Karpaltunnelsyndrom: 5 Dinge, die Sie wissen müssen

Karpaltunnelsyndrom: 5 Dinge, die Sie wissen müssen

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Nervenschädigung im Handgelenk, die Schmerzen, Missempfinden und Taubheit in den Fingern auslösen kann. Wir erklären Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Prognosen.

Karpaltunnelsyndrom: Was ist das?

Das Karpaltunnelsyndrom bezeichnet eine Reihe von Symptomen, die durch eine Reizung und Schädigung des Mittelarmnervs im Bereich des Handgelenks auftreten. Typisch sind Schmerzen in den Fingern, Taubheit, Kribbeln, Missempfinden, Steifheit der Finger und Schwellungen. Die Reizungen und Schädigungen des Mittelarmnervs werden durch einen verengten Karpaltunnel ausgelöst, der direkt auf den Nerven drückt. Der Mittelarmnerv läuft im Bereich des Handgelenks durch eine von Bindegewebe umspannte „Röhre“. Diese Röhre wird durch Handwurzelknochen und ein überspannendes Gewebsband aus verfestigten Faszien. Beim Karpaltunnelsyndrom schnürt dieses Faszienband den unter ihm verlaufenden Mittelarmnerv ein und sorgt für Reizungen. Der Mittelarmnerv teilt sich in der Handfläche auf und steuert Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger an.

Es ist übrigens ein Irrglaube, dass Menschen, die Schreibtischarbeit verrichten, häufiger ein Karpaltunnelsyndrom entwickeln. Wesentlich häufiger betroffen sind tatsächlich Menschen, die manuell schwer arbeiten und ihre Handgelenke regelmäßig be- und überlasten.

Jetzt lesen: Tipps bei Arthrose und Schmerzen im Winter > >

5 Dinge, die Sie über Nervenkompression wissen müssen

1. Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Die Ursache des Karpaltunnelsyndroms ist immer eine Einengung des Karpaltunnels, der dann auf den Mittelarmnerv drückt und diesen im Bereich des Handgelenks schädigt. Diese Einengung jedoch kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Häufig ist ein enger Karpaltunnel angeboren und wird vererbt. Frauen entwickeln etwa dreimal häufiger ein Karpaltunnelsyndrom als Männer. Eine weitere sehr häufige Ursache ist regelmäßige manuelle Arbeit und Belastung des Handgelenks. Entgegen landläufiger Annahmen, entsteht das Karpaltunnelsyndrom wesentlich häufiger bei Menschen, die schwere und anstrengende Handarbeit ausüben. Bauarbeiter, die schweres Gerät oder Maschinen bewegen und benutzen, haben ein höheres Risiko, am Karpaltunnelsyndrom zu erkranken, als etwa Büroarbeiter, die Schreibtisch- und Computerarbeit nachgehen. Der Karpaltunnel kann ebenfalls verengen und den Mittelarmnerv einklemmen, wenn Wassereinlagerungen in den Handgelenken für Verdickungen der Bänder und Sehnen sorgen. Übergewicht, Diabetes oder hormonelle Veränderungen durch Schwangerschaft oder Schilddrüsenstörungen können hier mögliche Auslöser sein.

Auch spannend: Diese Fehler begünstigen Arthrose > >

2. Symptome der Nervenschädigung

Das Karpaltunnelsyndrom tritt nicht einfach plötzlich und unangekündigt auf. Die Reizung des Mittelarmnervs durch einen verengten Karpaltunnel macht sich zu Beginn durch Missempfindungen in Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger bemerkbar. Betroffene berichten dann oft von einem Kribbeln der Finger und der Handfläche, möglicherweise kommt es dann auch zu Fehlwahrnehmungen und Verschlechterung des Tastsinns. Häufig schlafen im frühen Stadium der Erkrankung abends, wenn die Hände zur Ruhe kommen, die Finger ein. Mit Voranschreiten der Nervenkompression treten häufig auch Schmerzen auf, die sich von den Fingern bis in den Arm und die Schulter erstrecken können. Bleibt das Syndrom unbehandelt, können starke Schäden des Nervs entstehen. Es kommt zum Verlust der Sensibilität in Fingern und Handfläche und zum Muskelabbau am Daumenballen, der vom eingeklemmten Nerv nicht mehr ordnungsgemäß angesteuert wird.

3. Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Ärzte und Ärztinnen können das Karpaltunnelsyndrom durch eine Reihe körperlicher Untersuchungen diagnostizieren. Da der gereizte Mittelhandnerv weniger sensibel ist, geben Tast- und Sensibilitätstest oft schon Aufschluss über den Zustand des Karpaltunnels. Können Betroffene ihren Daumen nicht mehr ordentlich abspreizen oder nehmen leichte Berührungen der Handinnenfläche nicht mehr wahr, liegt mitunter eine Reizung des Mittelhandnervs vor. Durch das eingeschränkte Berührungsempfinden fällt es Patienten mitunter schwer, kleine Gegenstände mit den Fingern und Daumen zu greifen. Ärzte und Ärztinnen klopfen bei der Diagnose zudem auch das pulsseitige Handgelenk ab. Verursacht dies Schmerzen, kann auf eine Karpaltunnelvernegung gechlussfolgert werden.

Im Video: Schmerzen im Handgelenk – So erkennen Sie einen Bänderriss in der Hand

4. Behandlung des Nervenkompressionssyndroms

Behandlungsmöglichkeiten hängen immer vom individuellen Fall und der Schwere der Nervenschädigung ab. Im frühen Stadium bei einem beginnenden Karpaltunnelsysndrom werden Betroffenen häufig Handgelenkschienen verschrieben, die sie während der Nachtruhe oder auch am Tag tragen, um dem Gelenk Ruhe zu gönnen. Reizungen des Nervs können so abheilen. Entzündungsbedingte Ursachen der Karpaltunnelverengung und Nervreizung lassen sich auch mit Kortison behandeln. Ärzte und Ärztinnen verschreiben hier spezielle Präparate. In besonders schweren Fällen und bei starken Schmerzen werden chirurgische Eingriffe notwendig.

5. Prognose und Heilungsverlauf

Obwohl die Veranlagung eine Rolle bei der möglichen Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms spielt, kann grundsätzlich jeder Mensch an der Nervenreizung erkranken. Besonders gefährdet sind Menschen, die berufsbedingt schwere manuelle Arbeiten verrichten und ihre Handgelenke regelmäßig be- und überlasten. In einer Untersuchung des Deutschen Ärzteblatts stellen die Forscher fest, dass in Deutschland etwa jeder sechste Erwachsene vom Karpaltunnelsyndrom betroffen ist. Zwar ist nicht jeder dieser Fälle auch tatsächlich behandlungsdürftig, das Karpaltunnelsyndrom ist damit aber trotzdem der mit Abstand häufigste Engpass eines peripheren Nervs.

Generell ist davon auszugehen, dass die Symptome, wenn sie erst einmal auftreten, sich im Verlauf der Krankheit verschlimmern. Betroffene sollten bereits frühzeitig einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, denn mit operativen Eingriffen zur Lösung der Engpassstelle im Karpaltunnel können in den allermeisten Fällen schnelle Erfolge und eine komplette Heilung erreicht werden. Die Erfolgsraten bei den gängigsten Operationsmethoden liegen alle über 91 Prozent, die Komplikationsrate dabei unter 1 Prozent.

Lade weitere Inhalte ...