Hitzige Diskussion Tandemstillen - warum es nichts ungewöhnliches ist

Tandemstillen, also das gleichzeitige Stillen zweier Kinder, klingt anstrengender als es ist. Auf Instagram hat Surferin und Ehefrau von Peer Kusmagk ein Bild von sich und ihren Kindern beim Tandemstillen gepostet und damit eine Diskussion angesetzt. Doch was ist Tandemstillen und worauf muss man achten?

Janni_Hönscheid

In den sozialen Netzwerken ist eine hitzige Diskussion über das Tandemstillen entfacht. Während die einen es befürworten, zwei Gewschwisterkinder unterschiedlichen Alters und auch häufig über das erste Lebensjahr hinaus zu stillen, heißen es andere nicht gut, da eine so lange Stillzeit unüblich sei. Auch bei Janni Hönscheid (Foto), 28, ist vor wenigen Tagen bei Instagram eine Diskussion entstanden. Dennoch ermutigte sie auch Sara Kulka, ein Bild von ihren zwei Kindern und sich beim Tandemstillen nach mehr als drei Jahren zu posten.
Tandemstillen gilt in der Gesellschaft als noch immer nicht akzeptiert, obwohl es das natürlichste zwischen der Mutter und ihren Kindern ist. Tatsächlich ist es auch gar nicht so kompliziert, wie man vielleicht denkt.

Stillen in der Schwangerschaft

In der Regel kommt es selten vor, dass während der Stillzeit eine neue Schwangerschaft beginnt. Doch manchmal passiert es recht schnell, dass eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes wieder schwanger wird. Viele Mütter fragen sich dann, ob Stillen während der Schwangerschaft überhaupt möglich ist und wie es sich auf beide Kinder auswirkt. 
Grundsätzlich ist es kein Problem, in der Schwangerschaft zu stillen. Dem Ungeborenen werden keine Nährstoffe verweigert oder entzogen. Dagegen wert sich der Körper, indem er die Muttermilchproduktion zurückfährt. Damit das nicht passiert und sowohl das ältere Kind als auch das Ungeborene genügend Nährstoffe bekommen, sollten Sie auf Ihre Ernährung und Trinkmenge achten. 

Wie verändert sich die Muttermilch in der Schwangerschaft?

Da sich die Muttermilch während einer neuen Schwangerschaft geschmacklich verändert und Hormone im zweiten Drittel der Schwangerschaft dafür sorgen, dass sich die Milchmenge reduziert, kommt es nicht selten vor, dass sich das erste Kind von selbst abstillt. Sind gegen Ende der Schwangerschaft die Brustwarzen zu empfindlich und schmerzhaft, sollten Sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn das Abstillen von Ihnen ausgeht. Haben Sie jedoch keine Beschwerden, kann Ihr Kind, auch wenn keine Milch fließt, bis zur Geburt trockennuckeln. Nach der Geburt können dann beide Kinder gestillt werden.

Wann sollte in der Schwangerschaft abgestillt werden?

  • Bei Schmerzen in der Gebärmutter
  • Wenn Blutungen auftreten
  • Wenn Sie vorausgegangene Frühgeburten hatten

Löst Stillen in der Schwangerschaft Wehen aus?

Obwohl beim Stillen das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet wird, welches auch bei der Geburt mitverantwortlich ist, werden durch das Stillen allein keine Wehen ausgelöst. Damit die Wehen einsetzen und der Geburtsprozess beginnen kann, muss das Kind auch dafür bereit sein.

Tandemstillen nach der Geburt

Nach der Geburt kommt die Zeit, in der tandemgestillt wird und Baby und Kleinkind je eine Brust bekommen. Von Vorteil ist es, wenn Sie Ihr erstes Kind darauf vorbereiten, dass es demnächst teilen muss und das Baby öfter und häufiger die Brust braucht. Besonders in den ersten Tagen nach der Geburt sollte das Baby an erster Stelle stehen, damit es genügend vom nährstoffreichen Kolostrum (Vormilch) bekommt. 
Nach diesen Tagen spielt es keine Rolle, wann und in welcher Reihenfolge die Kinder trinken. Versuchen Sie da Ihren eigenen Rhythmus zu finden. Bei manchen Müttern trinken beide Kinder gleichzeitig, bei manchen zeitversetzt. Bei besonders hoher Milchproduktion oder Spannungsgefühlen kann das größere Kind zum Beispiel helfen, den Druck zu lindern. Verlassen Sie sich da ganz auf Ihr Bauchgefühl, um den richtigen Weg und die gemütlichste Position für alle drei zu finden. Sollte das Tandemstillen nicht gelingen, ist es kein Grund zur Sorge.

Vor- & Nachteile des Tandemstillens

Vorteile

  • Beide Kinder profitieren von der Muttermilch: Studien belegen, dass bei Kindern im Breikost-Alter Muttermilch die Entwicklung des Immunsystems, die Balance des Energiehaushalts und die langfristige Krankheitsresistenz unterstützt. 
  • Das Tandemstillen beeinflusst auch die emotionale Bindung, da das ältere Kind nicht das Gefühl bekommt, nach der Geburt des Geschwisterchens in zweiter Reihe zu stehen. Eifersuchtsreaktionen fallen somit weg oder milder aus.
  • Werden die Kinder gemeinsam gestillt, fördert dies die Bindung zwischen den Kindern und der Mutter. Tandemstillen ist eine von vielen Möglichkeiten, den Kindern emotionale Sicherheit zu geben.
Nachteile
  • Generell gibt es aus gesundheitlicher Sicht keine Nachteile beim Tandemstillen. Wichtig für die Zusammensetzung der Muttermilch ist eine ausgewogene Ernährung.
  • Das Langzeitstillen kann kräftezehrend sein und bedeutet auch, sich viel Zeit im Alltag zu verschaffen, damit es so angenehm und stressfrei wie möglich wird.
  • Die Gesellschaft ist so darauf geprägt, dass das Stillen nach dem ersten Lebensjahr ungewöhnlich und nicht gern gesehen ist. Mütter, die tandemstillen, sollten deshalb mit Selbstbewusstsein reagieren und über ihrer Entscheidung stehen. 

Autor: Christina Liersch