17. Februar 2010
Nasennebenhöhlenentzündungen

Nasennebenhöhlenentzündungen

Nasennebenhöhlenentzündungen sind oft sehr langwierig und besonders, wenn Sie chronisch werden, eine Qual. Antibiotika helfen in diesem Fall leider nur selten. Eine neue Therapie bringt nun den langersehnten Heilungserfolg.

Nasennebenhöhlenentzündung
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Nasennebenhöhlenentzündung

Der Druck auf Stirn und Wangen ist unerträglich, die Nase ist verstopft, Kopf und Gesicht schmerzen bei jeder Bewegung. Man fühlt sich müde, schlapp und fiebrig. Jeder siebte Deutsche leidet mindestens einmal im Jahr unter entzündeten Nasennebenhöhlen (med.: Sinusitis). Ein Drittel der Betroffenen wird die Krankheit überhaupt nicht mehr los. Antibiotika bringen da oft auch nichts. Aber wie kann die moderne Medizin helfen? Eine moderne Therapie verspricht langfristigen Heilungserfolg:

Neue Therapie heilt chronische Nasennebenhöhlenentzündung

Seit etwa einem Jahr setzen HNO-Ärzte ein neues, minimal-invasives Verfahren ein, um die blockierten Gänge der Nasennebenhöhlen schonend zu erweitern. Das ist die sogenannte Ballon-Sinuplastik. „Dieses Verfahren löst die klassischen chirurgischen Techniken ab oder ergänzt sie“, erklärt der Münchner Sinusitis- Spezialist Dr. Bernd Schuster. Und so funktioniert es: Der Chirurg tastet sich mit einem Endoskop unter ständiger Röntgenkontrolle in das verschachtelte Gängelabyrinth der Nasennebenhöhlen vor. Über einen dünnen, weichen Katheter führt er einen zylinderförmigen, fünf Millimeter großen Ballon an die verengte Stelle. Dann pumpt er mit einer Hochdruckspritze ein Kontrastmittel in den Ballon, bis dieser einen Druck von acht bis zwölf Bar erreicht. Das sprengt kleine Knochenstege rund um den Engpass. Die blockierten Kanäle werden geweitet, das Nasensekret mit all seinen Viren und Bakterien fließt wieder ab. Vorteile: Die Nasenschleimhaut wird nicht verletzt. Dadurch ist das Risiko von Operationsnarben kleiner als bei herkömmlichen OPs. Auch die Schmerzen sind geringer. Und: „Auf einen mehrtägigen Klinikaufenthalt kann verzichtet werden“, sagt Schuster.

WIE GUT SIND DIE ERGEBNISSE?

Studien belegen, dass über 80 Prozent der blockierten Nebenhöhlen offen bleiben. Damit schneidet die Methode genauso gut ab wie eine klassische Operation mit einer endoskopischen Zange. Dabei kneift der Arzt vorsichtig Schleimhaut und Knochenstege ab, um die Abflüsse zu vergrößern.

GIBT ES AUCH NACHTEILE?

Es ist möglich, dass die Ballon-Sinuplastik nach einigen Jahren wiederholt werden muss. HNO-Chirurgen denken deshalb über eine Kombination von Ballon und Stents nach. Das sind kleine gitterförmige Stützen, die den Nebenhöhlengang dauerhaft weit halten. Ein zusätzlicher Nachteil sind die Materialkosten für den Ballon von etwa 2000 Euro, die von den gesetzlichen Kassen in der Regel bisher nicht übernommen werden.

WEITERE FORTSCHRITTE?

Ja, statt der schmerzhaften Nasentampons werden heute zunehmend Gels eingesetzt, um Blutungen etwa bei einer herkömmlichen Operation zu stillen. Das Gel wird nach einigen Tagen einfach ausgespült.

Fragen rund um die Nasennebenhöhlenentzündung

MUSS IMMER OPERIERT WERDEN?

„Vor einer Operation sollten unbedingt alle medikamentösen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden“, betont Prof. Jochen A. Werner, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde an der Universität Marburg. Hier erfolgte in letzter Zeit ein Umdenken. Bakterientötende Antibiotika etwa werden immer seltener eingesetzt, weil die Keime nur in zehn bis zwanzig Prozent der Fälle Auslöser der Beschwerden sind. Gute Erfolge bei der Bekämpfung der Entzündungen zeigen moderne Kortison-Sprays gegen Viren, deren Wirkstoff selbst bei zehnfacher Überdosierung nicht von der Schleimhaut ins Blut wandert. Es gibt also keine Nebenwirkungen.

WIE VERLÄUFT EINE NASENNEBENHÖHLENENTZÜNDUNG?

Meist entwickelt sie sich aus einem Schnupfen oder einer Rachenentzündung. Die Schleimhäute in der Nase und den Nebenhöhlen schwellen an, bis die feinen Ausgänge verschlossen sind. Der Schleim fließt nicht mehr ab, es bildet sich eine nahezu ideale Brutstätte für Keime. Bei einigen Patienten fördern andere Umstände das Entzündungsklima, etwa eine verbogene Nasenscheidewand, vergrößerte Nasenmuscheln oder Polypen. Dann muss die Problemzone in der Nase operativ beseitigt werden. Auch ein allergischer Schnupfen oder Pilzinfektionen fördern eine Entzündung.

WAS IST ANDERS ALS BEIM SCHNUPFEN?

Bei einer akuten Sinusitis wird ein Druckgefühl vor allem im vorderen Schädel verspürt, die Nasennebenhöhlen reagieren schmerzhaft auf Druck. Wenn man den Oberkörper schnell vorbeugt, aufsteht oder auf einem Bein hüpft, nehmen diese Schmerzen zu. Bei einer chronischen Entzündung sind die Symptome nicht so ausgeprägt. Typisch: Die Nasenatmung ist oft einseitig.

WELCHE KOMPLIKATIONEN DROHEN?

Wird eine Nebenhöhlenentzündung nicht behandelt und weitet sich die Entzündung aus, kann es zu einer Entzündung der Stirnhöhle, zu Sehstörungen, Sehverlust oder dem Verlust des Geruchssinns kommen; im schlimmsten Fall sogar zu einer gefürchteten Hirnhautentzündung.

Sanfte Selbsthilfe

Alternative Behandlungsmethoden

Nicht immer muss eine Nasennebenhöhlenentzündung operiert werden. Wenn Sie die Symptome frühzeitig erkennen, helfen auch sanfte Hausmittel und rezeptfreie Medikamente. Wir zeigen Ihnen, was Sie tun können, um Ihre Nase wieder frei zu kriegen:

  • Mit einem Aufguss (z. B. von Kamille, Senfölen, Salbei, Thymian, Primel) inhalieren, um die Atemwege zu befreien. Damit die Wirkstoffe tief eindringen, vorher abschwellende Nasentropfen benutzen.
  • Die gereizte Nasenschleimhaut mit Kochsalzlösung pflegen. 1 TL Salz in zwei Tassen lauwarmem Wasser auflösen und mit einer Nasendusche zweimal täglich den Nasenraum spülen. Warme Hals- und Brustwickel, Rotlicht oder ein warmes Erkältungsbad bringen ebenfalls Linderung.
  • Beim ersten Anzeichen eines Schnupfens 3 bis 4 Liter Wasser oder zuckerfreien Früchtetee pro Tag trinken, um den Schleim in den Atemwegen zu verflüssigen.
  • Im Anfangsstadium der Erkrankung lassen Nasentropfen (wie z. B. „Nasic“) die Schleimhäute in der Nase abschwellen. Sie erleichtern das Atmen.
  • Der Eukalyptuswirkstoff Cineol (z. B. in „Soledum Balsam“) löst den Schleim und lindert so die Beschwerden.

Eine Übersicht rezeptfreier Medikamente finden Sie hier zum Download >>

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