19. August 2021
Dritte Corona-Impfung: Bayern startet mit Auffrischungsimpfungen

Bayern startet mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus

Was die Gesundheitsminister vor zwei Wochen beschlossen hatten, setzt Bayern nun als erstes Bundesland um: Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus. Erfahren Sie hier, welche Personen die dritte Impfung erhalten sollen.

Angesichts der steigenden Zahlen und der sich stark verbreitenden Delta-Variante wächst die Furcht vor einer vierten Welle. Viele Menschen sind beunruhigt und vor allem Risikogruppen fragen sich, ob der momentane Impfschutz ausreicht oder ob eine dritte Impfung notwendig ist. Nachdem die Gesundheitsministerkonferenz vor zwei Wochen zu dem Schluss gekommen war, dass eine Drittimpfung möglich und sinnvoll sei, prescht nun Bayern als erstes Bundesland mit der Umsetzung vor.

Bayern startet mit Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen

Der Bayerische Rundfunk berichtet, dass im Freistaat ab sofort Auffrischungsimpfungen verabreicht werden dürfen. Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetscheck (CSU) gab bekannt, dass sowohl Hausärzte als auch Impfzentren von nun an dritte Corona-Impfungen an Risikogruppen und vulnerable Personen verabreichen können. Demnach sollen vor allem Über-80-Jährige, Menschen mit Immunschwäche bzw. Autoimmunerkrankungen sowie Pflegebedürftige, die in Pflegeheimen oder zu Hause wohnen, eine Auffrischungsimpfung erhalten. Neben der Vulnerabilität gilt die Voraussetzung, dass die Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegen muss. 

Gesundheitsminister: Dritte Impfung für ältere und geschwächte Menschen

Die Gesundheitsminister der Länder hatten Anfang August beschlossen, dass ältere und pflegebedürftige Personen sowie Menschen mit Immunschwäche oder Immunsuppression eine Auffrischung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna bekommen sollten. In allen Fällen soll die dritte Impfung frühestens sechs Monate nach der erstmaligen Herstellung des vollständigen Impfschutzes erfolgen und eigentlich erst ab September starten. Dabei sei es unerheblich, mit welchem Impfstoff die Personen vorher geimpft worden sind. Für die Auffrischungen sollen wieder mobile Pflegeteams eingesetzt werden, ebenso sollen Hausärzte die Drittimpfung durchführen.

Laut Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité, könnte es ohne die Auffrischungsimpfung im kommenden Winter zu zusätzlichen Infektionen in Alten- und Pflegeheimen kommen.

Auffrischung auch für Johnson & Johnson- und AstraZeneca-Geimpfte

Auch Personen, die eine Impfung mit dem Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson und AstraZeneca bekommen haben, sollen ebenfalls ein halbes Jahr später eine Auffrischung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten. Als Anlaufstelle sollen die Haus- sowie Betriebsärzte sowie die Impfzentren dienen. Der Grund der Auffrischung: Die Impfstoffe haben einen geringeren Schutz als die mRNA-Impfstoffe. Das Vakzin von Johnson & Johnson wird nur einmal verabreicht. Laut des Herstellers soll der Impfstoff einen Immunschutz haben, der mindestens acht Monate anhalten soll – das haben Untersuchungen aus Israel ergeben.

Drosten: Auffrischungsimpfungen für die meisten unnötig

Wie die Bild-Zeitung berichtete, ist eine Corona-Auffrischungsimpfung laut Virologe Christian Drosten für die meisten Menschen offenbar nicht nötig: „Die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen.“ Die gleiche Ansicht vertritt auch Dr. Andreas Radbruch, Immunologe und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin. Gegenüber t-online betonte er die gute Wirksamkeit einer vollständigen Impfung gegen alle bekannten Mutanten. Ein baldiges Aufkommen einer neuen Virusvariante, die gegen die verfügbaren Impfstoffe resistent ist, erwartet Drosten nicht. Der Charité-Chefvirologe befürwortete allenfalls die Auffrischung bei alten Menschen sowie Risikopatienten.

Wie lange schützen die Impfstoffe?

Das Fachmagazin Nature veröffentlichte vor kurzem eine Studie von US-Forschern. Diese macht deutlich, dass aufgrund der Menge an Antikörpern möglicherweise ein jahrelanger Schutz gegen eine Infektion mit Covid-19 besteht, der über die bisher bekannte Dauer der Immunisierung hinaus geht – solange es keine ansteckenderen Varianten geben wird.

Biontech/Pfizer wollen Zulassung für dritte Dosis

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer sehen die Notwendigkeit einer dritten Impfung, vor allem in Hinblick auf die Daten aus Israel, die auf einen Rückgang der Schutzwirkung nach einem halben Jahr hinweisen. Das Unternehmen arbeitet an einer dritten Impfstoffdosis und möchte bald die Zulassung beantragen. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“. Erste Studiendaten zeigen, dass eine dritte Impfung mit dem Biontech-Vakzin die Menge an Antikörpern um das fünf- bis zehnfache erhöht. Der Impfstoffhersteller rechnet damit, dass eine dritte Dosis zuverlässig gegen die ansteckende Delta-Variante des Coronavirus wirken wird. Bezüglich der Mutation arbeitet Biontech an einem Impfstoff, der speziell gegen die aus Indien stammende Variante schützen soll.

Video: Biontech – Auffrischungs-Impfung wahrscheinlich erforderlich

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