24. Februar 2010
Gebärmutter-Myome - Heilung durch Ultraschall

Gebärmutter-Myome - Heilung durch Ultraschall

Kein Schnitt und keine Wunde: Gebärmutter-Myome werden jetzt mit gebündeltem Ultraschall beseitigt. Eine Frau erzählt ihr Happy End, ein Experte erklärt die neue Methode

Frau lacht
© Thinkstock
Frau lacht

Die Geburt meiner Tochter ist für mich heute, ein Jahr danach, immer noch ein ganz großes Wunder! Wie haben mein Mann und ich uns fünf lange Jahre nach diesem Kind gesehnt“, lässt Bernadette Penzel die schlimme Zeit Revue passieren. „Es wollte einfach nicht klappen mit der Schwangerschaft. Und kein Arzt wusste, warum.“ Erst als die 32-jährige Unternehmerin zur Abklärung für eine Bauchspiegelung ins Krankenhaus geschickt wurde, brachte ein Ultraschall Gewissheit: Sie hatte ein neun Zentimeter großes Myom in der Gebärmutter, das die Einnistung eines befruchteten Eies verhindert hatte.

Das Myom wird durch Hitze zerstört

Die Schock-Diagnose bekam die junge Mutter an einem Montag. Schon am darauffolgenden Freitag sollte der gutartige Tumor in der Muskelschicht der Gebärmutter herausoperiert werden. Mit dem Risiko, dass die lange Narbe bei einer Schwangerschaft aufplatzen könnte. Bernadette Penzel: „Diese Gefahr machte mir Angst. So sehr, dass ich mich nach einer Alternative umhörte. Nach einer, mit der ich das Myom ohne Operation wieder loswerden würde.“

Hochenergetischer Ultraschall

50-mal wird das Myom für je 10 bis 15 Sekunden beschossen. Das Gewebe wird erhitzt, das Myom schrumpft

Die Dortmunderin stieß bei ihrer Recherche auf eine neuartige Therapiemethode, die Myomen mit hochenergetischem, gebündeltem Ultraschall den Kampf ansagt. „Diese Technik lenkt die Schallwellen mit einer fünf- bis zehntausendfach höheren Energie als herkömmliche diagnostische Ultraschallsysteme punktgenau auf das Myom“, erklärt Prof. Wolfgang Hatzmann, Chefarzt der Frauenklinik Marien-Hospital Witten. „Das Myomgewebe im Zielpunkt wird auf 60 bis 80 Grad erhitzt und dadurch schließlich zerstört. Gleichzeitig schont die Methode das umliegende gesunde Gewebe der Gebärmutter.“ Sicher überwacht wird das „Verdampfen“ unter ständiger Sichtkontrolle im Kernspin-Tomografen.

Fünf Stunden auf dem Bauch liegen

In die „Röhre“ schickte Prof. Hatzmann damals auch Bernadette Penzel. Fünf Stunden musste sie darin auf dem Bauch liegen. Ganz ruhig, ohne sich zu bewegen, damit die von unten ausgesandten Schallwellen auch wirklich nur das Myom treffen. Die Patientin: „Mit einer Beruhigungsspritze habe ich das gut überstanden. Und wehtat die Behandlung auch nicht. Ich hatte lediglich ein warmes Gefühl im Bauch.“ Nach der Therapie konnte sie gleich wieder nach Hause gehen.

Der Behandlungserfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die erste Untersuchung zeigte, dass das Myom auf 5,6 Zentimeter geschrumpft war. Heute ist es gerade mal 2,4 Zentimeter groß. Und das mit nur einer Therapiesitzung. „Myome, die einmal mit dieser Methode zerstört worden sind, wachsen in der Regel nicht weiter“, so Chefarzt Hatzmann. „Insbesondere, wenn das gesamte Myomgewebe zerstört wurde.“

Teuer, aber wirksam

Teuer, aber total wirksam

Schon drei Monate später siebter Himmel, Happy End: Bernadette Penzel war schwanger! Endlich konnte das lang ersehnte Baby in ihrem Bauch heranwachsen. So ein Erfolg ist mit dem hochenergetischen Ultraschall für jede Frau mit Myomen möglich, die Beschwerden machen. Prof. Wolfgang Hatzmann: „Zum Beispiel hilft diese Methode Frauen, die aufgrund von Myomen starke Unterleibsschmerzen, Regelschmerzen oder sehr starke Periodenblutungen haben.“ Ist die Gebärmuttergeschwulst allerdings größer als acht Zentimeter – wie bei der jungen Mutter –, gelingt die totale Zerstörung des Myomgewebes nicht vollständig. Sind mehrere Myome vorhanden, kann der Ultraschall überhaupt nichts mehr ausrichten.

Mit Ultraschall verdampfte Myome wachsen meist nicht wieder nach. Dafür reicht schon eine Sitzung

Adresse

Frauenklinik Marien-Hospital, Marienplatz 2, 58452 Witten, Tel. 0 23 02/1 73-0, www.marien-hospital-witten.de

Einziger Wermutstropfen sind die Kosten von rund 4000 Euro – sie müssen von der Patientin meist aus eigener Tasche bezahlt werden. Wieder war die 32-Jährige ein Glückskind: Sie nahm an einer Studie von Prof. Hatzmann teil und musste keinen Cent bezahlen. Sie hätte es aber getan, um jeden Preis. Bernadette Penzel: „Denn ohne die neuartige Ultraschallbehandlung hätte ich auf natürlichem Weg kein Kind bekommen. Wenn ich meine süße Tochter jetzt so sehe – was wäre das für meinen Mann und mich für ein Unglück gewesen!“

Herkömmliche Therapiemethoden

Fünf herkömmliche Therapiemethoden

Die Mehrzahl der Myome wird mit den folgenden vier Standardtherapien behandelt. Nicht ohne Risiken.

HORMONE Mit Östrogen-Gegenspielern wie den Gestagenen verpassen Ärzte Myomen einen Wachstumsstopp. RISIKEN: Die Frau wird in eine den Wechseljahren ähnliche Hormonsituation gebracht – mit all den Beschwerden. Sobald die Hormone abgesetzt werden, wachsen viele Myome wieder.

AUSHUNGERN DES MYOMS Bei der sogenannten Embolisation injiziert der Arzt über einen Katheter Mikrokügelchen in das Gefäß, das das Myom ernährt. Dort stoppen sie die Blutzufuhr, das Myom schrumpft. RISIKEN: Drei bis sechs Monate können sich krampfartige Bauchschmerzen einstellen. Das verödete Gewebe kann sich entzünden. Die Regel kann ausbleiben, die Frau vorzeitig in die Wechseljahre kommen.

ENTFERNEN DER GEBÄRMUTTER Bei dieser radikalsten Myombehandlung operiert der Chirurg die gesamte Gebärmutter heraus oder lässt nur noch ihren Hals stehen. Zunehmend wird minimal-invasiv durch die Scheide oder per Bauchspiegelung operiert. RISIKEN: Nerven, Blase oder Darm können geschädigt werden. Die Frau kommt früher in die Wechseljahre, kann an Orgasmusstörungen oder Harninkontinenz leiden.

HERAUSSCHÄLEN DES MYOMS Per Endoskop wird die Uterushöhle mit einer Spüllösung gedehnt, das Myom mit einer Schlinge abgetragen. RISIKEN: Nachbarorgane können verletzt werden, die Myome zu 30 Prozent wieder nachwachsen.

MEDIKAMENTÖSE THERAPIE Die Myomtablette mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat wird als zeitlich unbegrenzte Intervall-Therapie bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter, für die eine Operation nicht in Frage kommt, eingesetzt. Das Medikament Esmya greift in den Hormonhaushalt ein, indem es die Wirkung von Progesteron blockiert, welches das Wachstum der Myome kontrolliert. Die Myomzellen können sich so nicht mehr teilen und sterben ab. RISIKEN: Die häufigste Nebenwirkung sind Hitzewallungen. Daneben können aber auch Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Übekeit auftreten. Nach dem Absetzen des Präparats hält der Effekt ca. 6 Monate an.

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