Geplantes Gesetz Wer soll Organe spenden?

Soll bald jeder Organspender sein, wenn nicht ausdrücklich widersprochen wird? So sieht es der neue Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn und dem SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor. Doch die Meinungen gehen auseinander.

Organspendeausweis

Worum geht's eigentlich?

Aktuell warten in Deutschland etwa 9400 Menschen auf ein Spenderorgan. Doch viele von ihnen werden vergebens warten, da es hierzulande zu wenig Organspender gibt. Statistiken zeigen, dass in Deutschland täglich drei Menschen sterben, da sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Organ bekommen. Daher fordert Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seit Monaten eine Widerspruchslösung, nach der jeder Organsspender ist, wenn er zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Nun haben Spahn und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ihren Gesetzesentwurf erarbeitet und vorgestellt.

Was besagt der Gesetzesentwurf?

  • Jeder Bürger in Deutschland ab 18 Jahren soll ausführlich über Organspende informiert und als Spender registriert werden. Wer kein Spender sein möchte, muss dem widersprechen. Die Zustimmung bzw. der Widerspruch soll in einem bundesweiten Register festgehalten werden, welches von den Betroffenen jederzeit bearbeitet werden kann.
  • Im Zweifel sollen Angehörige über eine Organspende entscheiden dürfen, wenn sie beweisen können, dass der Betroffene nicht spenden wollte.
  • Organspender sollen im Register vermerkt werden.

Kritische Stimmen

Zu dem Gesetzesentwurf gibt es auch Gegenstimmen. So sei es grundgesetzwidrig, Bürger automatisch zu Organspendern zu machen, ohne dass sie zugestimmt hätten und es nur dann nicht sind, wenn sie widersprächen. Ebenso sei das Thema Organspende eine persönliche Frage, die jedem selbst überlassen werden solle. Ethisch gesehen ist die Organspende eines der größten Geschenke, die eine Person nach seinem Tod einer anderen Person machen kann. Dieses Geschenk sei jedoch nicht zu erzwingen.

3 Gründe für die Organspende

  • Etwa 10.000 Personen warten auf ein Spenderorgan.
  • Täglich sterben im Durchschnitt drei Personen, da sie vergebens auf ein Spenderorgan warten.
  • Das 1997 in Kraft getretene Transplantationsgesetz regelt Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen, die nach dem Tode oer zu Lebzeiten gespendet werden. Angst vor Missbrauch ist daher unbegründet.

3 Gründe gegen die Organspende

  • Gegner der Organspende befürchten, dass mit dem Organhandel Missbrauch betrieben werden könnte. In der Vergangenheit gab es Manipulationen von Patientenakten und Wartelisten.
  • Bei manchen stellt sich ein Unwohlsein bei dem Gedanken ein, dass nach dem Tod die Organe entnommen werden.
  • Religiöse und ethische Gründe

Wie läuft eine Organspende ab?

Todfeststellung
Ist das Gehirn so stark geschädigt, dass keine Heilung mehr erfolgt, spricht man vom Hirntod. Anhand strikter Richtlinien der Bundesärztekammer wird die Hirntod-Diagnostik geprüft. Ist der Patient verstorben, muss geklärt werden, ob er zu Lebzeiten eine Entscheidung über Organspende getroffen hat. Liegt keine schriftliche Entscheidung vor, z.B. durch einen Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung, müssen Angehörige entscheiden.

Zustimmung und Entnahme
Ist der Hirntod festgestellt, der Spender an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeldet und wurde der Spende zugestimmt, werden Blutgruppe und Gewebemerkmale bestimmt, sowie Infektionen und Erkrankungen ausgeschlossen. Die Ergebnisse werden an die Stiftung Eurotransplant gegeben, die Spenderorgane aus acht europäischen Staaten zusammenführt. 
In einem Operationssaal werden mit chirurgischer Sorgfalt die Organe von dem Arzt, der den Hirntod festgestellt hat, entnommen. Es wird entschieden, ob die Organe zur Transplantation geeignet sind. Sie werden anschließend zum jeweiligen Transplantationszentrum gebracht, wo Organempfänger auf die Transplantation vorbereitet werden. Der Arzt, der zuvor das Organ entnommen hat, transplantiert dieses wieder. 
Nach der Organentnahme wird der Leichnam des/der Organspenders/in in würdenvollem Zustand übergeben, sodass Angehörige Abschied nehmen können.

Nachsorge
Ein Organempfänger ist grundsätzlich sein Leben lang auf die Nachsorge angewiesen, da der Körper das Organ auch abstoßen kann. Um das zu verhindern müssen Organempfänger Medikamente, sogenannte Immunsuppressiva, nehmen. Die richtige Dosierung und das Auftreten von Nebenwirkungen müssen regelmäßig überprüft werden. Nach einer gewissen zeit genügt es, einmal im Jahr zur Nachsorge zu gehen. Betroffene können nach einer Spende häufig ohne Einschränkungen in den Alltag zurückkehren, den Beruf weiter ausüben, Sport treiben oder in den Urlaub fahren. Jedoch ist die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten erhöht, da die Immunsuppressiva das Immunsystem schwächen. Auf eine besondere Hygiene sollte dementsprechend geachtet werden.

Autor: Christina Liersch