Voraussetzungen und Vorteile Schwerbehindertenausweis – habe ich einen Anspruch?

Jemand, der als schwerbehindert gilt, muss nicht zwangsweise im Rollstuhl sitzen oder eine geistige Behinderung haben. Wer Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis hat und welche Vorteile er bringt, erklären wir hier.

Schwerbehindertenausweis

Laut Statistischem Bundesamt leben (Stand: 2017) in Deutschland rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen. Es dürften jedoch mehr sein, da viele Betroffene gar nicht wissen, dass auch sie schwerbehindert sind. Tatsächlich ist es so, dass auch chronische Krankheiten unter bestimmten Voraussetzungen als Schwerbehinderung gelten.

 

Was ist der Schwerbehindertenausweis?

Der Ausweis ist ein bundesweit einheitlicher Nachweis über den Status der Schwerbehinderung. Auf dem grünen Ausweis sind der Grad der Behinderung (GdB) und eventuelle Merkzeichen bzw. die Dauer der Gültigkeit abgebildet. Mit einem Schwerbehindertenausweis kann man sich gegenüber Arbeitgebern, Sozialdienstleistungsträgern, Behörden und dergleichen ausweisen, z. B. um Nachteilsausgleiche und Rechte in Anspruch zu nehmen. Die Merkzeichen "G", "aG", "H", "BI" und "GI" gehen mit einem orangefarbenen Flächenaufdruck einher. Dieser ermöglicht die unentgeltliche Beförderung im Personennahverkehr
 

Ab wann gilt man als schwerbehindert?

Wer als schwerbehindert gilt, ist im Sozialrecht definiert. Grundsätzlich liegt eine Behinderung vor, wenn jemand eine oder mehrere Beeinträchtigungen hat, die länger als sechs Monate anhalten. Ebenso ist die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gehindert. Beträgt der Grad, also die Schwere, der Behinderung 50 und mehr, spricht man von einer Schwerbehinderung. Darunter fallen sowohl körperliche als auch psychische Krankheiten. Im Prinzip kann jede Erkrankung unter Schwerbehinderung fallen.

 

Tipps: Schwerbehindertenausweis beantragen

  1. Den Antrag stellen
    Um einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten, muss ein Antrag auf Feststellung des Grades der Behinderung gestellt werden. Dies ist beim zuständigen Versorgungsamt bzw. der nach Landesrecht zuständigen Behörde möglich.
     
  2. Wichtige Dokumente sammeln
    Suchen Sie Unterlagen und Dokumente zusammen, die Ihre Behinderung begründen. Das können z. B. Befunde/Gutachten von Ärzten, Dokumente über Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte, EKG- oder Laborberichte sein. Ebenso wie amtliche Gutachten der Kranken- und Pflegekassen, Dokumente von Berufskrankheiten, Arbeitsunfällen, sowie Kriegs-, Wehrdienst- oder Zivildienstbeschädigung.
     
  3. Den richtigen Antrag auswählen
    Schauen Sie auf den Homepages Ihres Wohnortes oder über Suchmaschinen nach den genauen Anträgen. Dort finden Sie auch die genaue Anschrift und die Kontaktdaten des zuständigen Versorgungsamtes.
     
  4. Den Ausweis erhalten und verlängern
    Innerhalb von drei bis sieben Wochen wird über den Antrag entschieden. Bei einem positiven Bescheid wird Ihnen der Ausweis in Form einer Scheckkarte ausgehändigt. Dieser Ausweis ist fünf Jahre gültig und muss drei Monate vor Ablauf verlängert werden. Auch muss der Ausweis verändert werden, wenn sich Ihr Gesundheitszustand ändert. In diesem Fall ist die Anpassung des Grades der Behinderung notwendig.
     

Vorteile eines Schwerbehindertenausweises

Mit einem Schwerbehindertenausweis ergeben sich Möglichkeiten wie:
  • Steuerfreibetrag
  • früherer Renteneintritt (Voraussetzung sind 35 Jahre Einzahlung in die Rentenversicherung)
  • 5 zusätzliche Urlaubstage pro Kalenderjahr
  • Hilfe zur Erhaltung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes
  • begleitende Hilfe im Arbeitsleben
  • Freistellung von Mehrarbeit
  • erhöhter Kündigungsschutz
  • bei Mobilitätsbehinderungen: kostenloses Bus- und Bahnfahren
  • Vergünstigungen bei Kultur- und Freizeitveranstaltungen
  • je nach GdB oder GdS Freibeträge beim Wohngeld
Datum: 22.07.2020

Autor: Christina Liersch