Hämorrhoidal-Leiden Hämorrhoiden: Symptome, Ursachen und Behandlung

Zugegeben, niemand behauptet, das sei sein Lieblingsthema. Dabei fänden sich genug Gesprächspartner: Immerhin betreffen Hämorrhoidalleiden jeden Zweiten in Deutschland. Drei Experten sprechen, wo andere gern schweigen.

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Die typischen Symptome

Dr. Schönenberg: "Zunächst einmal: Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Diese ringförmigen Gefäßpolster im Ausgangsbereich des Enddarms haben eine wichtige Funktion. Sie dienen der Abdichtung, um den Stuhl zu halten. Und sind verantwortlich für das Empfinden, den Darm komplett entleert zu haben oder nicht. Beim Stuhlgang werden die mit Blut gefüllten Polster kleiner, damit der Stuhl passieren kann. Erst wenn dieser natürliche Reflex gestört ist, wenn sich die Hämorrhoiden nicht mehr zurückziehen, kommt es zum Leiden mit Symptomen wie Blutungen, Juckreiz, Brennen, Nachschmieren, Nässen und Schmerzen. Ein weiteres Anzeichen ist das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleert zu haben."

Ursachen für Hämorrhoiden

VITAL: Was kann diesen harmonischen Prozess stören?

Bei Frauen spielen Schwangerschaft und Entbindung eine Rolle, auch gynäkologische Probleme durch einen schwachen Beckenboden. Häufigste Ursache: Sich nicht genug Zeit für den Toilettengang nehmen und stattdessen Druck ausüben, pressen. Genauso ungünstig ist stundenlanges Sitzen auf dem WC. Viele gehen gegen den natürlichen Impuls an. Das führt nicht sofort, aber über Jahre hinweg zu einem Hämorrhoidalleiden. Auch sitzende Tätigkeiten, Übergewicht, eine Ballaststoff arme Ernährung und mangelnde Bewegung fördern es.

Was tue ich, wenn ich Symptome bei mir beobachte?

Gehen Sie zu einem Arzt mit der Zusatzbezeichnung Proktologe. Er wird Sie untersuchen und dann entscheiden, welche Art der Therapie sinnvoll ist. Bei Blut im Stuhl sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn die Beschwerden können weitere Ursachen haben, hinter denen andere Krankheiten stecken, schlimmstenfalls Krebs. Eine endgültige Diagnose kann allerdings immer erst nach ausführlicher Untersuchung gestellt werden.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Zunächst kann man die Krankheit von außen auf natürlichem Wege mit Salben und Zäpfchen mit abschwellender Wirkung behandeln. Diese können die Beschwerden des Hämorrhoidalleidens erheblich lindern. Im schlimmeren Stadium ist die nächste Stufe das Veröden. Dabei wird ein Medikament neben die Vergrößerung gespritzt, das führt zu einer Schrumpfung. Dann kann bei einer Enddarmspiegelung mit einem speziellen Instrument, das überflüssiges Gewebe einsaugt, die Hämorrhoide abgebunden werden. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Denn die Hämorrhoiden liegen oberhalb vom schmerzempfindlichen Gewebe des Patienten. Als letzte Maßnahme kommt ein chirurgischer Eingriff, also das operative Entfernen infrage. Doch nach meiner Erfahrung ist das nur in zehn Prozent der Fälle nötig.

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Quelle: Vital, Ausgabe 04/2013