Kur und Kliniken Gemeinsam gesund werden

In dieser Klinik direkt an der Ostsee sind viele jung, oft keine 30 Jahre alt. Alle haben das gleiche Ziel: In einer einzigartigen Kur für Kinder und ihre Mütter mit Brustkrebs finden die Frauen neue Kraft und Zuversicht – und ihre Kinder lernen wieder zu lachen.

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Die Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Pädagogen und Ernährungsexperten der Kurklinik direkt an der Ostsee wissen nur zu gut, wie sehr auch die Kinder unter der Krebserkrankung ihrer Mütter leiden. Denn sie arbeiten für das Modellprojekt der Rexrodt von Fircks Stiftung „gemeinsam gesund werden“: Hier kümmert man sich nicht nur um die Rehabilitation brustkrebskranker Frauen, sondern auch um die psychische Gesundheit ihrer Kinder. „Während der Krebstherapie wurden die Kinder schmerzhaft und leidvoll ins Abseits gestellt und konnten von ihren Müttern nicht durch ihre Unsicherheit und Ängste getragen werden. Sie haben keine Antworten auf drängende Fragen wie ,Mama, warum fallen dir die Haare aus, warum musst du schon wieder weg, stirbst du?‘ bekommen“, sagt Chefärztin Dr. Brigitte Freidling. „So entsteht ein seelisches und emotionales Defizit, das unsere Kur ausgleicht. Auch bei den Müttern, deren langwierige und strapaziöse Ersttherapie ja gerade mal zwischen sechs Wochen und sechs Monaten zurückliegt. Wir wollen erreichen, dass trotz der Ausnahmesituation eine gesunde, stabile und vertrauensvolle Beziehung zwischen Mutter und Kind möglich ist und die Kommunikation in der Familie wieder funktioniert.“

Durch die Therapie und den Kontakt mit anderen Patientinnen entsteht ein neues, positives Lebensgefühl

Nach neuesten Forschungsergebnissen der Universität Marburg, die das Modellprojekt begleitet, ist fast jedes zweite dieser Kinder verhaltensauffällig. 30 Prozent müssen sogar psychotherapeutisch behandelt werden. Dr. Freidling: „Kleinere Kinder werden aggressiv, klammern, kommen im Alltag nicht mehr zurecht, entwickeln Ess- und Schlafstörungen. Die schulpflichtigen Kinder haben Konzentrationsund Lernprobleme im Sinne eines ADHS, schlafen schlecht, leiden an Depressionen und Angststörungen.“ Dieser traurigen Bilanz setzt die Marburger Studie aber Zahlen entgegen, die hoffen lassen: Ein Jahr nach der Reha in Grömitz sind nicht mehr Kinder verhaltensauffällig als in der Durchschnittsbevölkerung. Auch den Müttern tut die Kur gut: Vor Beginn der Reha fühlen sich 46 Prozent stark oder sogar sehr stark belastet; ein Jahr später nur noch 15 Prozent.

Ina Pleines spürt schon nach zweieinhalb Wochen, dass die Kur neue Kraft, Harmonie und Balance in ihr wachsen lässt. „Das kommt allein schon dadurch, dass die Patientinnen gemeinsam mit ihren Therapeuten ihr individuelles Anwendungs-Programm festlegen.

Hier ist jede Mutter frei, ohne jeden Zwang“, schwärmt die Bodenstewardess und BWL-Studentin. „Ich habe mir mehr Ruhe gewünscht, mehr Zeit für mich. Bei Entspannungstraining und Nordic Walking am Meer kann ich endlich mal abschalten und zu mir kommen.“ Auch ihr rechter Arm, das wünscht sich die Rheinländerin, „soll wieder ganz zu mir gehören“ und all ihre quirligen Bewegungen mitmachen. Dafür trainiert sie in der Schulter-Arm-Gruppe. Bei der Marnitz- Massage genießt sie den zarten Fingerdruck der Physiotherapeutin, die im Schulter-Arm-Bereich jede Muskelfaser tiefenentspannt. Lymphdrainage ist für ihren nach der OP geschwollenen Arm eine heilsame Streicheleinheit. Auch für ihre Psyche.

Autor: Susanne Schütte

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