Wunderwerk Lunge Richtiges Atmen für eine gesunde Lunge

Augen zu und ein paarmal tief Luft holen! Das tut maximal gut, gönnen wir uns (und der Lunge) leider viel zu selten. Warum es sich lohnt, ein bisschen mehr auf unsere Atmung zu achten.

Frau atmet

20.000 Atemzüge pro Tag

Wie es der Lunge geht, darauf achten die meisten von uns doch höchstens bei einer Erkältung. Wenn der Husten rasselt und jeder Atemzug anstrengt, spüren wir, wie wichtig (und schön!) es ist, gut Luft zu bekommen. Aber sonst? Atmen ist essentiell, aber es geschieht automatisch. Den wenigsten von uns ist bewusst, was die Lunge rund um die Uhr eigentlich leistet. "Bei etwa 20.000 Atemzügen pro Tag bewegt sie mindestens 10.000 Liter Luft und versorgt den Körper bis in die letzte Zelle mit Sauerstoff", sagt vital-Experte Dr. Kai-Michael Beeh.

Energiespender Nummer eins

Das Organ ist Energiespender Nummer eins – sorgt es doch beim Ein- und Ausatmen für den lebensnotwendigen Gasaustausch: Die Luft, die wir über Nase und Mund einatmen, gelangt bis in die kleinsten Verästelungen der Lunge, in die Alveolen. Diese rund 300 Millionen winzigen Bläschen sind umspannt von noch winzigeren Blutgefäßen. Im permanenten Wechsel geben sie über die Blut-Luft-Schranke Sauerstoff ab und nehmen Kohlendioxid auf. Frischluft rein, verbrauchte Luft raus!
Dieser Vorgang begleitet uns ein Leben lang und ist – funktional gesehen – immer gleich. Abwechslungsreicher wird’s bei der Art und Weise, WIE wir atmen. Ob das Luftholen kurz, gepresst, stoßweise, tief oder gleichmäßig ausfällt, ist dabei immer eng verknüpft mit der emotionalen Verfassung. Denn das Atemzentrum im Gehirn lässt neben der Sauerstoffsättigung im Blut, neben Nerven und Hormonen auch die Psyche über unseren „Atemstil“ bestimmen.

Bauchatmung bewusst üben

Das kennt jeder: Sind wir wütend, fröhlich, erregt, ängstlich, atmen wir anders als im relaxten Zustand. „Ein hektischer Alltag führt dazu, dass viele Menschen zu flach und zu hastig atmen“, erklärt Pneumologe Beeh. Dann werden für die Sauerstoffversorgung mehr Atemzüge benötigt, letztlich aber wird vor allem nur verbrauchte Luft hin- und hergeschoben. Bei Stress bleibt uns also buchstäblich die Lu weg. Mit Folgen: Herzschlag und Blutdruck steigen, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit treten auf. Löst sich die Spannung, atmen wir auf. Mit tiefen, langen Atemzügen kann die Lunge sich gründlich leeren, und frischer Atem fließt nach – das wirkt zusätzlich beruhigend. Um die richtige Technik wie etwa die Bauchatmung bewusst zu üben und um wichtige Muskeln wie das Zwerchfell zu stärken, sind Atemtherapien hilfreich. Studien zeigen, dass sich Methoden wie autogenes Training, Yoga oder Tai-Chi gut eignen, Stress besser zu bewältigen.
In allen Weltkulturen wird der Atem verehrt als Quelle der Lebenskraft, die Lunge als Bindeglied zwischen der inneren und äußeren Welt. Ganz frei von Spiritualität ist das ein Fakt, der leider auch einige Gefahren birgt. „Die Atemwege sind ein offenes System, und bei jedem Luftholen können Schadstoffe in die Lunge geraten, wie Feinstaub, Ozon, Bakterien oder Viren aller Art“, so Beeh. „Alles Faktoren, die uns ernsthaft krank machen können. Dass weltweit Lungenerkrankungen immer weiter zunehmen, ist ein alarmierender Trend.“

Hilfe bei Asthma

Auch in Deutschland führen Atemwegsinfekte die Liste an: Dazu zählen neben den Erkältungen, die jeden Erwachsenen im Schnitt mindestens ein- bis zweimal pro Jahr erwischen, vor allem die Volkskrankheiten Asthma und die chronische Bronchitis (COPD). Rund sieben Millionen Deutsche leiden darunter, und obwohl die Ursachen unterschiedlich sind, ähneln sich doch ihre Symptome: Husten und Atemnot.
Asthmatiker reagieren überempfindlich auf bestimmte Reize, z. B. Pollen, Tierhaare oder Hausstaub bei allergischem Asthma. Bei der nichtallergischen Form genügen oft ein Wetterwechsel oder starker Stress, um Luftnot zu verursachen. Kortisonhaltige Sprays weiten die Bronchien wieder. Auch die Lippenbremse wirkt: Lippen locker schließen, gegen den Widerstand ausatmen. Die Phase des Ausatmens verlängert sich, die Luft kann aus der Lunge heraus, Betroffene bekommen wieder besser Luft.

Das hilft bei einer Bronchitis

Im Falle der Bronchitis ist es wichtig, dass sich aus akuten Beschwerden keine chronische Form entwickelt. Am besten schon vorbeugen: Damit das Immunsystem mit Infekten gut umgehen kann, brauchen wir eine vitaminreiche Ernährung, wenn das nicht gelingt, auch spezielle Nahrungsergänzungsmittel (z. B. „Orthomol Immun“, in Apotheken). Die oberen Atemwege wie Hals und Rachenschleimhaut lassen sich mit Salbeitee oder salzhaltigen Lutschtabletten (z. B. „Emsan Bad Emser Pastillen“, in Drogerien) stärken. Ist eine Entzündung bis zu den Bronchien vorgedrungen, helfen schleimlösende Präparate (z. B. „Gelo-Myrtol forte“, in Apotheken). „Wer nichts unternimmt gegen monatelang andauernde Beschwerden, riskiert eine chronische Bronchitis, bei der die Schleimhaut zerstört wird“, so Dr. Beeh. Das Problem: Das Gewebe kann sich nicht regenerieren, eine Verschlechterung lässt sich nur mit speziellen Arzneien aufhalten. Hinzu kommt, dass die Lunge nicht schmerzt. Wie sehr ihre Funktion bereits eingeschränkt ist, merken viele Betroffene erst nach Jahren. Ein Grund mehr für eine Extraportion Aufmerksamkeit.