Abtasten nach Tumoren Kleinste Knoten aufspüren

Statt mit kalter Apparatemedizin suchen blinde Medizinisch-Taktile Untersucherinnen die Brust mit Händen nach Tumoren ab. VITAL hat einer von ihnen auf die „sehenden“ Finger geschaut.

Brust abtasten

Kleinste Knoten aufspüren 

Eine von über 40 MTUs in ganz Deutschland ist sie. Pia Hemmerling arbeitet bei Gynäkologen in Rostock, Berlin und Potsdam. Der Hamburger Gynäkologe Dr. Jürgen Kröger (siehe Interview Seite 68) war ihr erster Arbeitgeber. Mit einer für Sehende kaum vorstellbaren Feinfühligkeit. „Ich habe schon Gewebeveränderungen aufgespürt, die waren gerade mal stecknadelkopfgroß. Das klappt aber nur bei einer kleinen Brust. Bei einem größeren Busen oder dichtem Gewebe taste ich Knoten von vier bis sechs Millimeter Größe mit ziemlicher Sicherheit“, berichtet die zierliche Frau ein wenig stolz. Über ihr Fingerspitzengefühl staunt die Medizinische Tastuntersucherin selbst immer wieder: „Dass mein Tastsinn so toll ist, hätte ich nicht gedacht! Durch meine Ausbildung habe ich ihn ganz neu entdeckt. Ich habe ihn regelrecht trainiert und dann auch eine gehörige Portion perfektioniert.“

Und was ist, wenn sie einen Knoten ertastet? Einen Befund kann und darf die MTU nicht erheben. Wenn sie eine Gewebeveränderung entdeckt, ruft sie den Arzt. „Ich taste mich dann an den Orientierungsstreifen entlang zu dem Knoten und lege die Hand des Arztes auf meine. Er löst sie ab und tastet nach. Bislang hat er meinen Verdacht immer bestätigt“, sagt die junge Frau.

Autor: Susanne Schütte

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