27. Januar 2015
Unterwasser-Trampolin

Unterwasser-Trampolin

Aqua-Fitnesstraining auf dem Unterwasser-Trampolin - dieser neue Trend verspricht Kondition und Muskeln. Aber auch viel Spaß. VITAL-Autorin Ester Langmaack machte für uns den Hüpf-Test.

unterwasser-trampolin
© bowdenimages/iStock
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Das Wasser brodelt – und das liegt nicht an der Temperatur. Im kleinen Becken der Hamburger Alsterschwimmhalle springen zehn Aqua-Fans und ich wie verrückt auf einem Trampolin herum. Wir befinden uns in der Aufwärmphase beim Aquabouncing-Kurs. Und das heißt: Wir machen rasend schnelle kleine Trippelschritte auf der Sprungmatte im brusthohen Wasser. Fast auf der Stelle, die Hände schnellen vor und zurück, genau wie bei einem Sprintlauf auf dem Trockenen. Das bringt die Wasseroberfläche derartig in Wallung, dass man sich vorkommt wie in einem Hexenkessel.

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Vor ein paar Minuten noch fühlten sich die 28 Grad eher kühl an, was sich aber schlagartig ändert. Kaum steht das 1 x 1 Meter große Trampolin mit den Saugfüßen fest auf dem Beckenboden, kaum hallen die ersten Beats aus den Lautsprechern und kaum haben wir die ersten „Sprints“ hinter uns, röten sich die Wangen, die Augen glänzen und der Puls schnellt hoch. Das Bouncing hat uns voll im Griff.

Wasser und Trampolin? Hört sich nicht an, als ob das zusammenpasste.

Tatsächlich aber wird aus dieser Kombi ein Training, das hervorragend die Gelenke schont, weil man unter Wasser nur ein Zehntel seines Gewichts tragen muss. Gleichzeitig fordert es den ganzen Körper dynamisch heraus: Ausdauer, Muskelpower, Beweglichkeit, Koordination und Balance werden gepuscht – fast schon ein Allround-Workout. Vor allem die Bauch-, Rumpf- und Rückenmuskulatur stehen unter Spannung, um dem Wasserwiderstand Paroli zu bieten. Gut für die Wirbelsäule! Der schnelle Wechsel zwischen Be- und Entlastung beim Springen soll sich außerdem positiv auf die Bandscheiben auswirken und bei Rückenproblemen helfen. Dazu kommt ein super Fatburning-Effekt: Bis zu 1000 Kilokalorien kann man pro Stunde verbrennen.

Vor uns steht jetzt Fabian Gasde, unser Trainer. Mit knackigen 23 Jahren und einer ebensolchen Figur, demonstriert er auf dem Beckenrand, was wir im Wasser machen sollen. Dass Aquabouncing, zumindest dieser Kurs in der Alsterschwimmhalle, nichts mit Reha-Training zu tun hat, klärt sich innerhalb der ersten Trainingsminuten. Das hatte ich schon geahnt, als eine Teilnehmerin erzählte, sie wolle einen Ausgleich zu ihrem Triathlontraining.

Fitnesstraining auf dem Unterwasser-Trampolin: Dieser neue Trend, auch Bouncing genannt, verspricht Kondition und Muskeln und ist ein ideales Training.

Frau im Wasser
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Frau im Wasser

Sanfte Kurse für Einsteiger

Es gibt sanfte Kurse für Einsteiger oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen

„Meine älteste Teilnehmerin ist 93 Jahre alt“, berichtet der Bremer Fitnesstrainer Michael Bertram, der das Unterwasser-Trampolin erfunden hat. „Das Besondere daran ist, dass sich jeder darauf lockerer, leichter und sicherer fühlt als beim Hüpfen an Land.“ Bei mir stand jedoch „für Fortgeschrittene“ auf dem Programm. Zum Glück habe ich auf zusätzliche Gewichtsmanschetten an den Füßen verzichtet und lieber nach den leichteren Schaumstoffhanteln gegriffen. Und die kommen gleich nach der heißen Aufwärmphase zum Einsatz. Während wir uns mit den Füßen von der Sprungmatte unter uns abstoßen, bewegen wir die Arme mit den Schaumstoffhanteln mal gestreckt zur Seite, dann wieder nach vorn. Und immer schön unter der Wasseroberfläche bleiben, sonst macht das Ganze nur halb so viel Sinn!

Und für wen ist das nun besonders sinnvoll? „Insbesondere der Muskulatur setzt das Training im Wasser geradezu ideale Reize“, sagt Prof. Dr. Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. „Denn die Muskeln werden schonend, aber intensiv gekräftigt. Die Gelenke dabei entlastet und Knorpelstrukturen erhalten. Daher ist beispielsweise Aquabouncing für Personen mit Gelenkproblemen, nach Sportverletzungen und für Übergewichtige gut geeignet.“

Balanceakt auf dem Trampolin

Mal üben wir weite Ausfallschritte, bei denen nur ein Fuß auf dem Sprungtuch steht, dann wieder stehen Kniebeugen auf dem Programm, die auf dem Trampolin zu einem wirklichen Balanceakt werden. Manche Übungen führen wir aber auch schwebend durch. In Rückenlage grätschen wir die lang ausgestreckten Beine, bewegen sie in kurzen Bewegungen voneinander weg und aufeinander zu. Das kenne ich von der üblichen Wassergymnastik, ist aber trotzdem immer wieder eine echte Herausforderung. Mein Po zieht nach unten, und es besteht akute Absaufgefahr! Die Plätscherwellen schwappen schon in meine Nase. Schnell greife ich mir die Hanteln, strecke die Arme seitlich aus, und dann klappen auch die Beingrätschen wieder.

Wo gibt es Aqua-Bouncing

Beim Cool-down strecken wir uns, wischen mit langsamen Armbewegungen durchs Wasser und balancieren dabei auf dem Trampolin. Ich schaue in die Runde: lauter zufriedene Gesichter. Aquabouncing, diese komische Kombi aus Trampolinspringen und Wassersport, hat eben einen hohen Fun-Faktor. Ist irgendwie ein bisschen wie Fliegen.

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