5. August 2021
Delta-Variante oftmals bei Schnelltests unerkannt

Delta-Variante oftmals bei Schnelltests unerkannt

Die Delta-Variante breitet sich weiter aus. Problematisch ist, dass die üblichen Schnelltests die Corona-Mutation nicht immer erkennen. Welche Gründe dahinterstecken und wie man die Delta-Variante sicher nachweisen kann, lesen Sie hier.

Die ansteckende Delta-Variante aus Indien breitet sich in Europa weiter aus und ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Das Robert-Koch-Institut vermeldete, dass in rund 85 Prozent der nachgewiesenen Proben die Delta-Variante des Coronavirus festgestellt wurde. Das Gefährliche an der Mutation: Sie ist ansteckender als die bislang dominierende Alpha-Variante und resistenter gegenüber den Corona-Impfstoffen. Die Reproduktionszahl für Delta ist 20 bis 100 Prozent höher als für die Vorgängervariante Alpha. Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Gut geschützt ist, wer vollständig geimpft ist. Die Gefährdung stuft das Robert-Koch-Institut als moderat ein – nicht oder unvollständig Geimpfte sei sie hoch.

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Schnelltests erkennen nicht immer Delta-Variante

Eine weitere Heimtücke der Mutation: Schnelltests haben Schwierigkeiten, die Delta-Variante nachzuweisen. Das Problem ist nämlich folgendes: „Die Schnelltests wurden für symptomatische Infektionen entwickelt. Dabei werden rund 80 Prozent der Infektionen erkannt. Bei Nicht-Symptomatischen werden nur 40 Prozent der Infektionen erkannt“, sagt Labormediziner Matthias Orth gegenüber dem Hamburger Abendblatt. „Damit verpassen wir aktuell mehr als die Hälfte der Infizierten“, sagt der Experte. Aktuell würden aber vor allem asymptomatische Menschen getestet – schließlich seien die Inzidenzen extrem niedrig. „Wenn jemand symptomatisch ist, dann kann man diese Tests verwenden, aber symptomatische Kinder sollten gar nicht in die Schule gehen. Sondern wir machen das ja nur bei asymptomatische Kindern – und dafür sind die Tests definitiv nicht geeignet“, sagte Orth auf swr.de.  

Ein weiteres Problem, auf das der Experte hinweist: Die Schnelltests wurden vor rund einem Dreivierteljahr entwickelt, zur Zeit der Phase 2 der Pandemie. „Da gab es ja die Delta-Variante und andere noch gar nicht“, so Orth. Laut dem Chefarzt am Stuttgarter Marienhospital werden die Schnelltests nicht nachgebessert.

Zu einem anderen Ergebnis kamen Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts (MPI) für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Laut einer Berichterstattung des Spiegel könne durch die bei einer Delta-Infektion höhere Viruslast die Erkrankung mithilfe eines Antigenschnelltests möglicherweise besonders schnell zu erkennen sein. Ähnlich sieht das auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Da die Delta-Variante eine hohe Viruslast trägt, ist sie durch die aktuellen Schnelltests sehr gut zu identifizieren. Dadurch können vor allem Super-Spreader entdeckt werden.“

PCR-Test weist Delta-Variante nach

Um aber sicher eine Delta-Variante nachzuweisen, ist ein PCR-Test ratsam. „So gesehen sind die Schnelltests eigentlich rausgeschmissenes Geld – ein riesiger Aufwand bei geringem Nutzen. Eigentlich müssten wir zu der Strategie zurückkehren, wieder verstärkt PCR-Tests durchzuführen – auch wenn deren Auswertung etwas länger dauert“, sagt Orth im Gespräch mit der Hamburger Tageszeitung.

Update: In einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums, der unter anderem ZDFheute vorliegt, werden entsprechende Corona-Maßnahmen für den Herbst und Winter vorgestellt. Demnach soll es nur noch bis Mitte Oktober die kostenlose Antigen-Schnelltestung geben. Gesundheitsminister Jens Spahn begründet diesen Entschluss damit, dass bis dahin allen Bürger*innen ein Impfangebot gemacht werden kann.

Video: Delta-Variante – wie gut schützen Impfungen mit Biontech und AstraZeneca?

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