Abwehrkraft auf Abwegen Autoimmunerkrankungen: Wenn das Immunsystem zum Feind wird

Der Feind im eigenen Körper – das ist für viele Menschen bittere Realität. Zwischen fünf und acht Prozent der Bevölkerung sind von Autoimmunerkrankungen betroffen, wobei sich das Immunsystem gegen den eigenen Organismus wendet. Frauen sind dabei weitaus häufiger betroffen. Doch wie kommt es dazu und welche Möglichkeiten gibt es für Mediziner und Betroffene, mit Krankheit und Symptome umzugehen?

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Wie funktioniert das Immunsystem?

Täglich kommt der menschliche Körper mit unzähligen Eindringlingen und Fremdstoffen in Kontakt. Manche sind potenziell gefährlich wie bestimmte Viren und Bakterien, manche sind harmlos wie Blütenpollen oder Nahrungsmittel. Die Aufgabe des Immunsystems liegt in der Unterscheidung dieser Kontaktstoffe: Es erkennt, von welchen dabei eine Bedrohung ausgeht und bekämpft diese effektiv.

Aufgaben des Immunsystems

So komplex die Umwelt ist, in der wir uns bewegen, so komplex sind auch die Struktur und die Aufgaben des Immunsystems. Seine Organe und Zellen haben die generelle Aufgabe, Krankheitserreger zu erkennen und aus dem Organismus zu beseitigen. Dabei kann das System allerdings nicht allein auf Evolution setzen, sondern muss zwei Qualitäten kontinuierlich entwickeln:
  1. Erinnerungsfunktion
    Zwar besitzt der Mensch ab der Geburt die Fähigkeit, Krankheitserregern mit einer Immunantwort zu begegnen, doch mutieren Viren und Bakterien in unserer Umgebung so schnell, dass wir darauf angewiesen sind, unser Immunsystem flexibel zu trainieren. Die Immunzellen müssen sich nach Kontakt mit einem Erreger an dessen Struktur erinnern, um ihn in Zukunft schneller abwehren zu können.
     
  2. Toleranz
    Der Prozess des Unterscheidens ist von besonderer Bedeutung: Genauso wichtig wie das Identifizieren von Krankheitserregern ist für ein funktionierendes Immunsystem das Erkennen von ungefährlichen Stoffen. Immunzellen, insbesondere die T-Zellen, müssen eine zentrale Toleranz gegenüber körpereigenen Strukturen entwickeln. Reagieren sie zu stark auf das eigene Gewebe, sortiert das Immunsystem die Zellen aus. 
Genauso wichtig ist eine periphere Toleranz in Körperregionen, die häufig mit Fremdstoffen in Kontakt kommen oder mit ungefährlichen Bakterien besiedelt sind, wie die Darmschleimhaut und die Haut.

Weitere Aufgaben des Immunsystems

Neben der Abwehr von Krankheitserregern hilft das Immunsystem auch in anderen Notfallsituationen. Zieht sich ein Mensch beispielsweise eine mechanische Verletzung zu oder ist chemischen Reizen ausgesetzt, reagiert das Immunsystem mit seiner generellen Abwehrreaktion: der Entzündung. 

Die Bereiche des Immunsystems 

Unter dem Begriff „Immunsystem“ werden mehrere Organe und Zelltypen zusammengefasst. Grundlegend unterscheiden Mediziner zuerst zwischen dem angeborenen und erworbenen Immunsystem:

  1. Das angeborene Immunsystem
    Mit ihm bekämpft der Körper von Geburt an Fremdkörper und Krankheitserreger. Es handelt sich jedoch nicht um eine spezifische, sondern eine generelle Abwehrstrategie. Dazu gehören Immunzellen wie die Granulozyten, die Makrophagen und die natürlichen Killerzellen. Sie sind in der Lage, in Gewebe einzuwandern, und Keime durch aggressive Stoffe unschädlich zu machen oder zu fressen. 
    Zum angeborenen Immunsystem gehören außerdem die humoralen Bestandteile. Hierbei handelt es sich um Plasmaproteine, die im Blut zirkulieren und nicht aktiv zu betroffenen Körperstellen wandern können.
     
  2. Das erworbene (adaptive) Immunsystem
    Bestimmte Zellen des Immunsystems sind in der Lage zu lernen. Sie identifizieren charakteristische Strukturen von Krankheitserregern, die sogenannten Antigene. Anschließend präsentieren sie diese Antigene weiteren Zellen, die sie entweder direkt bekämpfen oder Antikörper produzieren, die Antigene neutralisieren. 
    Zum erworbenen Immunsystem zählen die antigenpräsentierenden Zellen (dendritische Zellen, Monozyten, Makrophagen), die T-Zellen, welche Krankheitserreger nach Kontakt direkt bekämpfen können, sowie die B-Zellen, die Antikörper herstellen können. 

Organe des Immunsystems: Fast der gesamte Körper ist beteiligt

Die meisten Zellen des Immunsystems sind weiße Blutkörperchen und zirkulieren im Gefäßsystem und im Gewebe. Doch zum Immunsystem gehören auch Organe, die Barrierefunktionen oder andere wichtige Rollen im Immunsystem übernehmen.
  • Augen: Sie transportieren Eindringlinge über die Tränenflüssigkeit ab, wobei das Enzym Lysozym antimikrobiell wirkt.
     
  • Darm: Ganze 400 Quadratmeter würde die Darmschleimhaut umfassen, wenn man ihre Oberfläche ausbreiten würde. Als größtes Organ und Nahrungsverwerter kommt der menschliche Darm mit vielen Fremd-Organismen in Kontakt. Daher überrascht es nicht, dass sich rund 60 Prozent aller Abwehrzellen im Immunsystem des Darms bewegen. 
     
  • Gaumen- und Rachenmandeln: Sie spielen die Rolle eines „Türstehers“, insbesondere für Erreger, die über die Atemwege in den Organismus gelangen. 
     
  • Haut und Schleimhäute: Mit ihrem Säureschutzmantel hat die Haut eine wichtige Barrierefunktion für den Organismus. Im intakten Zustand lässt sie weder Viren noch Bakterien passieren.
     
  • Knochenmark: Im Knochenmark entstehen weiße und rote Blutkörperchen. Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) differenzieren sich wiederum in verschiedene Typen von Immunzellen. Besonders wichtig sind die B- und T-Zellen, die unter anderem ein Gedächtnis für Krankheitserreger entwickeln können.
     
  • Lymphsystem: Das menschliche Lymphsystem transportiert tote Erreger und entartete Zellen ab, nachdem sie von Immunzellen unschädlich gemacht wurden. Dazu filtert es kontinuierlich das Gewebswasser, die sogenannte Lymphe.
     
  • Magen: Krankheitserreger, die den Magen passieren müssen, haben wenig Chancen. Denn die Salzsäure und die Eiweißabbauenden Enzyme, die hier Nahrungsmittel zersetzen, zerstören auch Bakterien und Mikroorganismen.
     
  • Milz: Dieses Organ reguliert verschiedene Typen von Immunzellen. Die Milz vermehrt Abwehrzellen (Lymphozyten), speichert Fresszellen (Monozyten) und recycelt rote Blutkörperchen.
     
  • Thymus: Die Thymusdrüse trainiert mit den T-Zellen des Immunsystems, körpereigene von fremden Substanzen zu unterscheiden. Dies ist wichtig für die Entwicklung einer generellen Toleranz des Immunsystems.

Funktionsweise des Immunsystems

Die komplexe Funktionsweise des (erworbenen) Immunsystems lässt sich in wenigen Schritten zusammenfassen:
  1. Identifikation eines unbekannten Erregers
    Dringt ein noch unbekannter Erreger in den Körper ein, wird er von speziellen Immunzellen, den dendritischen Zellen, absorbiert und zerlegt.
     
  2. Aktivierung der T-Zellen
    Im zweiten Schritt übermitteln sie Informationen der Erreger-Struktur an die T-Zellen. Sie können ein Gedächtnis für Krankheitserreger entwickeln, sie aufspüren aber auch direkt bekämpfen (als T-Killerzellen).
     
  3. Aktivierung der B-Zellen
    Von den T-Zellen aktivierte B-Zellen wiederum bilden spezifische Moleküle (Antikörper), die sich an die Hülle der Erreger heften und diese unschädlich machen können.
     
  4. Ausschüttung von Entzündungshormonen
    Gleichzeitig werden bei einer Immunantwort des Körpers entzündungsfördernde Hormone ausgeschüttet. Sie sorgen dafür, dass die betreffende Körperregion stärker durchblutet ist und dass die Gefäße für Blutplasma durchlässiger werden. Dieser Mechanismus erleichtert den Immunzellen den Zugang, während auch der Abtransport von Krankheitserregern effizienter wird. 
    Als Symptome der Immunantwort entstehen auf diese Weise Rötungen, Schwellungen und Schmerzen, zum Beispiel von Mandeln, Schleimhäuten oder Hautpartien.

Was ist eine Autoimmunerkrankung und wie entsteht sie?

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet – doch wie ist das möglich? Eigentlich sortiert der Körper Immunzellen aus, die sich gegen eigene Strukturen richten. Doch das passiert nicht ohne Ausnahme, denn eben jene autoreaktiven Zellen können in speziellen Situationen nützlich sein. Zum Beispiel als regulatorische T-Zellen, die sich ihrerseits gegen andere Immunzellen richten und damit eine überschießende Immunreaktion dämpfen. 
 
Auch T-Zellen, die nur schwach auf körpereigene Zellen reagieren, vernichtet das Immunsystem nicht, da bei einer zu strengen Auswahl auch die Fähigkeit verloren ginge, bestimmte Krankheiten zu erkennen. Das Immunsystem befindet sich also in einer stetigen Balance zwischen Reaktion und Toleranz. 
 
Überwinden autoreaktive Zellen allerdings die Schutzmechanismen, können sich vermehren und weitere Teile des Immunsystems herbeirufen, entstehen Autoimmunerkrankungen mit entsprechenden Symptomen.
 
Unterscheidung zwischen organspezifischen und systemischen Autoimmunerkrankungen
In vielen Fällen richtet sich die Reaktion von autoreaktiven Immunzellen gegen spezifische Zellen und Organe. Bekannte Beispiele sind die Folgenden:
  • Typ-A-Gastritis: Hier bilden autoreaktive Immunzellen Antikörper gegen die Belegzellen, die Magensäure produzieren. Es folgt eine Entzündungsreaktion und eine Gewebevermehrung in der Magenschleimhaut. Da die zerstörten Belegzellen auch Proteine produzieren, die der Körper für die Aufnahme von Vitamin B 12 benötigt, ist ein Vitamin-B-12-Mangel, der zu schweren neurologischen Schäden führen kann, die Folge dieser Autoimmunerkrankung.
     
  • Diabetes Typ I: Bei dieser Krankheit zerstören Immunzellen die Betazellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse. Normalerweise sind diese Zellen für die Produktion von Insulin zuständig. Fehlt dieses Hormon, kommt es zu Symptomen wie Blutzuckeranstieg, Nährstoffverlust, Organschädigungen und der Gefahr eines Komas durch Ketoazidose. Typ-I-Diabetiker sind deshalb ständig auf Insulingaben von außen angewiesen.
     
  • Hashimoto-Thyreoiditis: Im Verlauf dieser Krankheit zerstören fehlgeleitete T-Zellen allmählich das Schilddrüsengewebe und der Organismus bildet Antikörper gegen schilddrüsenspezifische Strukturen. Im Verlauf der chronischen Schilddrüsenentzündung kommt es zunächst zu einer Überfunktion und schließlich zu einer Unterfunktion des Organs. Da die Schilddrüse im Körper hormonell an komplexen Prozessen beteiligt sind, äußern sich auch die Symptome ganz unterschiedlich. Sie reichen von Zittern und Herzrhythmusstörungen bis hin zu Antriebslosigkeit, Depressionen und Gewichtszunahme.
Andere Autoimmunerkrankungen hingegen richten sich nicht gegen ein einzelnes Organ, sondern beeinträchtigen multiple Organe. Hier sprechen Experten von systemischen Autoimmunerkrankungen. Bekannte Beispiele sind
  • Systemischer Lupus erythemadotes: Dieses Krankheitsbild gehört zur Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, genauer zur Kategorie der Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen). Anders als der kutane Lupus, der sich vorwiegend in Hautveränderungen äußert, zieht der systemische Lupus Entzündungen innerer Organe nach sich, z.B. der Niere, Leber, des Rippenfells, des Herzmuskels und der Gelenke.
     
  • Systemische Sklerose: Auch diese Autoimmunerkrankung zählt zu den Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen). Neben den Leitsymptomen, die sich in Hautverhärtungen an Gesicht, Fingern und Zehen zeigen, können auch innere Organe betroffen sein. Ob Verdauungstrakt, Lunge, Herz und Nieren Schaden nehmen, bestimmt hier die Prognose für die Betroffenen.
     
  • Polymyositis: Diese Autoimmunkrankheit äußert sich in einer Entzündung der Skelettmuskulatur. Die Folge sind Muskelkater, Muskelschwäche und unspezifische Entzündungsreaktionen des gesamten Organismus. In schweren Fällen sind innere Organe beteiligt – die Betroffenen versterben häufig an Herz- und Lungenerkrankungen.

Auslöser für Autoimmunerkrankungen 

„Bad luck and bad genes“ – so beschreiben Experten häufig die Entstehung von Autoimmunerkrankungen. Was salopp klingt, ist nicht nur ein Anzeichen der fehlenden Forschungserkenntnisse. Denn „Pech“ haben die Betroffenen den Experten zufolge, weil die Bedingungen für eine Autoimmunreaktion statistisch eher unwahrscheinlich eintreten: Es müssen sich autoreaktive T-Zellen und B-Zellen treffen, die zufällig dieselbe körpereigene Zelle als Gegner erkennt haben und beide den Schutzmaßnahmen der Immun-Toleranz entgehen. 
 
Über diesen Zufall hinaus könne jedoch andere Faktoren die Wahrscheinlichkeit einer Autoimmunerkrankung deutlich erhöhen:
  • Genetische Disposition: Wissenschaftler konnten aufzeigen, dass Autoimmunerkrankungen bei Menschen mit bestimmten Genvarianten häufiger auftreten. Hier handelt es sich um die Gene des sogenannten Hauptgewebeverträglichkeitskomplexes (MHC). Sie kodieren Proteine, die für die Immunerkennung und für die immunologische Individualität wichtig sind. 
     
  • Umweltfaktoren: Es kann passieren, dass uns Erreger begegnen, deren Strukturen den körpereigenen Strukturen stark ähneln. Reagiert das Immunsystem ihnen gegenüber akut, nützt das im Falle einer Infektion. Allerdings macht die Gedächtnis-Funktion der Immunzellen es wahrscheinlicher, dass in der Folge auch autoreaktive Prozesse stattfinden. Zum Beispiel im Falle eines rheumatischen Fiebers, bei dem eine Streptokokken-Infektion quasi als Kreuzreaktion einen Autoimmunangriff gegen das Herz auslöst. 
     
  • Hygiene-Hypothese: Da sich manche Autoimmunerkrankungen in den Industrieländern auffällig häufen, liegt die Vermutung nahe, sie würden durch die Lebensumstände begünstigt. Dass Menschen während ihrer Entwicklung weniger mit Keimen in Kontakt kommen und ihr Immunsystem weniger trainiert und ausdifferenziert wird, könnte dazu beitragen.
     
  • Ernährung und Lebensstil: Mangelnde Bewegung, wenig Sonnenlicht und eine fett- und zuckerreiche Industrienahrung stehen im Verdacht, den Körper in Mangelsituationen zu bringen (z.B. Vitamin-D-Mangel) und die Darmflora zu verändern. Dies wiederum könnte generelle Entzündungsprozesse begünstigen und Autoimmunerkrankungen verstärken oder wahrscheinlicher machen. 
     
  • Stress: Studien zeigen, dass chronisch-gestresste Menschen höhere Spiegel an T-Zellen im Blut haben und eine hyperreaktive Immunantwort zeigen. Daraus könnte eine höhere Wahrscheinlichkeit entstehen, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen zu leiden. Eine Erklärung hierfür könnte im erniedrigten Cortisolspiegel bei latentem Stress liegen. Dieses Hormon unterdrückt bei akuten Belastungen in der Regel die Immunreaktion.

Überaktives Immunsystem: Allergische Reaktionen und Hypersensitivstörungen

Allergien richten sich nicht gegen das eigene Gewebe, sondern basieren auf einem fehlgeleiteten Training des Immunsystems. In diesem Fall haben Immunzellen harmlose Substanzen wie Blütenpollen oder Nahrungsmittel als potenzielle Gefahr identifiziert und reagieren in gewohnter Weise: Sie bilden Antikörper und stimulieren lokale Entzündungsprozesse. Das trifft beispielsweise auf die folgenden Beschwerden zu:
  • Heuschnupfen: Treffen Pollen auf die Schleimhäute in Augen, Nase und Rachen, führt die Immunreaktion zu einer Freisetzung des Hormons Histamin. Es befördert Schwellungen und Entzündungen – die typischen Symptome äußern sich dann in Niesen, juckenden Schleimhäuten und tränenden Augen.
     
  • Kontaktallergien: Wenn Nickel oder Inhaltsstoffe von Kosmetika dauerhaft mit der Haut in Kontakt kommen, können sie von den Immunzellen als schädlich identifiziert werden.  Das Immunsystem richtet sich dann gegen die Zellen der oberen Hautschicht. Es kommt zu Rötungen, Juckreiz und Ekzemen.
     
  • Asthma: Hier entsteht eine chronisch-entzündliche Reaktion der Atemwege. Sie kann durch Allergene ausgelöst werden, aber auch durch eine Virusinfektion. Das eosinophile Asthma gilt als besonders schwere Form der Erkrankung – hier steht wiederum ein autoreaktiver Prozess im Hintergrund. In der Lunge der Betroffenen sammeln sich bestimmte Immunzellen, die eosinophilen Granulozyten, die schließlich das Lungengewebe angreifen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Autoimmunerkrankungen? 

Die Mechanismen hinter der Entstehung von Autoimmunerkrankungen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Deshalb richtet sich die Therapie häufig ausschließlich gegen unangenehme und schädliche Symptome der jeweiligen Krankheit – Autoimmunerkrankungen sind nicht heilbar. Aktuell nutzen Mediziner die folgenden Therapiemöglichkeiten.

Medikamentöse Behandlung

  1. Entzündungshemmende und immunsuppressive Medikamente
    Richtet die Entzündungsreaktion körperliche Schäden an oder bereitet sie dem Betroffenen starke Schmerzen, wie etwa die Ekzeme einer Neurodermitis oder Schuppenflechte, werden Entzündungshemmer eingesetzt. Zusätzlich sorgen Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, für eine Verminderung der Symptome. Die Schwierigkeit: Unterdrücken lässt sich das Immunsystem nicht selektiv, sondern nur generell. 
    Infolgedessen verringern die betreffenden Medikamente auch die Abwehr gegen „echte“ Krankheitserreger. Sehr beliebt ist die Gabe von Cortison zum Herabsetzen der Autoimmunreaktion. Als körpereigenes Steroidhormon ist es gut verträglich, erzeugt aber bei einer hohen Dosierung unangenehme Nebenwirkungen wie das Cushing-Syndrom. Darüber hinaus therapieren Fachleute Autoimmunerkrankungen mit Wirkstoffen wie Methotrexat, Azathioprin, Cyclophosphamid, Cyclosporin A (sogenannte Zytostatika) oder mit Nicht-steroidalen Antiphlogistika (z. B. Azulfidine).
     
  2. Ersatz körpereigener Hormone und Nährstoffe
    Schädigt eine Autoimmunerkrankung Organe, die wichtige Hormone bilden, wie im Falle von Diabetes und Hashimoto, besteht ein wichtiger Teil darin, diese Hormone zu ersetzen. Bei der Gastritis vom Typ A verliert der Verdauungstrakt die Fähigkeit, Vitamin B 12 aufzunehmen. Hier müssen sich die Betroffenen das Vitamin regelmäßig spritzen lassen, damit keine Folgeschäden entstehen.

Biopharmazeutika gegen Autoimmunerkrankungen?

Ein zukunftsweisender Ansatz in der Therapie von Autoimmunerkrankungen scheint in den sogenannten Biopharmazeutika zu liegen. Hierbei handelt es sich um eine neue Klasse von Wirkstoffen, die mithilfe gentechnisch veränderter Organismen produziert werden. Mit diesem Ansatz lassen sich große und komplexe Moleküle erzeugen, zum Beispiel Proteine und Nukleinsäuren. 
 
Diese Bausteine ermöglichen es, körpereigene Wirkstoffe nachzubilden oder zu adaptieren. Im Falle von Autoimmunerkrankungen werden zum Beispiel TNF-Alpha-Antagonisten eingesetzt, die den entzündungsfördernden Signalstoff TNF-Alpha im Körper blockieren.
 
Nützlich sind auch speziell designte Antikörper, die T-Zell-Funktionen gezielt blockieren. Aktuell sind etwa 30 Biopharmazeutika in Deutschland für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen zugelassen. Da ihre Forschung große Ressourcen braucht, sind sie auch in der Therapie vergleichsweise teuer. Dennoch lohnt sich für die Patienten die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, da Biopharmazeutika potenziell eine gute Wirkung versprechen. 
 

Fazit: Wenn sich das eigene Immunsystem gegen den Körper wendet

Heute zeigen sich sehr viele Krankheitsbilder, die mit Fehlfunktionen des eigenen Immunsystems in der Verbindung stehen. Da die komplexen Ursachen von Autoimmunerkrankungen aktuell immer noch wenig erforscht sind, bleibt vielen Betroffenen in den meisten Fällen nur eine Behandlung der Symptome. Die Forschungen erstrecken sich heutzutage neben den Biopharmazeutika auch auf einen gesunden und stressfreien Lebensstil. Hier liegen auch für die Erkrankten Möglichkeiten, ihre Lebensqualität deutlich zu steigern.
 
Datum: 07.09.2020