28. April 2021
Fit und gesund durch die Pflegeausbildung

Fit und gesund durch die Pflegeausbildung

Pflegeausbildungen sind mit viel Stress für die Auszubildenden verbunden. Umso wichtiger ist es daher, die jungen Azubis mit besonderen Maßnahmen zu stärken. Hier erfahren Sie, wie Sie fit und gesund durch die Pflegeausbildung kommen.

© Matthias Zomer / Pexels
Der direkte Kontakt zu Patienten und Bewohnern bestimmt den Arbeitsalltag einer Pflegekraft.

Junge Menschen, die sich in den Dienst von Pflegeheimen und Kliniken stellen, sollten sich und ihre Körper mit besonderen Maßnahmen stärken. Gesunde Ernährung, Sport und Psychohygiene helfen, selbst vital und fit zu bleiben und gut durch die Pflegeausbildung zu kommen.

Die Ausbildung – was macht sie so stressig?

Die Pflegeausbildung wurde 2020 reformiert. Unter anderem wurde die Zugangsvoraussetzungen für die Generalistische Pflegeausbildung dahingehend erhöht, dass der Hauptschulabschluss nicht mehr ausreicht, um die dreijährige Ausbildung direkt zu beginnen. Wer nicht wenigstens den Realschulabschluss nachweisen kann, muss eine einjährige Pflegehelferausbildung vorab machen, kann danach allerdings auch gleich ins zweite Ausbildungsjahr einsteigen.

Der erste Stress ergibt sich also aus dem Druck, entweder den Realschulschulabschluss oder die Pflegehelferausbildung erfolgreich zu meistern.

Das Zulassungsalter ist 18, was damit zu tun hat, dass Auszubildende in Pflegeberufen mit Medikamenten in Berührung kommen und natürlich möglichst nicht unters Jugendarbeitsschutzgesetz fallen sollen. Die besondere Verantwortung als Auszubildender in der Pflege und die Schichtdienste, belasten den Azubi ebenfalls, vor allem wenn der Biorhythmus mit Wechselschichten schlecht klarkommt.

Ein dritter Faktor ist die psychische Komponente. Der Kontakt zu Patienten und Bewohner bestimmt den Arbeitsalltag und auch wenn die professionelle Distanz gewahrt werden soll, haben junge Auszubildende diese noch nicht. Treten dann Todesfälle auf oder werden erschütternde Diagnosen gestellt, berührt es die Azubis stärker. Hinzu kommen energieraubende Kollegen oder Patienten, die die Nerven der angehenden Pflegekräfte auf eine harte Probe stellen und ihnen Zeit und Energie rauben. Wichtige Arbeiten bleiben unerledigt, was zu Überstunden und Überlastung führt. Werden keine geeigneten Maßnahmen zur Psychohygiene angeboten, kann diese seelische Belastung dazu führen, dass die Auszubildenden sich nicht gewachsen sehen, diese Ausbildung zum Abschluss zu bringen.

Stressresistenz erhöhen – Entspannen üben

Für ein körperliches und psychisches Wohlbefinden ist es wichtig, sich von der Arbeit abzugrenzen und einen Ausgleich zu finden. Dabei können Entspannungstechniken, Rituale oder Freizeitinteressen helfen, die die Gedanken zu anderen Themen lenken und helfen aufzutanken.

Haustiere

Was Menschen ohne Haustier kaum nachempfinden können, ist die mentale Bindung, die wir Menschen zu Haustieren aufbauen können. Eingefleischte Hundehalter empfinden den Gassigang nicht als lästige Pflicht, sondern sehen in ihm eine Quelle der Kraft und die beste Möglichkeit sich mittels Bewegung an frischer Luft, den Kopf frei zu laufen. Auch als Gesprächspartner sind Katze, Hund und Meerschweinchen gern gesehen und echte Stressfresser.

Rituale

Rituale dienen dazu, gewisse Emotionen hervorzurufen und sind sehr hilfreich dabei, in den Feierabendmodus zu kommen. Ob das bereits am Spind passiert, wenn der Kittel samt Sorgen in die Wäsche kommt, oder erst daheim alles abfällt, wenn ein dampfender Tee vor einem steht – alles ist heilsam, wenn es hilft, den Feierabend wirklich ohne Gedanken an die Arbeit zu verbringen.

Sport

Sport stärkt Muskeln und Immunsystem. Ist die körperliche Belastbarkeit höher, geht die anstrengende Arbeit besser von der Hand. Außerdem hilft Sport, sich von „Sorgen“ freizukämpfen und bietet eine ideale Chance, von der Arbeit in den Freizeitmodus zu gleiten. Vor allem in Verbindung mit meditativen Elementen ist Sport sehr hilfreich (Yoga).

Entspannungstechniken

Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditationen bauen Stress ab und fahren den Blutdruck runter. Letzteres ist für den Körper das wichtige Signal, dass der Stress nachlässt. Die Entspannung kann mit Aromaanwendungen (Bäder, Tees oder Duftölen) unterstützt werden. Es ist gut, sich solche Techniken früh zu eigen zu machen, denn wenn sich der Stress in Form von Symptomen zeigt, ist es schwieriger in den Entspannungszustand zu kommen.

Ernährung – was und wann?

Zum Thema gesunde Ernährung gibt es zahlreiche Tipps. Das soll hier jetzt auch gar nicht ausgebreitet werden. Erlaubt ist, was schmeckt und im Maß ist. Exzessive Fast Food Orgien sind völlig unproblematisch, wenn sie nur alle Jubeljahre mal vorkommen. Täglich hingegen, sorgen sie für Über- und Fehlernährungen. Nicht immer wird dies durch Übergewicht sichtbar. Eine Blutanalyse gibt Aufschluss über den Zustand des Körpers und erlaubt Rückschlüsse auf die Ernährung. Fehlen wichtige Vitamine und Mineralstoffe, schädigt das Knochen, Muskeln und Nerven.

Doch nicht nur was, sondern auch wann gegessen wird, ist sehr wichtig. Der stressige Pflegealltag bedeutet auch, dass eine Mahlzeit häppchenweise eingenommen wird, und zwar immer dann, wenn man zufällig am Teller vorbeikommt. Genuss kommt da gar nicht erst auf. Oft ist es sogar so, dass Pflegekräfte sich bewusst hochkalorische Schokoriegel zuführen, damit sie nicht im Dienst zusammenklappen. Hier kann die Leitung von Station oder Wohngruppe sehr viel tun, um ihren Mitarbeitern und Auszubildenden das zu ersparen. Feste Essenszeiten, in denen Vertretungsregeln greifen, verhelfen zu regelmäßigen Mahlzeiten. Außerdem wird Essstörungen vorgebeugt.

Zeitmanagement lernen

Stundenpläne sind den meisten Auszubildenden aus Schule und Berufsschule noch bekannt. Sie können auch im Arbeitsalltag helfen, die Zeit besser einzuteilen und optimal zu nutzen. Selbst das Lernen kann so gemanagt werden. Sich die theoretischen Inhalte anzueignen, schafft Sicherheit für die Praxis. Kontinuierliches Lernen wiederum erspart den Lernmarathon kurz vor Zwischen- oder Abschlussprüfungen.

Tagespläne, To Do-Listen und ein gutes Zeitmanagement bringen auch Struktur in den Tag, was viele Menschen brauchen, um ihre Potentiale voll abrufen zu können. Außerdem kommt es einem in jedem Lebensbereich zugute, sich mit Zeitmanagementmethoden auszukennen und sie erfolgreich anwenden zu können. Gerade in stressigen Situationen, die im Pflegealltag zuhauf auftreten, müssen Prioritäten gesetzt und schnelle Entscheidungen getroffen werden.

Fazit

Die Pflegeausbildung ist inhaltlich anspruchsvoll. Zudem trägt auch ein Auszubildender bereits viel Verantwortung, wenn er beispielsweise einen Patienten wäscht. Zwischenmenschliche Kontakte, wie sie zwischen Pflegenden und Pflegeempfängern entstehen, wirken in jedem Menschen nach. Ärger kann nicht abgelegt, Trauer nicht beiseitegeschoben werden. Sich professionelle Distanz anzueignen ist zwar lernbar, aber nicht leicht. Sich selbst gut zu kennen hilft, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um sich physisch und psychisch zu stärken.

Leider ist der Pflegenotstand bereits so akut, dass die Pflegekräfte stark gefordert sind. Wer da nicht auf sich achtgibt, steuert in ein Burnout. Es ist wichtig, seine Grenzen zu kennen und zu akzeptieren. Wer sich zu sehr verausgabt, kann am Ende nicht mehr arbeiten. Daher ist es wichtig, Urlaube nicht immer aufzuschieben, nicht jede Zusatzschicht anzunehmen, sondern sich auch mal abzugrenzen und Nein zu sagen.

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