17. März 2021
Digitale Corona-Impfpass: Das ändert sich jetzt!

Der digitale Corona-Impfpass kommt – was sich jetzt ändert

Im Juni soll der europaweite digitale Corona-Impfpass für Geimpfte kommen. Mit einem solchen Nachweis könnte das Reisen ermöglicht werden. Auch Theater, Restaurants oder Fitnessstudios könnten wieder öffnen. Allerdings ist der Corona-Impfpass und die daraus resultierende, indirekte Impfpflicht umstritten. Was bisher zum Corona-Impfpass bekannt ist, lesen Sie hier. 

Der EU-Impfpass soll ab dem 1. Juni kommen und das Reisen und Urlaub machen ermöglichen. „Der Nachweis soll bis zum Beginn des Sommers einsetzbar sein, und der Sommer beginnt am 1. Juni“, sagte EU-Kommissionsvize Margaritis Schinas der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Europäische Union plant die Einführung des sogenannten „Digitalen Grünen Nachweis“ – ein gegenseitig anerkannter Impfpass, in denen die Personalien, das verwendete Vakzin sowie die ausstellende Behörde vermerkt sein sollen. Zudem sollen auch Ergebnisse von zugelassenen PCR- und Schnelltests sowie überstandene Corona-Infektionen erfasst werden.

Ziel ist die Vergleichbarkeit und gegenseitige Anerkennung in den 27 EU-Staaten. Auch die Bundesregierung unterstützt dieses Vorhaben und möchte Voraussetzungen für einen digitalen Impfnachweis schaffen. Die Impfnachweise sollten demnach in Papier- als auch in elektronischer Form möglich sein. In den vereinbarten Richtlinien heißt es, dass mithilfe des Passes der Impfstatus einer Person rasch und eindeutig festzustellen ist. Wann die Impfnachweise genau eingeführt werden sollen, ist bislang noch unklar. 

Corona-Impfpass: Besuche von Hotels, Theatern oder Fitnessstudios möglich

In Israel ist der Corona-Impfnachweis bereits eingeführt worden. Dort gibt es den sogenannten „Grünen Pass“, der es den Bürgern erleichtert, Hotels, Fitnessstudios, Theater oder Sportereignisse zu besuchen. Genesene oder zweifach geimpfte Personen können den Pass erhalten, den sie ausgedruckt oder über eine spezielle App aufrufen können. Beim Einlass wird er gescannt. 

Der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hält einen Einsatz von Impfnachweisen für möglich. Im Interview mit der Bild-Zeitung sagte Mertens: „In der Lebensvorsorge, in Kliniken oder Heimen, kommt das nicht infrage. Aber im privatrechtlichen Bereich – bei Kinos, Theatern, Restaurants und auf Fluglinien kann ich mir einen solchen Nachweis sicher vorstellen.“ Mertens betonte aber auch, dass ein solcher Impfpass nur dann möglich sei, wenn das Impfangebot ausreichend sei, sodass niemand benachteiligt werde. 

Digitaler Corona-Impfpass: Einschränkung der Freiheitsrechte?

Die Meinungen zu dem Impfpass gehen auseinander. Einerseits könnte der Impfnachweis Wirtschaft, Kultur und Tourismus ankurbeln und wieder für ein Stück Normalität in dieser Corona-Pandemie sorgen. Andererseits bedeutet dies auch, dass nur jemand diese Freiheiten genießen darf, der auch gegen Covid-19 geimpft ist. Dies bedeutet automatisch eine indirekte Impfpflicht

Wie aus einer Umfrage der ARD hervorgeht, sind gut zwei Drittel der Befragten dagegen, Geimpfte von den derzeitigen Einschränkungen auszunehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer teilt diese Meinung: Privilegien für Geimpfte könnten eine Impfpflicht durch die Hintertür bedeuten und die Gesellschaft spalten, argumentierte er auf spiegel.de.

Medienberichten zufolge wünschen sich laut der YouGov-Umfrage der Deutschen Presse-Agentur 16 Prozent der Befragten einen digitalen Impfpass, wie es ihn bereits ihn Israel gibt. Knapp die Hälfte (44 Prozent) der befragten Personen befürworten einen Impfnachweis, allerdings erst, wenn alle Menschen in Deutschland die Möglichkeit haben, ein Impfangebot wahrnehmen zu können. Dieses hat die Bundesregierung bis zum 21. September in Aussicht gestellt.

Der Deutsche Ethikrat bezog ebenfalls Stellung zum Corona-Impfnachweis und ist gegen staatliche Sonderregeln für Corona-Geimpfte, wie die Deutsche Welle mitteilte. Solange nicht alle Menschen die Chance auf eine Impfung hätten, würde eine Sonderbehandlung für Geimpfte zudem als ungerecht empfunden, sagte Sigrid Graumann, Sprecherin der AG Pandemie des Ethikrates. „Wir müssen noch eine geraume Zeit mit Kontaktbeschränkungen leben“, sagte sie. „Besondere Regelungen für Geimpfte wären hier nicht zielführend.“

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