Grippe, Erkältung & Co So gefährlich kann eine verschleppte Grippe sein

Jeder Mensch bekommt in seinem Leben im Schnitt 200 Erkältungen. Die meisten davon verlaufen ohne größere Komplikationen. Gefährlich wird es allerdings, wenn man die Erkältung verschleppt.

Frau niest

Defensine - unsere körpereigenen Antibiotika

Mal wieder erkältet? Das kann an Ihren „Defensinen“ liegen. Klingt nach Science-Fiction, nach „Star Wars“. Sie sind aber millionenfach in Ihrem Körper. Direkt auf Haut und Schleimhäuten – und bei einem grippalen Infekt in zu geringer Anzahl. „Neueste Forschungen belegen, dass dort eine Vielzahl von Abwehrstoffen gebildet werden, die wir als ,Defensine’ bezeichnen“, erklärt Prof. Jens-Michael Schröder, Forschungsleiter an der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in Kiel. „Das sind winzige Eiweißstoffe mit einem enormen Potenzial. Denn sie sind in der Lage, unerwünschte Erreger zuverlässig abzutöten, indem sie quasi ,Löcher’ in deren Zellwände bohren.“

Diese überaus wichtigen blitzschnellen Abwehrmoleküle des angeborenen Immunsystems sind sozusagen die Antibiotika unseres Körpers. Und dann noch welche mit großer therapeutischer Zukunft. Prof. Schröder: „Offensichtlich gelingt es Krankheitserregern nicht, gegen diese Defensine Resistenzen zu entwickeln. Das ist umso bemerkenswerter, als unsere herkömmlichen Waffen gegen Keime, die Antibiotika, durch Resistenzentwicklung zunehmend abstumpfen. Somit sind Defensine möglicherweise ein Hoffnungsträger für den Ausweg aus dieser Antibiotika- Sackgasse – Grundstrukturen für die Entwicklung einer völlig neuen Antibiotika-Generation.“

Doch nicht immer gelingt es unseren körpereigenen Abwehrstoffen, Erkältungs- und Grippeviren erfolgreich abzuwehren. In diesem Fall ist es extrem wichtig, die Krankheit wirklich auszukurieren und unser Immunsystem nicht zu schnell wieder zu belasten. Das sagt auch Prof. Dr. Ludger Klimek vom Zentrum der Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. 

Nehmen Sie den Infekt ernst

VITAL: Welche Kardinalfehler machen „Verschnupfte“?

Prof. Klimek: Der größte ist, dass grippale Infekte verschleppt werden, weil sie oft nicht als richtige Erkrankung wahrgenommen werden. Dem Körper wird nicht die erforderliche Ruhe gegönnt, die Krankheit auszuheilen. Es bleiben „Rest- Entzündungen“, die anfälliger für den nächsten Infekt machen. Und: Häufig wird allergischer Schnupfen mit einem grippalen Infekt verwechselt, weil die Beschwerden schwer auseinanderzuhalten sind. Fatal, denn auf lange Sicht kann es zu einer chronischen Schleimhautentzündung und sogar zu Asthma kommen. Deshalb sollte jeder Schnupfen, der länger als zwei bis drei Wochen dauert, ärztlich abgeklärt werden.

VITAL: Soll Fieber grundsätzlich gesenkt werden?

Prof. Klimek: Prinzipiell hilft eine erhöhte Körpertemperatur dem Immunsystem, mit den Erregern besser fertigzuwerden. Zu hohes Fieber allerdings stört diese Prozesse, kann sogar gefährlich werden. Daher sollte bei Kindern ab ca. 38 Grad, bei Erwachsenen ab 38,5 Grad eine Fiebersenkung erwogen werden. Hierzu eignen sich sowohl Hausmittel wie kühlende Wickel um Wade oder Brust als auch fiebersenkende Medikamente.

VITAL: Wann helfen Antibiotika?

Prof. Klimek: Sie sollten nach fünf bis sieben Tagen bei einer bakteriellen Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt werden, bei Komplikationen auch früher.

Geben Sie sich und Ihrem Körper also die Zeit, der er braucht, um sich komplett von der Krankheit zu erhohlen. Besonders eine Grippe schwächt das Immunsystem und sollte vollständig auskuriert werden. Denn eine verschleppte Grippe kann schwereren Erkrankungen wie einer Lungenentzüdung oder sogar einer Herzmuskelentzündung führen.