Schmerzfrei und entspannter durch Taping Das Geheimnis von Kinesio Tape und Medical Flossing

Entspannte Muskeln, weniger Schmerzen, bessere Heilung: Mit Taping und Flossing fühlen Sie sich schnell wieder gut. Oft schon nach ein paar Minuten – ganz ohne Tabletten, Spritzen oder Salben

Kinesio Tape, Medical Flossing und Taping - so gehts!

Sie sind anhänglich. Kleben auf der Haut wie eine Klette. Aber gerade mal so 7–10 Tage. Dann verabschieden sich die elastischen Kinesio-Tapes (griech. „kinesis“ = Bewegung, engl. „tape“ = Klebeband) in schrillen Paradiesvogel-Farben wieder. Und Schluss ist mit ihrem

Durchwalken von Bindegewebsfaszien und Muskulatur. Dann heißt es meist: Das nächste, bitte! Im Schnitt zwei- bis dreimal. „Diese therapeutische Massagewirkung wird dadurch erzielt, dass der Acrylkleber unter dem Baumwollgewebe der bunten Bänder riffelförmig wie bei einem Fingerabdruck aufgetragen ist“, erklärt Heilpraktiker und Physiotherapeut Ralf Blume aus Barsinghausen bei Hannover. Das Tape haftet also nicht mit seiner gesamten Fläche auf dem Körper, sondern nur dort, wo der hautfreundliche Acrylkleber sitzt. „An diesen Stellen wird die Haut leicht angehoben, in den klebstofffreien Rillen daneben nicht. Das Tape massiert tiefer liegende Bindegewebsfaszien, Muskeln, Blut- und Lymphgefäße bei jeder Bewegung in winzigen Wellen. Diese reizvolle Mikromassage setzt feinste Impulse an den Rezeptoren im Gewebe, rund um die Uhr. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass Kinesio-Tapes, die sich bis aufs Doppelte ihrer Länge dehnen lassen, über Nervenleitungen auf innere Organe wirken. Ihre Signale beeinflussen sogar die Schmerzsysteme von Gehirn und Nerven. So hat der Kieler Facharzt für Naturheilverfahren Willem Evermann Hexenschuss, Nackenschmerzen, entzündete und überlastete Muskeln bei 65 Patienten mit den Klebebändern behandelt. In allen Fällen waren sie schmerzstillenden Körpertherapien oder Medikamenten überlegen. Eine polnische Studie beweist sogar, dass Patienten, denen die Gallenblase herausoperiert wurde, mit Tapes weniger OP- Schmerzen hatten. Und Physiotherapeuten wissen, dass Menschen mit Verstauchungen nach dem Taping ein regelrechtes Zebramuster auf dem Körper haben: An tapefreien Stellen ist der Bluterguss noch sichtbar. Wo geklebt wurde, hat die Haut wieder ihre normale Farbe. 

 

Tapes stützen und halten, schenken aber auch Freiraum 

 

„Je nachdem, wie das Tape geklebt wird, entspannt oder aktiviert es die Muskulatur. Außerdem löst es Verklebungen in den Faszien und verbessert ihre Gleitfähigkeit. Auch Lymphfluss und Durchblutung werden durch sanfte Scherkräfte reguliert, Nährstoffe besser ins Gewebe gebracht, Entzündungsgifte schneller abtransportiert“, sagt Ralf Blume. „Kinesio-Tapes entlasten Muskeln, Sehnen und Gelenke und lassen den Schmerz abklingen.“ Patienten nehmen keine Schonhaltung mehr ein, Fehlbelastungen in Gelenken und Wirbelsäule werden vermieden. Ihre nachhaltige Therapiewirkung tritt meist nach drei bis fünf Stunden ein, oft aber auch schon nach 30 Minuten. Das Behandlungsspektrum ist riesig: Es reicht von Migräne, Kopf- und Regelschmerzen über Verspannungen, Bandscheibenvorfälle, Arthrose oder Knieprobleme bis hin zu Tinnitus, Muskelkater oder verstopften Nasennebenhöhlen. Die „zweite Haut“, vor rund 30 Jahren entwickelt vom japanischen Chiropraktiker Kenzo Kase, gibt es neuerdings auch mit Heilpflanzen-Extrakten wie Arnika. Oder als gitterförmiges Cross-Tape, das Akupunkturpunkte stimuliert. Kinesio-Tapes kommen in mehr als 14 knallbunten Farben von der Rolle. „Doch ob Pink, Blau oder Grün ist reine Geschmackssache. Aber viele Patienten haben z. B. den Eindruck, dass Rot wärmt und Blau eher Schmerzen lindert“, so der Heilpraktiker.

Flossing setzt 75 Prozent der Schmerzen unter Zugzwang 

 

Wer die Methode ausprobieren will, sollte allerdings nicht gleich selbst zum Klebeband greifen, sondern es sich vom Therapeuten zeigen lassen. „Denn die richtige Klebetechnik entscheidet über die Wirksamkeit des Tapes“, betont Ralf Blume. Das gilt umso mehr für die erst zwei Jahre alte „Schwester“ des Kinesio-Tapes: das Medical Flossing. Wieder sind elastische, bunte Bänder das Therapeutikum – diesmal aus Latex. „Für zwei bis drei Minuten bindet der Therapeut mit maximalem Zug des Bandes z. B. einen Oberschenkel oder einen Arm ab“, erklärt der Flossing-Pionier. „Durch den enormen Druck werden die Blutzirkulation und der Lymphfluss abrupt unterbrochen, das Gewebe im Schmerzbereich ausgewrungen wie ein Schwamm. Währenddessen bewegt der Patient aktiv oder mit Hilfe des Therapeuten die betroffene Extremität.“ 

 

Taping löst erst kurze Ebbe, dann Springflut in den Gefäßen aus

 

Klingt ein bisschen nach mittelalterlicher Folterkammer, doch die Kombi hat gleich mehrere durchschlagende Wirkungen: Der Schwammeffekt drückt entzündungs- und schmerzfördernde Stoffwechselprodukte in die abführenden Lymphbahnen. Faszien, Unterhautfettgewebe, Muskeln, Knochen und Gelenke kommen wieder in gesunde Balance. Vernarbungen und Verklebungen lösen sich, die Beweglichkeit wird nachhaltig besser. Ralf Blume: „Beim Loslassen des Latexbandes wird das geschädigte Gewebe oder Gelenk dann mit Blut geflutet. Das regt die Versorgung z. B. mit Nährstoffen, Hormonen und Sauerstoff an.“ Schließlich stimuliert die Reibung des Flossing-Bandes Rezeptoren unter der Haut, die eine Weiterleitung von Schmerzen zum Gehirn unterbrechen. Mit frappierender, 99-prozentiger Sofortwirkung schon 2–4 Minuten nach dem Lösen des Bandes. „Auch wenn das Flossing ziemlich schmerzhaft ist: Es gilt sozusagen als eierlegende Wollmilchsau, die bei allen Beschwerden des Bewegungsapparates hilft. Selbst bei chronischen“, so Ralf Blume. Je nach Symptom sind bis zu sieben Behandlungen z. B. bei einem Physiotherapeuten nötig (bundesweite Liste unter www.medical-flossing.de). Eine Sitzung kostet 20–30 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht. Menschen mit Herz-Kreislauf-, Hauterkrankungen oder Thrombose sollten die Finger vom Flossing lassen. Wer in Eigenregie „flossen“ will, sollte sich die Technik vorher unbedingt von Profis zeigen lassen. Und dann läuft es wieder!