3. Dezember 2016
Expertentipps rund um die Zahnpflege

Expertentipps rund um die Zahnpflege

Auf den Zahn gefühlt! Damit Sie beherzt zubeißen und ein strahlendes Lächeln verschenken können: vital-Experten beantworten die wichtigsten Fragen zur Zahnpflege

Tipps zur richtigen Zahnpflege
© Daniela Jovanovska-Hristovska/iStock
Tipps zur richtigen Zahnpflege

Lektion eins seit Kindertagen: Zähneputzen nicht vergessen! Was uns damals furchtbar lästig und unnötig erschien, geben wir – im Erwachsenenalter längst verinnerlicht – als tägliche Ermahnung selbst an den Nachwuchs weiter.

Seit in den 1980er-Jahren die elektrische Zahnbürste auf den Markt kam, wird die Zahnpflege immer einfacher. Sogar das Smartphone hilft: So bietet die Zahnpflege-App von Oral-B nach einer umfangreichen Aktualisierung nun eine individuelle Anleitung, um mögliche Putzfehler aufzuspüren und die Zahnpflegegewohnheiten zu verbessern (gratis für iOS und Android im jeweiligen App-Store).

Aber kennen Sie die Unterschiede der Füllungsmaterialien, wissen Sie, was eine Munddusche alles ausrichten kann – und was nicht?

Acht Zahnärzte beantworten Fragen wie diese. Und in das große Angebot an Bürsten und Zahncremes bringen wir mit unseren Tipps auf den folgenden Seiten endlich Klarheit.

Tipps zur richtigen Zahnpflege
© Daniela Jovanovska-Hristovska/iStock
Tipps zur richtigen Zahnpflege

Schallzahnbürsten, Mundduschen und Co.

Die Munddusche scheint etwas aus der Mode gekommen. Zu Unrecht?

„Mundduschen können lediglich bereits angelöste Zahnbeläge beseitigen. Gegen hartnäckige Plaque ist der Wasserstrahl machtlos. Deshalb eignen sie sich nicht als alleiniges Zahnputzmittel; sie sollten immer nur zusätzlich angewendet werden. Aber eine Munddusche kann den Mundinnenraum erfrischen, das Zahnfleisch massieren und so die Durchblutung fördern. Zudem befreit sie Zahnbett und Zahnfleisch von Keimen und beugt so Entzündungen vor. Träger von Zahnspangen und Zahnersatz profitieren von der Munddusche besonders, weil sie lästige Speisereste aus den schwer zugänglichen Stellen spült.“

Dr. Mirela-Oana Nilius, Zahnärztin, Spezialistin für Zahnästhetik (www.niliusklinik.de)

Was ist das Besondere an Schallzahnbürsten?

„Im Gegensatz zu den rotierenden Bewegungen der bekannten elektrischen Zahnbürste sendet die Schallzahnbürste Schwingungen aus, etwa 30 000–40 000 pro Minute. Das verursacht ein lauteres Geräusch, Anwender spüren ein Dröhnen oder Kitzeln. Halten Sie die Bürste einfach für 4–6 Sekunden an jeden Zahn, sie putzt ohne Druck und ohne zu schrubben. Wenn Sie zu fest andrücken, hört das Gerät auf zu schwingen, das schließt Anwendefehler praktisch aus. Die Schallzahnbürste eignet sich besonders bei sensiblem Zahnfleisch, bei eingeschränkter Motorik und zur Pflege von Implantaten. Schon auf dem Markt ist die nächste Generation: borstenlose Ultraschallzahnbürsten, bei denen überhaupt kein direkter mechanischer Reiz entsteht. Diese schonendste Variante verwandelt die Zahncreme zu Mikrobläschen, die im Platzen Beläge lösen.“

Michael Schaaf, Zahnarzt in Hamburg

Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Füllungsmaterialien?

„Kompositfüllungen aus Keramik-, Glas- und Quarzpartikeln werden im weichen Zustand direkt in den Zahn eingebracht, was kein vorheriges Anpassen im Labor erfordert. Die Kunststofffüllungen fallen im Gebiss kaum auf. Das Material härtet unter Speziallicht aus, wobei es schrumpft. Daher können in seltenen Fällen kleinste Lücken und folglich Karies entstehen. Gold- und Keramikinlays sind teurer. Das langlebige Gold ist gut verträglich, fällt aber auf. Keramikfüllungen halten kürzer, lassen sich aber kaum von echten Zähnen unterscheiden. Bei Amalgam herrscht Uneinigkeit: Es enthält Quecksilber, doch die Menge liegt weit unter den als gefährlich eingestuften Werten. Für Amalgam spricht die Haltbarkeit, und es wird als einzige Füllung von der gesetzlichen Kasse bezahlt.“

Dr. med. dent. Alexander Ilbag, Mitinhaber der Salierpraxis in Düsseldorf und Kempen

Ist das Reinigen der Zahnzwischenräume wirklich so wichtig?

„Die Zahnbürste allein erreicht die Zwischenräume nicht ausreichend. Deshalb gehört das Reinigen mit Zahnseide und Interdentalbürste zur täglichen Zahnpflege. Die Bürstchen empfehle ich bei größeren Zwischenräumen, für enge Bereiche eignet sich Zahnseide. Gewachst, ungewachst, ein- oder mehrfädig – das hängt von der eigenen Vorliebe ab. Einfach an beiden Seiten des Zahns jeweils ein paar-mal auf- und abziehen. Anfangs können kleine Verletzungen am Zahnfleisch auftreten, der schonende Umgang findet sich aber schnell mit etwas Übung. Ich erkläre meinen Patienten die Handhabung und kann dabei Gewohnheiten und Zustand der Zähne berücksichtigen.“

Dr. med. dent. Marc Hansen, Zahnarzt in Dortmund und Gutachter der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie

Tipps zur richtigen Zahnpflege
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Tipps zur richtigen Zahnpflege

Zahnschmelz schützen

Was kann ich für schöne, weiße Zähne tun, ohne den Zahnschmelz zu schädigen?

„Immer mehr Menschen legen großen Wert auf die Optik ihrer Zähne und achten deshalb verstärkt auf regelmäßige Kontrolltermine und professionelle Reinigung. Zusätzlich stehen innovative und schonende Methoden der Zahnkosmetik zur Verfügung: So hellt das Zoom-Bleaching beim Zahnarzt die Zähne um mehrere Nuancen auf, ohne die Schmelzschicht zu beeinträchtigen. Einzelne Verfärbungen, Risse und Abweichung in der Größe korrigieren hauchdünne Keramik-Verblendschalen (Veneers). Sie kleben auf der Zahnoberfläche, ohne deren Struktur anzugreifen.“

Dr. Thea Lingohr, Zahnärztin und Oralchirurgin aus Köln (Dr. Lingohr und Partner)

Fluorid in Zahncremes – ist das nicht giftig?

„Fluoridhaltige Zahnpasten stärken den Zahnschmelz und schützen die Zähne vor Karies und deren Folgen. Aber eine Über­dosierung kann gesundheitliche Schäden verursachen. Um das auszuschließen, erstellen wir bei Kindern vor einer zahn­medizinischen Behandlung eine Fluorid­anamnese. Für Kinder unter 6 Jahren sollte eine Zahnpasta nicht mehr als 500 mg pro Kilo (ppm) enthalten, für Erwachsene gilt ein Gehalt von 1500 ppm als sinnvoll.“

Dr. Christoph Sliwowski, Leiter Zahnimplantat-Klinik Düsseldorf, St. Vinzenz-Krankenhaus

Brauchen Zähne im Alter eine andere Pflege?

„Durch die natürliche Abnutzung nimmt die Stärke des schützenden Zahnschmelzes mit der Zeit ab, die Zähne werden schmerzempfind­licher und wirken dunkler, weil das Dentin durchschimmert. Gründ­ liche Zahnpflege, regelmäßige Kontrolltermine und häufige professio­nelle Zahnreinigung beugen Karies oder Parodontitis wirksam vor. Wenn hormonelle Einflüsse oder einzunehmende Medikamente die Speichelproduktion hemmen, steigt das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen. Gegenmaßnahme: aus­reichend trinken und Zahnpflegekaugummi kauen.“

Dr. Thomas Jung, Leiter der Dr. Jung Zahnklinik in Pfungstadt

Kann ich meine Zähne auch naturheilkundlich gesund erhalten?

„Aus dem Ayurveda stammt das Ölziehen: Sie spülen den Mundraum direkt nach dem Aufstehen für 15–20 Minuten mit kalt gepresstem Pflanzenöl – zum Beispiel Oliven­, Sonnenblumen­, Sesam­ oder Kokosöl. Durch seine antibakterielle Wirkung soll das Öl der Kariesvorsorge dienen, Mundgeruch be­kämpfen und das Zahn­fleisch stärken. Die Flüssigkeit gelangt in kleinste Bereiche des Mundraums, auch in die Zahnfleisch­ taschen, und spült dort karies­ und entzündungs­auslösende Bakterien fort. Im Anschluss mit Wasser spülen und dann die Zähne putzen. Tipp für Homöopathie­ Fans: Während Sie Globuli einnehmen, sollten Sie auf eine mentholfreie Zahn­creme umsteigen, denn ätherische Öle können die Wirkung der Präparate beeinträchtigen. Bei Schmerzen oder häufi­gem Zahnfleischbluten rate ich stets zu einem Termin beim Zahnarzt. Mit richti­ger Diagnose und Behand­lung bekommt er derlei Beschwerden in den Griff.“

Dr. Diana Svoboda, Leiterin der diPura Zahnklinik in Essen (www.dipura.de)

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