3. April 2014
Ganz in Weiß

Ganz in Weiß

Mit ganzheitlicher Pflege für Zähne und Mundraum schenken Sie sich und anderen Ihr schönstes Lächeln. Außerdem lohnt es sich kurz- und sogar langfristig fürs Wohlbefinden.

Weße Zähne einer Frau
© Thinkstock
Weße Zähne einer Frau

Verblüffend: Immer noch geben 20 Prozent der Bundesbürger an, nicht zu wissen, wie man seine Zähne richtig reinigt. Und rund jeder Vierte konzentriert sich nur höchst oberflächlich auf die Pflege und „vergisst“ häufiger mal das Putzen! Das ergab eine repräsentative Umfrage der mhplus Krankenkasse. Immerhin wurden Tipps zur Zahnhygiene und -gesundheit von den 1000 Befragten eindeutig gewünscht. Offenbar besteht selbst bei den absoluten Basics noch jede Menge Klärungsbedarf. Das bestätigt auch Dr. med. dent. Ralf Rössler, Zahnarzt und Parodontologe.

Er empfiehlt folgende Routine: „Täglich morgens und abends putzen und dabei an KAI denken.“ KAI steht für die Reihenfolge: erst die Kauflächen, dann die Außenseiten, abschließend die Innenseiten. Aus einem simplen Grund: Wer sich an diese Reihenfolge hält, statt wild hin- und herzufahren, übergeht keinen Zahn. „Danach unbedingt die Zahnzwischenräume mit Interdentalbürstchen und Zahnseide sauber halten. Denn die seitlichen Bereiche, die an die anderen Zähne angrenzen, machen bis zu 40 Prozent der gesamten Zahnoberfläche aus.“

Wie putze ich meine Zähne?

Die ewige Frage, ob per Hand (bevorzugen immer noch 63 Prozent der Deutschen) oder elektrisch, beantworten Ärzte längst eindeutig. Experte Rössler: „Es gibt kein besseres Hilfsmittel bei der Mundhygiene als die elektrische Zahnbürste. Und zwar – da bin ich mit vielen Kollegen einig – mit oszillierend-rotierender Technologie. Die verschiedenen Bewegungsrichtungen brechen den Zahnbelag effektiv auf und wischen ihn gleichzeitig weg.“ Dazu sollte der weiche (!) Bürstenkopf einfach nur an die Zähne gehalten und dann von Zahn zu Zahn geführt werden. Kräftiges Schrubben, wie es viele Handzahnbürsten-Nutzer praktizieren, wirkt kontraproduktiv: Auf gar nicht so lange Sicht putzt man sich das Zahnfleisch weg, die Zahnhälse liegen frei. Inzwischen ersparen uns gute Bürsten sogar etwas Zeit: Galten früher drei Minuten als Pflicht, reichen mit technisch hochbegabtem Reinigungspersonal morgens und abends je zwei Minuten aus. Trotzdem bleiben Rückstände auf Zähnen, Zunge, Zahnfleisch und im übrigen Mundraum zurück. Nur wenn wir uns zeitlebens von Wasser und Gräsern ernähren würden, wäre Mundhygiene überflüssig. Alles andere führt zu Rückständen.

Richtige Zahnpflege ist umfangreich

Manches hinterlässt obendrein deutliche Spuren (Kaffee, Tee, Rotwein, Nikotin), manches weniger sichtbare, aber umso hinterhältigere (Süßes, Obst, industriell gefertigte Lebensmittel mit unzähligen Zusätzen). Wären zuckerfreie Produkte die Lösung? Leider nicht. „Viele Firmen werben mit dem Slogan ‚zuckerfrei‘ auf Gummibären oder Schokolade. Zuckerfrei kann zwar bedeuten, dass ein Produkt auch zahnfreundlich ist, muss es aber nicht. Oft enthalten diese Produkte Frucht- oder andere Zuckerarten, die genauso Karies verursachen wie normaler Haushaltszucker“, erklärt Prof. Dr. Stefan Zimmer, Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und präventive Zahnmedizin an der Universität Witt en/Herdecke. Was Rückstände (der Zahnarzt nennt sie Beläge) so tückisch macht, wird deutlich, wenn wir uns angucken, was sich in unserer Mundhöhle abspielt: Rund zehn Milliarden Bakterien von etwa 700 Arten tummeln sich dort. Idealerweise herrscht ein Gleichgewicht aus freundlichen und weniger angenehmen. Die Bakterien vermehren sich allerdings stark (vor allem die übleren Kandidaten), wenn sie ihre Lieblingsnahrung bekommen, z.B. Zucker, aber auch Chips oder Softdrinks. Wird das süße Angebot nicht bald entfernt, haben die Bakterien genug Zeit, um jede Menge Stoffwechselprodukte zu produzieren, vor allem organische Säuren.

Was tun bei Mundgeruch?

Die verursachen zunächst „nur“ Mundgeruch, dann greifen sie die Zähne an, indem sie die Mineralien (vor allem Kalziumphosphat) aus dem Zahnschmelz herauslösen, was auf Dauer zu Karies führt. Obwohl unser Zahnschmelz, die härteste Substanz unseres Körpers, physikalisch gesehen stabil und unangreifbar ist – aus chemischer Sicht verhält er sich eher instabil. Doch zarte Zahnseide siegt gegen aggressive Bakterien: Nur mit dem dünnen Faden (am besten ungewachst) kommen Sie an die Stellen heran, wo die Beläge sonst zu tückischen Zahnfleischentzündungen führen. Entzündetes Zahnfleisch schwillt an und bildet am Übergang von Zahn zu Zahnfleisch eine Tasche, in der sich Bakterien besonders geschützt vermehren können. Wird dies nicht behandelt, kommt es zu einer Entzündung, der Parodontitis. Die breitet sich an den Zähnen entlang aus bis in den Kieferknochen und führt zum Abbau des Knochens. Dieser Angriff auf den Zahnhalteapparat führt schlimmstenfalls (und gar nicht so selten) dazu, dass der Zahn ausfällt.

Die starken Fünf

Klar, Karamell gehört leider nicht dazu. Hier lernen Sie Küchenfreunde kennen, die die Zähne schützen.

Stangensellerie
Das Kauen hat Dreifachwirkung: Es massiert das Zahnfleisch, reinigt die Zahnzwischenräume und regt den Speichelfluss an – und der setzt das Karies-Bakterium Streptococcus mutans außer Kraft . Rohe Karotten wirken ähnlich, haben Studien ergeben.

Sesamsaat
Mit 87 mg Kalzium pro Teelöff el leisten die Körnchen nicht nur viel Aufbauhilfe für den Zahnschmelz, sie entfernen beim Kauen auch noch Plaque – wie ein Bio-Peeling.

Rohe Zwiebeln
Sie gelten als antibakterielle Genies gegen Karies. Ein paar Zwiebelringe genügen. Am besten in Kombination mit frischer Petersilie essen, sie nimmt der Zwiebel den (Mund-)Geruch, liefert Vitamine und Spurenelemente und wirkt entgiftend.

Shiitakepilze
Dank des Zuckers Lentinan wirken sie gegen Zahnbelag, weil dieser erwiesenermaßen die Plaquebildung hemmt.

Wasabi
Isothiocyanate heißen die Stoffe, die die grüne japanische Würzpaste so scharf machen. Gleichzeitig schalten sie entzündungsfördernde Bakterien in den Zahnfleischtaschen aus.

Welche Zanpasta ist die Richtige?

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, erwarten Sie jetzt vermutlich noch die ultimative Aussage zur besten Zahncreme. Doch da müssen wir Sie enttäuschen: Das ist eine Frage Ihres Geschmacks. Zur Reinigung tragen Zahncremes eher wenig bei, sie sind hauptsächlich für das angenehme Gefühl zuständig. Ausnahme: „Wer unter Allergien leidet, kommt meist mit Sole-Cremes besser zurecht“, sagt Dr. Dierk Remberg. Ein Streitpunkt unter Experten bleibt vorerst das zugesetzte Fluorid: Befürworter halten die Konzentration in Zahncremes
für unbedenklich, sehen nur den Vorteil der Härtung des Zahnschmelzes. Die Gegner halten den Nutzen für den Zahnschmelz für reine Propaganda und argumentieren, Fluorid bewirke eine schleichende Vergift ung des Körpers. Untermauernde Studien und Statistiken
können beide Seiten vorweisen. Fakt ist: Der menschliche Körper braucht das Spurenelement Fluorid. Aber das findet sich auch in vielen Nahrungsmitteln, z.B. in Mandeln und Walnüssen sowie in Radieschen, Blattgemüsen und Wildpflanzen.

Für die Zukunft zeichnet sich ab, dass zumindest ein anderer Wirkstoff erstens unbedenklicher und zweitens sogar wirksamer als Fluorid sein könnte: US-Wissenschaftler verglichen in einer Studie mehrere Zahncremes. Nachgewiesen wurde, dass die Zahnschmelz härtende Wirkung von Theobromin, einem Wirkstoff aus der Kakaobohne, deutlich über der von Zahncremes mit Kalzium-Natrium-Phosphosilikat und Fluorid liegt. Noch ist bei uns kein entsprechendes günstiges Produkt auf dem Markt, aber das kommt sicher bald.
Bereits erhältlich sind besondere Zahncremes, die Menschen in besonderen Situationen nützen können: zum Beispiel mit Vitamin B12 angereicherte Produkte. Vitamin B12 spielt eine wichtige Rolle bei der Zellteilung, der Blutbildung und für das Nervensystem. Veganer, schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, Raucher und Alkoholiker können das Vitamin über die Nahrung nicht immer in ausreichender Menge aufnehmen bzw. es verwerten. Studien (z.B. an der Universität Magdeburg) haben nachgewiesen, dass Vitamin B12 über die Mundschleimhäute aufgenommen werden kann und – regelmäßig zweimal täglich, mindestens vier Wochen angewendet – den Mangel reduziert oder sogar ausgleicht.

Eine Anleitung zum Zähneputzen

Mundpflege ist auch gut für Herz und Kreislauf: Andere Untersuchungen zeigten, dass sorgfältige Mundhygiene die Bildung von Arteriosklerose verlangsamt. Außerdem kann der bei Parodontitis auftretende, besonders aggressive Keim Porphyromonas gingivalis vorgeschädigte Herzklappen angreifen und unbehandelt zu einer Entzündung des Herzmuskels führen. Eine weitere Gefahrenquelle bei Parodontitis-Patienten bilden entzündliche Botenstoffe. „Die lassen sich mit einem Interleukin-Test nachweisen. Der kostet etwa 75 Euro“, sagt Zahnarzt Milan Michalides aus Stuhr bei Bremen. Auch Diabetes mellitus steht im Verdacht, in einer Wechselbeziehung zu Parodontitis fördernden Bakterien zu stehen. Sollte all das nicht genug motivieren, gelingt es vielleicht so: Musikwissenschaft ler des britischen Brighton Institute of Modern Music haben einen Trick entwickelt, um Kinder mit Musik zum richtigen Zähneputzen zu bringen. Entscheidend sei die Anzahl der Takte – acht Takte, dann zweimal vier Takten. Als ideal erwies sich das quirlige „Gangnam Style“ von Psy. Das funktioniert auch für Erwachsene. Wer es ruhiger mag, hört beim Putzen „Somebody That I Used To Know“ von Gotye.

Zehnmal Weis(s)heit

5 DOs

1. Wenn Sie eine gelbliche Zahnfarbe haben, tragen Sie Lippenstifte in kühlen Farben, also mit einem Blauanteil. Zum Beispiel Pink! Die lassen Zähne heller und weißer erscheinen. Warme Töne mit Gelbanteil bewirken das Gegenteil.

2. Bei Heißhungerattacken lieber die Schokolade in einem Stück aufessen und danach die Zähne putzen. Die Tafel genüsslich auf Stunden zu verteilen, hieße Endlos-Party für Bakterien.

3. Täglich den Zungenschaber benutzen: Rund 80 Prozent der Bakterien des gesamten Mundraums siedeln auf der Zunge.

4. Regen Sie die Speichelbildung an, z.B. durch kräftiges Kauen von Nüssen. Speichel ist der wichtigste Verbündete gegen Säuren, weil er sie verdünnt und die Zähne remineralisieren kann.

5. Ätherische Öle können das Wachstum von Parodontitis-Erregern hemmen. Antibiotisch hochaktiv: Lemongras, Manuka, Lavendel und Pfefferminz. Bio-Öle stark verdünnen, gurgeln.

5 DON’Ts

1. Keine gute Idee: die Zähne erst nach dem Frühstück putzen. Über Nacht sammelt sich eine Schicht aus Bakterien auf den Zähnen an. Lieber gleich nach dem Aufstehen zur Bürste greifen.

2. Tiramisu zum Dessert. Stattdessen Käse bestellen: Er haftet lange an den Zähnen und überzieht sie mit einer Schutzschicht aus Kalzium.

3. Als Tee-Fan Zahncreme mit stark scheuernder (abrasiver) Wirkung benutzen. Das raut die Oberfläche an, Verfärbungen können sich erst recht festsetzen.

4. 4Bitte keine Schallzahnbürste bei Migräne: Das Geräusch und das Kribbeln fühlen sich bei einer Attacke sehr unangenehm an.

5. Sofort nach dem Essen oder Trinken von Säurehaltigem die Zähne zu putzen, lässt dem Zahnschmelz keine Chance zur Erholung. Warten Sie eine Stunde!

Interview: Auf den Zahn gefühlt

vital: Herr Dr. Remberg, wie arbeiten ganzheitliche Zahnärzte?
Dr. Remberg:
Wir beachten eben auch die Zusammenhänge im Körper. Dazu gehört das System der Schleimhaut mit seiner gesamten Vernetzung bis hin zur Darmflora. Bei Zahnfleischproblemen kann ich gucken, ob die Parodontose (Zahnfleischschwund) Ausdruck einer
Belastung des Schleimhautsystems ist.

Also geht es um tiefere Ursachenforschung?
Es geht um die Stärkung des gesamten Systems, ganzheitlich eben, und wie bei der Naturheilkunde immer ums Entgiften.

Setzen Sie andere Tests ein als „normale“ Zahnärzte?
Wir bedienen uns naturheilkundlicher Techniken, die detaillierte Hinweise zu Entzündungsherden, versteckten oder chronischen Krankheiten liefern. Die können mit klassischen Methoden nicht immer erfasst werden.

Kommen diese Techniken generell zum Einsatz?
Nein, nur bei chronischen Beschwerden. Zunächst fragen wir nach Lebensgewohnheiten, schauen uns die Kaumuskeln an, wie das Gebiss aufeinandersitzt, die Abnutzung der Kauflächen, achten auf Kiefergeräusche.

Apropos: Gibt’s was Neues zum Thema Knirschen?
Vor 25 Jahren kamen drei Viertel der Patienten in die Praxis, weil sie akute Zahnschmerzen hatten. Heute klagt mehr als die Hälfte über Schmerzen in Kiefer, Muskeln, Gelenken, weil sie so viel knirschen. Da steckt Stress dahinter. Die ideale Zahnreinigung… …Bürste, Zahnseide und Zwischenraumbürsten.

Was halten Sie vom beliebten Bleaching?
Nur Wasserstoffperoxid macht Zähne wirklich heller. Frei verkäufliche Produkte dürfen maximal 0,1 Prozent Peroxid haben. Was das bringt, muss jeder selbst beurteilen.

Was ist das Wichtigste, damit im Mund alles gesund bleibt?
Das gesamte Schleimhautsystem und damit das Zahnfleisch entzündungsfrei zu halten: durch eine vollwertige Ernährung mit naturbelassenen, basischen Lebensmitt eln ohne viel Zucker und ohne industriell gefertigte Produkte mit künstlichen Zusätzen.

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