Erneute Infektionen Immunität nach Coronavirus – Wie lange schützen Antikörper?

Das Coronavirus verbreitet sich aufgrund der leichten Infektionswege noch immer. Immer häufiger gibt es Meldungen, dass Personen sich ein zweites Mal mit dem Virus infiziert haben. Sind also nicht alle Menschen nach ihrer Genesung immun?

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Das Virus scheint stabil

Viren haben so ihre Tücken: Ein häufiges Problem ist ihre starke und schnelle Veränderung. Etwa bei Influenzaviren, die jede Saison so mutieren, dass die Grippe aus dem letzten Winter keine Immunität bringt. Auch das HI-Virus verändert sich extrem stark, sodass die Entwicklung eines Impfstoffes nahezu unmöglich ist.
 
Das Gute an dem aktuellen Coronavirus? Es scheint nach jetzigem Kenntnisstand relativ stabil zu sein. Trotz der weltweiten Verbreitung über hunderttausende Menschen konnten bisher nur minimale Veränderungen des Sars-CoV-2 Virus festgestellt werden. Das gibt Hoffnung: Denn es würde bedeuten, dass ein zukünftiger Impfstoff jahre- oder gar lebenslange Immunität bringen könnte, ähnlich wie bei Masern, Keuchhusten oder Röteln. Heißt aber auch, dass der neue Virus endemisch und fortan bestehen wird.
 

Coronavirus: Immunität nach Genesung?

Zuversichtlich stimmt uns auch eine kleine Studie aus China, die zwar nicht repräsentativ ist, aber bisherige Vermutung bestätigt. Dort wurden vier Rhesusaffen auf ihre Immunität mit dem Coronavirus untersucht. Die Tiere wurden mit Sars-CoV-2 angesteckt und vier Wochen nach ihrer Genesung erneut infiziert. Das Ergebnis: Die Affen waren immun, es konnten keine Viren erneut in ihrem Blut nachgewiesen werden. Da die Immunologie von Mensch und Rhesusaffe sehr ähnlich ist, könnte dieses Szenario auch für Menschen gelten. Diese Theorie ist allerdings bisher nur eine Bekräftigung der Vermutungen und noch nicht repräsentativ bestätigt.

Antikörper schützen laut Studie wohl nur wenige Monate

Eine weitere, erst vor kurzem veröffentlichte Studie, des Imperial College London mit dem Marktforschungsunternehmen Ipsos MORI hat 365.000 zufällige Personen auf Antikörper untersucht. Dafür wurden ihnen Finger-Bluttests nach Hause geschickt, die 12, 18 und 24 Wochen nach dem ersten Höhepunkt der Infektionszahlen im März 2020 durchgeführt wurden. Nach drei Monaten wiesen nur 6 Prozent der Teilnehmer Antikörper auf, nach 6 Monaten waren es nur noch 4,4 Prozent. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass die Immunität nachlässt. Problematisch an dieser Studie ist jedoch die Durchführung. Die Proben wurden nicht immer wieder von derselben Person entnommen, sondern im Laufe der Zeit von verschiedenen Menschen. So ist es möglich, dass Menschen mit dem Coronavirus, z. B. in der letzten Messung unterrepräsentiert waren.

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Antikörperbildung nach Genesung von Covid-19

Fest steht: Nach einer Erkrankung mit dem Coronavirus bilden sich Antikörper. Unklar ist allerdings, wie lange diese gegen Sars-CoV-2 erhalten bleiben und wie sehr sich die Immunreaktionen von Mensch zu Mensch unterscheiden. Hinweise hierauf gibt das eng verwandte Virus Sars-CoV-1, welches Anfang der 2000er ausbrach. Die von genesenen Menschen gebildeten Antikörper hierauf konnten auch nach bis zu fünf Jahren noch nachgewiesen werden. Auch dies bestärkt die Hoffnung, dass sich eine jahrelange Immunität nach der Genesung von Covid-19 bilden könnte. Entscheidend ist auch, dass sich ehemals Infizierte auch weiterhin an die Hygiene- und Abstandsregeln halten müssen.

Ist eine erneute Infektion dennoch möglich?

Schon häufiger vermeldeten Länder, Städte und Landkreise, dass es Patienten gab, die sich erneut mit dem Coronavirus infizierten. Wie es zu einer zweiten Infektion mit dem Coronavirus kommen konnte, ist bisher noch unklar. Einerseits gehen Experten davon aus, dass das Virus nach einer überstandenen Infektion auch noch länger im Körper nachweisbar ist und die Coronatests empfindlich bzw. auf die abgestorbenen Viruspartikel reagieren.
 
Andererseits kann es jedoch möglich sein, dass Antikörper nur eine kurze Zeit im Körper verbleiben, sodass es schneller zu einer erneuten Ansteckung kommt. Forscher hatten bei einigen Patienten mit milden Verläufen bereits nach drei bis sieben Wochen keine Antikörper im Blut nachweisen können. Die Antikörper könnten dem Virus bei einer erneuten Infektion Zutritt zu anderen Zellen erlauben oder die Zellen so aktivieren, dass es zu einer verstärkten Entzündungsreaktion und somit zu einem schwereren Krankheitsverlauf kommt.

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Datum: 28.10.2020
Autorinnen: Silva Oldenburg/Christina Liersch

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