Verbreitung des Coronavirus Superspreader: Masseninfektionen durch wenige Einzelne

Nach neuen Erkenntnissen ergeben sich die meisten Coronainfektionen aus sogenannten Superspreader Events. Was dahinter steckt und warum es für die Pandemiebekämpfung eine gute Nachricht ist.

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Was sind Superspreader?

Ob es die Masseninfektionen infolge des Besuchs einer Après-Ski-Bar in Ischgl waren, die Karnevalsfeier im Kreis Heinsberg oder die aktuellen Vorfälle in Schlachthöfen: Gemeinsam haben diese Ereignisse nach neusten Erkenntnissen vermutlich den sogenannten Superspreader. Diese bezeichnet eine einzige mit Covid-19 infizierte Person, die unwissentlich sehr viele andere Menschen ansteckt.

Faktoren: Das macht ein Superspreading Event aus

Die Voraussetzungen dafür? Bei diesen Ereignissen sind viele Leute auf engem Raum zusammengekommen. Der luftgeschlossene Innenraum begünstigt die Ansteckung durch feinste, kleine Tröpfchen oder virenbeladene Aerosole. Diese können zum Beispiel durch lautes Sprechen auf Partys oder Singen in der Kirche entstehen. Nun befindet sich eine einzige hochansteckende Person inmitten dieser Menschenansammlung – und steckt unzählige andere an.

Dieses Zusammentreffen von verschiedenen Faktoren, auch Superspreading Event genannt, löst also massenhafte Infektionen aus, die vermutlich auf nur wenige infizierte Personen zurückgehen. Dieser Effekt wurde bei Covid-19 bisher von den Forschern nicht erwartet, da infizierte Personen schon vor den ersten Symptomen sehr ansteckend sind – man ging also davon aus, dass die Betroffenen die Krankheit relativ gleichmäßig verteilen.

Mehrheit der Ansteckungen gehen auf wenige Infizierte zurück

Anscheinend geht die Mehrheit der Ansteckungen aber doch auf Events mit den sogenannten Superspreadern zurück. Gemessen wird diese Rate an dem Dispersionsfaktor k. Er bezeichnet die Streuung der Krankheit – für Covid-19 ist dieser noch nicht abschließend bestimmt. Jedoch gehen Experten von einer großen bis mittegroßen Streuung aus. Ergebnisse einer chinesischen Studie lassen vermuten, dass nur 20 Prozent aller Erkrankten für ganze 80 Prozent der Infektionen sorgen.

Gute Nachricht im Kampf gegen Corona

Für die Eindämmung von Corona ist das eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass nicht alle Menschen gleichermaßen in jeder Situation im Auge behalten werden müssen, sondern vor allem die Superspreading Events unter Kontrolle gebracht werden müssen.
Das Problem: Der Infizierte lässt sich nach wie vor kaum ausmachen – vor Symptomauftritt bemerkt man die Krankheit kaum. Jedoch lassen sich die anderen Faktoren der Superspreading Events kontrollieren. Unübersichtliche Großveranstaltungen, zu wenig Mindestabstand, geschlossene Räume und ähnliches sollten unter diesen Umständen unbedingt weiterhin unterlassen werden.
Ebenfalls essentiell: Sofort alle Kontaktpersonen nachvollziehen und isolieren. Das Warten auf Testergebnisse dauert zu lange und könnte in der Zwischenzeit weitere Infektionen hervorrufen.

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Superspreading Events kontrollieren

Eine ähnliche Strategie verfolgt Japan im Kampf gegen das Coronavirus. Dort wurde auf einen harten Lockdown verzichtet, das Augenmerk dafür auf die sogenannten Superspreading Events gerichtet. Außerdem wurden hier konsequent Kontaktpersonen ausgemacht und isoliert. Das Ergebnis: Langsam aber beständig sinkende Infektionszahlen.

Der Virologe Christian Drosten schätzt die Lage unter diesen Umständen im NDR-Podcast inzwischen positiver ein. Er ist optimistisch, dass wir bei konsequenter Verfolgung dieser Maßnahmen einer zweiten, tödlichen Welle entgehen könnten.

Quellen: Tagesschau, NDR, WDR

Datum: 02.06.2020
Autor: Silva Oldenburg

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