Infektionsschutzgesetz in Deutschland Krankheiten, die der Meldepflicht unterliegen

Welche Krankheiten sind meldepflichtig und welchen Unterschied gibt es zwischen namentlicher und nicht-namentlicher Meldung?

Masern

Einige Erkrankungen müssen an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden und unterliegen gesetzlichen Bestimmungen. Damit soll die Weiterverbreitung von übertragbaren Krankheiten so früh wie möglich verhindert werden.

Das Infektionsschutzgesetz IfSG gilt in Deutschland

Im 3. Abschnitt des Infektionsschutzgesetzes finden sich die detaillierten Angaben zu den meldepflichtigen Erkrankungen bei Menschen in Deutschland. Unter den Begriff fallen bestimmte übertragbare Infektionen, die bei Verdacht einer Infektion, dem Nachweis des Erregers, der Erkrankung oder dem Tod eines Patienten an das Gesundheitsamt oder die entsprechende Gesundheitsbehörde gemeldet werden. Unterschieden wird zwischen einer namentlichen und einer nichtnamentlichen Meldung. Das Infektionsschutzgesetz der Bundesrepublik regelt auch, wer die Meldung auslösen muss und welche Folgen die Meldung in Bezug auf Aufenthalt und Arbeitsfähigkeit für die Patienten hat. Einen wichtigen Beitrag leistet die Information und Aufklärung der Allgemeinheit über die Gefahren von übertragbaren Krankheiten und wie man sich vor der Infektion schützen kann. Das Robert Koch-Institut ist die zuständige Stelle für die Auswertung der Daten und erstellt daraus vorbeugende Maßnahmen für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung.

Welche Krankheiten sind meldepflichtig?

Infektionskrankheiten sind so alt wie der Mensch, zumindest beinahe. Weltweit gehören sie seit Jahren unangefochten zur Nummer 1 der Todesursachen. In den Paragraphen 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes sind alle Krankheiten aufgeführt, die im Falle eines Nachweises, dem Verdacht oder der bestätigten Erkrankungen, sowie dem Tod eines Patienten gemeldet werden müssen.

Eine Übersicht der namentlichen meldepflichtigen Erkrankungen:

  • Botulismus, Cholera und Diphterie
  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Enzephalopathie
  • Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Keuchhusten (Pertussis)
  • Pest, Tollwut, Thypus und Paratyphus
  • Hepatitis, Milzbrand, Hämorrhagisches Fieber und enteropathisches hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)
  • Polio (Kinderlähmung), Meningokokken-Meningitis
  • Erkrankung und Tod einer nicht nachgewiesenen aber behandlungsbedürftigen bakteriologischen Tuberkulose
  • Verdacht oder Erkrankung bei Lebensmittelvergiftungen oder infektiöse Gastroenteritis
  • Verletzung des Menschen durch ein möglicherweise tollwutkrankes Tier oder einen Kadaver

Die meldepflichtigen Krankheiten werden vor allem nach ihren Krankheitserregern kategorisiert. Viele Viren sind bekannt für ihre schwerwiegenden Erkrankungen, die häufig zum Tod führen. Bekannt sind vor allem der Ebolavirus, die Hepatitis-Viren, Hantaviren, Influenzaviren, das Lassavirus, der Zoster-Virus oder Salmonellen. Es gibt auch noch Krankheitserreger, deren Nachweis nicht namentlich an die zuständigen Gesundheitsbehörden gemeldet werden müssen. Dazu gehören die Erreger von Syphilis, der HI-Virus, einige Bandwürmer und das Malaria-Virus.

Wer ist zur Meldung verpflichtet?

Das Gesetz regelt, wer das Auftreten oder den Verdacht von Infektionen melden muss. Dazu gehören vor allem neben dem feststellenden Arzt, die Angehörigen der Heil- und Pflegeberufe, Beschäftigte in Laboren, Leiter von Justizvollzugsanstalten und das Personal von Not- und Rettungsdiensten. Die Daten zu meldepflichtigen Krankheiten und Nachweisen von Krankheitserregern werden von den Gesundheitsbehörden an die zuständige Landesbehörde weitergeleitet und von dort dem Robert Koch-Institut übermittelt. Die Daten enthalten bei den namentlichen Meldungen neben Name, Vorname, Geschlecht und Geburtsdatum, den Tag der Erkrankungen und der Diagnose sowie der wahrscheinliche Infektionsweg. Die komplette Adresse wird benötigt und weitere Kontaktdaten. Dazu der Landkreis oder die kreisfreie Stadt, in der die Infektion wahrscheinlich erfolgte. Liegt eine reiseassoziierte Legionellose vor, muss auch der Name und Anschrift der Unterkunft des Patienten übermittelt werden. Bei Tuberkulose, Hepatitis B und C werden zusätzlich Geburtststaat, Staatsangehörigkeit und ggf. das Jahr der Einreise nach Deutschland benötigt. Eine wichtige Angabe ist auch die Frage, ob der Erkrankte Spender für eine Blut-, Organ,- Gewebe- oder Zellspende in den letzten sechs Monaten vor der Infektion war. Damit sollen weitere Ansteckungswege aufgespürt und rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden können.

Ständige Impfkommission im Robert Koch-Institut

Im Robert Koch-Institut werden durch die ständige Impfkommission Empfehlungen an die Regierung ausgesprochen, um Schutzimpfungen oder andere Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung von infektiösen Krankheiten in Deutschland durchführen zu lassen. Die öffentlichen Empfehlungen für Schutzimpfungen gelten beispielsweise bei der Grippeschutzimpfung oder der Prophylaxe für Risikogruppen. Durch die obersten Landesgesundheitsbehörden kann angeordnet werden, dass die Gesundheitsämter diese Schutzimpfungen und Präventivmaßnahmen kostenlos durchführen. Basierend auf dem Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit kann entschieden werden, welche Bevölkerungsgruppe an den unentgeltlichen Maßnahmen teilzunehmen hat. Das gilt vor allem bei der Verhinderung von epidemischen Verbreitungen. In diesem Rahmen kann auch die Quarantäne eines Patienten angeordnet werden. Vor allem die Pest, Cholera, das Gelbfieber und die inzwischen als ausgerottet geltenden Pocken kommen in Deutschland zwar nur selten vor, führen aber zu einer gefahrenabwehrrechtlichen Quarantäne mit besonderen Isolierungsmaßnahmen. Dies kann auch gegen den Willen einer Person geschehen.

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