Weiteres für den Eingriff bereit – er muss bei jedem zweiten Patienten zuerst aufgebaut werden, damit das Implantat sicheren Halt findet. Dazu werden Knochen von einer anderen Stelle im Mund entnommen oder künstliche Ersatzmaterialien verwendet. Ständig erproben Forscher auch neue Methoden. Eine Idee ist, die Wurzel des entfernten Zahns zu nutzen. Direkt nach dem Ziehen soll sie auf den Knochen geschraubt werden, um ihn zu verbreitern. In bestimmten Situationen können alternativ auch kürzere und dünnere Implantate größere Prozeduren zum Aufbau des Kiefers vermeiden.

 

Heilungsprozess nach der Zahn-Implantation

Nach der Operation hängt alles vom Knochen ab: Die künstliche Wurzel muss einheilen und fest mit ihm verwachsen. Je nach Lage dauert das drei bis sechs Monate; im unteren Kiefer geht es meist schneller als im oberen. In dieser Phase darf der Zahnersatz nicht zu früh belastet werden. Durch bestimmte Faktoren steigt zudem das

Risiko von Komplikationen: Bei Diabetikern mit schlecht eingestelltem Blutzuckerspiegel und Menschen, die Bisphosphonate gegen Osteoporose einnehmen, heilen Wunden häufig schlechter. Raucher sind ebenfalls anfälliger für bakterielle Entzündungen. Aufpassen müssen auch alle, die sich wegen einer Unverträglichkeit statt für ein metallenes Implantat aus Titan für ein weißes aus Zirkonoxid-Keramik entschieden haben. „Bei Keramikimplantaten haben wir für einige Systeme noch keine Langzeiterfahrungen. Die Oberflächenbeschaffenheit hat großen Einfluss darauf, ob bei Menschen mit weichen Knochen diese Keramikschrauben sicher einheilen“, erklärt Dr. Gerhard Michael Iglhaut. Erst wenn alles verheilt und stabil ist, wird die endgültige Krone auf den Unterbau geschraubt oder darauf festzementiert. Von da an sind Bakterien die größten Feinde der künstlichen Wurzeln, deshalb müssen sie immer penibel entfernt werden. Doch auch hier ist Unterstützung in Sicht: Spezielle Oberflächenbeschichtungen sollen bei einer neuen Generation von Implantaten die Bildung von Belägen reduzieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich das Zahnfleisch besser am Implantat anlagert – das erschwert es den Bakterien, ins Gewebe vorzudringen. Und wie lange hält heutzutage ein Implantat? Wissenschaftliche Studien belegen, dass nach zehn Jahren noch 90 Prozent intakt sind. „Bei guter Nachsorge und Hygiene können sie sogar länger als 30 oder 40 Jahre im Mund bleiben“, verspricht Dr. Iglhaut.

Autor: Dorothea Palte