23. November 2020
NFP: Wie funktioniert die hormonfreie Verhütungsmethode?

NFP-Methode: Wie funktioniert die hormonfreie Verhütungsmethode?

Viele Frauen möchten zunehmend hormonfrei verhüten. Die natürliche Familienplanung (NFP) ist eine Methode, die vermehrt auf Begeisterung stößt. Wie NFP funktioniert, wie sicher sie ist und was Sie beachten müssen.

Wie funktioniert die natürliche Familienplanung?
© tommaso79/iStock
Wie funktioniert die natürliche Familienplanung?

Was ist die natürliche Familienplanung?

Die natürliche Familienplanung (NFP) ist eine hormonfreie Verhütungsmethode, bei der die Frau ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermittelt und auf ihre Körperzeichen während des Zyklus achtet. Dazu gehören die tägliche Messung der Körpertemperatur und das Beobachten des Zervixschleims. Die NFP-Methode ist auch unter dem Namen symptothermale Methode bekannt. Während eines Zyklus ist eine Frau durchschnittlich an etwa sechs Tagen fruchtbar – fünf Tage vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs selbst. Der Eisprung findet meist in der Zyklusmitte statt. Ungeschützter Sex darf demnach nur an den unfruchtbaren Tagen – nach dem Eisprung und vor der Regelblutung – stattfinden. Auch vor den fruchtbaren Tagen sollten Sie mit einem Kondom oder einem Diaphragma verhüten, da Spermien bis zu fünf Tage im weiblichen Uterus überleben können. Wie es der Name schon besagt, dient die Methode auch dazu, den Kinderwunsch zu unterstützen.

Die NFP-Methode wird oftmals immer noch mit der Kalendermethode gleichgesetzt, was so nicht korrekt ist. Bei der Kalendermethode werden die fruchtbaren Tage ausgezählt. Da ein Zyklus nie gleich lang ist und aufgrund verschiedener Ursachen schwanken kann, ist diese Verhütungsmethode nicht sicher.

NFP: So funktioniert die hormonfreie Verhütung

Temperaturmessung:
Messen Sie täglich und zur gleichen Zeit direkt nach dem Aufwachen Ihre Temperatur. Direktes Aufstehen oder andere Tätigkeiten wie Wasserlassen haben bereits direkten Einfluss auf die Temperatur. Sollten Sie Ihre festgelegte Messuhrzeit verschlafen haben, können Sie das Messen nach dem Aufwachen nachholen. Sie sollten mindestens vier Stunden geschlafen haben, ehe Sie messen können. Um die NFP-Methode korrekt auszuführen, ist ein geregelter Tagesablauf entscheidend.

Verwenden Sie am besten ein digitales Basalthermometer, da dies die Temperatur genauer angibt. Messen Sie immer an der gleichen Körperstelle wie im After, in der Scheide oder im Mund. Wenn Sie im Mund messen, sollten Sie das Thermometer immer an derselben Stelle platzieren. Die Messung in der Achselhöhle ist nicht genau genug und daher ungeeignet. Ihren Temperaturwert tragen Sie anschließend in ein Kurvenblatt oder in eine Zyklus-App ein. Mithilfe der Temperaturkurve lässt sich das Ende der fruchtbaren Zeit bestimmen. Nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um etwa ein halbes Grad an. Wichtig zu wissen: Faktoren wie Stress oder eine Erkältung können Einfluss auf die Körpertemperatur haben. Vermerken Sie dies daher zusätzlich in Ihrem Kurvenblatt oder in Ihrer App.

Beobachtung des Zervixschleims:
Parallel zur Temperaturmessung beobachten Sie Ihren Zervixschleim, der sich während des gesamten Zyklus verändert: Nach der Menstruation ist die Scheide eher trocken und sie haben kaum, bis wenig Ausfluss. Der Zervixschleim wird im Laufe der kommenden Wochen trüber, meist weist er eine weißliche oder gelbliche Färbung auf. Er wird fester, teils klumpig oder cremig. Zum Zeitpunkt des Eisprungs wird er flüssiger und die Menge des Ausflusses nimmt zu. Viele Frauen spüren dann, dass Sie deutlich feuchter sind. Der Zervixschleim ist nun glasklar, kann zu Fäden gezogen werden und ist dehnbarer.

Pearl-Index: Wie sicher ist die NFP-Methode?

Die natürliche Familienplanung hat einen Pearl-Index von 0,6 bis 3 – sofern sie richtig angewendet wird. Ein regelmäßiger Zyklus, ein aufmerksames Beobachten der körperlichen Anzeichen, Eigenverantwortung, ein geregelter Tagesablauf sowie ein gesunder Lebensstil tragen zur Sicherheit bei.

Vorteile der natürlichen Familienplanung

NFP ist die natürlichste Form der Verhütung und kommt ganz ohne Hormone und Nebenwirkungen aus. Sie können jederzeit mit der NFP-Methode anfangen und diese wieder beenden. Viele Frauen berichten, dass sie mithilfe dieser Methode ihren Körper und ihren Zyklus genauer wahrnehmen. Meist dauert es mehrere Zyklen, bis Sie ausreichend Erfahrung gesammelt haben, um Ihre eigenen Körperanzeichen zu verstehen.

Nachteile der NFP

Bei sehr unregelmäßigen Zyklen, die besonders kurz (weniger als 16 Tage) oder lang (länger als 56 Tage) sind, ist NFP als hormonfreie Verhütung nur bedingt zu empfehlen. Auch für Frauen, die in verschiedenen Zeitzonen unterwegs sind oder im Schichtdienst arbeiten, ist NFP eher ungeeignet. Einige Frauen haben aufgrund einiger Umstände, zum Beispiel während der Stillzeit, in der Pubertät oder in den Wechseljahren, keinen Eisprung. Auch Alkoholkonsum, Erkrankungen oder Stress können ebenfalls einen Eisprung verhindern. In diesen Fällen ist NFP nur bedingt geeignet.

Da Verhütung ein sehr individuelles Thema ist, sollten Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt sprechen, um besser herauszufinden, welche Verhütungsmethode für Sie geeignet ist und ob die natürliche Familienplanung zu Ihnen und Ihren Lebensumständen passt.

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Datum: 23.11.2020

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