19. Februar 2010
Brustkrebs - 9 Fragen zur Mammographie

Brustkrebs - 9 Fragen zur Mammographie

Alle zwei Jahre sollten Frauen eine Mamographie durchführen lassen. Wie gut diese Methode zur Erkennung von Brustkrebs ist und wie viele Frauen dadurch geheilt werden können beantwortet unser Interview.

Nackte Frau
© George Mayer - Fotolia.com
Nackte Frau

Die Bilanz liegt auf dem Tisch: Knapp fünf Jahre nach der flächendeckenden Einführung des Mammographie- Screenings haben „Gemeinsamer Bundesausschuss“ (wichtigstes Organ der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen) und „Kooperationsgemeinschaft Mammographie“ einen ersten Ergebnisbericht veröffentlicht. 10,4 Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren wurden eingeladen. Doch nur 54 Prozent ließen sich in den 94 Spezialzentren untersuchen – obwohl es nichts kostet. Wurden die 3,5 Millionen Euro der gesetzlichen Krankenkassen wirklich gut angelegt? Und was hat das Mammut-Früherkennungs-Programm den Frauen gebracht? Diese Fragen beantwortet die Hamburger Radiologin Dr. Maria Schofer.

Diagnoseverfahren

[if gte mso 9]>Normal021falsefalsefalseMicrosoftInternetExplorer4 Bei wie vielen Frauen wurde Krebs entdeckt? /*-->*/

Dr. Maria Schofer: Die Rate weist leichte regionale Schwankungen auf. Unsere Auswertung in Hamburg ergibt auf 1000 Untersuchungen zehn Brustkrebserkrankungen. Demgegenüber werden ohne systematische Reihenuntersuchung nur zwei bis drei Fälle pro 1000 Frauen entdeckt.

In welchem Stadium befand sich der Tumor?

Dr. Maria Schofer: Fast 20 Prozent der entdeckten Tumoren sind Frühformen eines Brustkrebses, sogenannte In-situ-Karzinome. Im Gegensatz zum invasiven Karzinom ist es auf die Milchgänge beschränkt und wächst noch nicht zerstörerisch in das umgebende Gewebe. Diese Karzinom-Art wird typischerweise durch im Mammogramm sichtbare Mikroverkalkungen entdeckt, während sie bei anderen Methoden sehr oft verborgen bleibt und nicht tastbar ist. 77 Prozent der im Screening aufgespürten invasiven Brustkrebserkrankungen sind zwei Zentimeter oder kleiner. Ebenfalls bei 77 Prozent lag der Anteil der Tumorerkrankungen ohne Befall der Lymphknoten.

Wie war das vor dem Screening?

Dr. Maria Schofer: Das Krebsregister zeigt: Nur sechs Prozent der aufgespürten Karzinome waren Frühformen. Der Anteil der Tumorerkrankungen ohne Lymphknotenbefall lag bei nur 56 Prozent.

Werden zukünftig weniger Frauen sterben?

Dr. Maria Schofer: Eine Aussage ist frühestens nach zehn Jahren möglich. Hauptsächlich aus zwei Gründen: Ein Brustkrebs kann auch bei nicht endgültiger Heilung lange „ruhen“. Außerdem kann sein Wachstum durch verbesserte Therapien verlangsamt werden. Ich halte es aber für mehr als realistisch, dass das Screening die Sterblichkeitsrate um 30 bis 35 Prozent senken kann! Denn eine Verschiebung hin zum Aufspüren günstigerer Tumorstadien zeichnet sich schon jetzt ab. Damit wird schließlich auch die Heilungsrate steigen. Für frühzeitig entdeckte Tumoren liegt sie bei 90 Prozent. Sicher überzeugt auch diese Statistik: Von 100 Brustkrebs-Patientinnen sterben ohne Screening in den folgenden zehn Jahren 31 Frauen. Mit der Röntgenuntersuchung sind es 20.

Und wie sicher ist der Befund wirklich?

Dr. Maria Schofer: Um die Sicherheit bei der Auswertung der Röntgenbilder zu erhöhen, werden die Aufnahmen von zwei Fachärzten unabhängig voneinander analysiert. Bei festgestellten Auffälligkeiten erfolgt zusätzlich eine Konferenzberatung mit dem Arzt, der das Screening-Institut programmverantwortlich leitet. Dieses Vier- bis Sechs- Augen-Prinzip erhöht die Analyse- Sicherheit um ca. 10 bis 15 Prozent.

Für wen eignet sich die Mammographie?

Kritiker bemängeln, dass die Brust vor dem Röntgen nicht abgetastet wird

Dr. Maria Schofer: Das stimmt so nicht. Das Screening ist ein Suchtest. Das bedeutet: Bleibt eine auffällige Mammographie im Suchnetz hängen, wird die komplette Brustdiagnostik einschließlich Arztgespräch, Abtasten und gegebenenfalls Gewebeprobe nach Wiedereinbestellung der Frau fortgesetzt. Das Screening-Konzept geht davon aus, dass die Tastuntersuchung von der Patientin selbst und von ihrem Frauenarzt regelmäßig durchgeführt wird. Das ist in der Realität leider nicht immer der Fall. Wir stellen fest, dass viele Frauen, die das erste Mal am Screening teilnehmen, nicht oder nicht regelmäßig zum Gynäkologen gehen. Hier ist unbedingt motivierende Aufklärung angezeigt.

Es fehlt aber doch auch der nötige Ultraschall

Dr. Maria Schofer: Vor allem Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe können von einer Ultraschalluntersuchung in der Tat profitieren. Ihr Schwachpunkt ist aber der häufig ausgelöste „falsche Alarm“. Dieser hat eine ca. siebenbis achtfach gesteigerte Rate von überflüssigen Gewebeentnahmen zur Folge. Mit ein Grund, den Ultraschall nicht systematisch anzubieten. Ich meine aber, dass bei diesen Frauen die Kombination von Mammographie und Ultraschall unter strengen Qualitätssicherungen innerhalb des Screenings überprüft werden sollte.

Warum werden erst Frauen ab 50 eingeladen?

Adressen & Tipps

  • Kooperationsgemeinschaft Mammographie, Hermann-Heinrich-Gossen- Str. 3, 50858 Köln, Tel. 0 22 34/9 49 00, www.mammo-programm.de
  • Frauenselbsthilfe nach Krebs e. V., Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn, Tel. 02 28/3 38 89-400, www.frauenselbsthilfe.de  

Dr. Maria Schofer: Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zwar, dass auch Frauen zwischen 40 und 50 von einer regelmäßigen Screening-Mammographie profitieren. Aber nicht in dem gleichen Ausmaß wie die älteren Frauen. Denn Jüngere benötigen ein komplexeres Früherkennungs-Konzept: mit kürzeren Untersuchungsintervallen und systematischem Ultraschall.

Was muss grundsätzlich verbessert werden?

Dr. Maria Schofer: Dass ein adäquates Konzept für jüngere Frauen angeboten wird. Und dass sich Frauen nach dem 70. Lebensjahr wieder einreihen können. Dennoch: Das Screening setzt wegweisende Qualitätsparameter in der Früherkennung von Brustkrebs, die ich wirklich nicht erwartet hätte

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