28. Juni 2021
Delta-Variante: Wird die Zweitimpfung vorgezogen?

Delta-Variante: Wird die Zweitimpfung vorgezogen?

Die Delta-Variante breitet sich immer weiter aus. Gut geschützt ist, wer vollständig geimpft ist. Aus diesem Grund fordern vor allem Oppositionspolitiker, die Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung zu verkürzen. Diese Forderung lässt sich allerdings nicht so schnell und einfach umsetzen.

Die Delta-Variante breitet sich trotz sinkender Inzidenzen weiter in Deutschland aus. In der letzten Woche hat sich ihr Anteil in den nachgewiesenen Infektionen verdoppelt und beträgt aktuell 15 Prozent.

Opposition: Wegen Delta-Ausbreitung schneller durchimpfen lassen

Die Opposition fordert, die Impfstrategie an die Mutation anzupassen und die Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung zu verkürzen. Denn nur eine vollständige Impfung schützt am besten gegen die aus Indien stammende Virus-Mutation, die resistenter gegenüber den Impfstoffen ist. Eine einzige Impfung hat gerade mal eine Schutzwirkung von 33 Prozent. „Unvollständig geimpfte Menschen können das Virus weiterverbreiten“, sagte der Robert-Koch-Institut-Präsident Lothar Wieler gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Delta-Variante: STIKO soll Impf-Empfehlung ändern

Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte gegenüber der Welt am Sonntag, dass bei den mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer und Moderna) die Zweitimpfung gegen das Coronavirus „dringend vorgezogen werden“ und schon nach drei Wochen stattfinden sollte. Es gebe „harte Daten“, dass dies gegen die Delta-Variante sehr wirksam sei. Zu einer früheren Zweitimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca läge noch nichts vor.

Ähnlich sieht das auch Andrew-Ullmann, FDP-Obmann im Gesundheitsausschuss: „Die Ständige Impfkommission (STIKO) sollte ihre Empfehlung zu den Impfintervallen überarbeiten und den Zeitpunkt der Zweitimpfung vorziehen.“ In den nächsten vier Wochen werden mehr Impfstofflieferungen erwartet, sodass der Engpass abnimmt, so Dahmen.

Laut Zulassung sind schnellere Impfserien möglich: Die zweite Biotech-Impfung kann nach drei Wochen, bei Moderna und AstraZeneca nach vier Wochen stattfinden.

STIKO: Gründe für größeren Impfabstand

Zurzeit empfehlt die STIKO einen sechswöchigen Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung der mRNA-Impfstoffe Biontech und Moderna. Bei AstraZeneca beträgt der Abstand sogar drei Monate. Der Grund, der bislang dafür gesprochen hat, war unter anderem die Knappheit der Impfstoffe. Zudem konnten durch die längeren Impfintervalle mehr Menschen eine Erstimpfung erhalten und dadurch geschützt werden. Dieser Abstand wirkt sich auch positiv auf die Wirksamkeit des Vektorimpfstoffes von AstraZeneca aus.

Delta-Variante: Erst-Dosen sind weiterhin knapp

Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, ist weniger optimistisch. Gegenüber welt.de sagt sie: „Wenn wir jetzt die Strategie bei den Zweitimpfungen ändern, gefährden wir das Tempo bei den Erstimpfungen.“ Hinzu komme, dass ein größerer Abstand auch immunologisch sinnvoll sei. Der Deutsche Hausärzteverband kritisiert, dass den Hausarztpraxen zu wenig Impfstoff zur Verfügung gestellt wird und keine verbindlichen Lieferzusagen gemacht werden. „Fast die Hälfte der Bevölkerung hat noch nicht einmal die erste Impfung erhalten“, so Präsident Ulrich Weigeldt.

Ob und wann die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlung ändern wird, ist derzeit noch unklar. Derzeit seien noch nicht genügend Daten vorhanden, so der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler.

Video: Opposition fordert schnellere Zweitimpfung wegen Delta

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