15. März 2010
Der Darm, unser wichtigstes Verdauungsorgan

Der Darm

Unser Darm ist eines der wichtigsten Organe, der sowohl körperliches als auch seelisches Wohlbefinden beeinflusst. Aus diesem Grund sollten wir immer auf unsere Darmgesundheit achten. Ein gesunder Darm hilft, Erkrankungen abzuwehren, das Immunsystem zu stärken und wichtige Nährstoffe zu filtern. 

die hinteren Schenkel trainieren
© jalag-syndication.de
die hinteren Schenkel trainieren

Unser Darm ist mit seiner Oberfläche von 400 Quadratmetern sehr groß — so groß wie ein Fußballfeld. Großartig ist seine Verdauungspower: In 75 Jahren schleust er 30 Tonnen Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit durch den Körper. Und genial ist der Darm ebenfalls, denn sein acht Meter langes Schlingensystem funktioniert wie ein perfekter Multitasker. Es filtert aus der Nahrung nicht nur lebenswichtige Bestandteile heraus, sondern beherbergt in der Darmflora auch 80 Prozent des Immunsystems. Damit sind die Darmwände die effektivste Verteidigungslinie des Körpers gegen Bakterien.

Und genau dort, wo wir vor Aufregung und Gefühl das Flattern von Schmetterlingen fühlen, sitzt auch noch unser Bauchhirn. Der Darm wird von über 100 Millionen Nervenzellen umhüllt – von mehr als im gesamten Rückenmark. Seine Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind ein exaktes Abbild des Kopfhirns. Sie steuern beim Menschen nicht nur Freud und Leid, sondern auch, ob das Immunsystem gesund ist und somit die allgemeine Gesundheit.

Der Darm – Schaltzentrale für Leib und Seele

Unsere Schaltzentrale für Leib und Seele ist hochsensibel und störanfällig. Auf den nächsten Seiten findet ihr die wirksamsten Maßnahmen für einen gesünderen Darm – und eine Liste der Dinge, die unseren Darm krank machen.

ADRESSEN

Gastro-Liga, Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen, Tel. 06 41/9 74 81-0, www.gastro-liga.de

Deutsche Gesundheitshilfe, Hausener Weg 61, 60489 Frankfurt am Main, Tel. 0 69/78 00 42, www.gesundheitshilfe.de

Der Verdauungsprozess

Über die Speiseröhre und den Magen gelangt der Nahrungsbrei unter Beteiligung von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse sowie der Peristaltik, also den Bewegungen der Darm­abschnitte, verarbeitungsbereit im Dünndarm an. Dort werden die „guten“ Nährstoffe herausgefiltert und ins Blut und damit in den Körper abgegeben. Was wir nicht brau­chen oder was uns sogar schaden könnte, wandert weiter in den Dickdarm und wird dann ausgeschieden. Die Ver­dauungs­fabrik in unserer Mitte ist also gleichzeitig ein Energiegewinnungs-­ und Müllbeseitigungsunternehmen. Damit das komplexe Zusammenspiel der Organe funk­tioniert, verfügt der gesamte Bereich über eine eigene Schaltzentrale: das enterische Nervensystem, auch Bauch­hirn genannt. Es setzt sich aus rund 100 Millionen Nerven­ zellen zusammen – mehr hat auch das Rückenmark nicht – und bildet die gleichen Botenstoffe wie das Gehirn, z. B. Serotonin, das Gute-­Laune-­Hormon. Unser Bauch kann uns also glücklich machen. Aber eben auch unglücklich, wenn der gereizte Darm Alarm schlägt.

Darmgesundheit: Nichts läuft ohne wichtige Darmbakterien

Die vielen Millionen Bakterien, die unsere Darmwand besiedeln, gehören ebenfalls zum Verdauungs­team. Bei ihrer Arbeit, dem Zersetzen der nicht verwertbaren Nah­rungsbestandteile, entstehen Gase. Der Großteil passiert die Darmwand und gelangt über den Blutstrom in die Lunge, und wir atmen es einfach aus. Bildet sich zu viel Gas, überdehnt sich die Darmwand. Bei Patienten mit dem Reizdarmsyndrom, so weiß die Wissenschaft heute, rea­gieren die Nervenenden schon früh auf kleine Reize und senden sofort Schmerzsignale ans Gehirn. Ohnehin sind Blähungen nicht nur unangenehm, sie können so weit ausstrahlen, dass sie sich wie Herzbeschwerden an­fühlen. Klar, dass dann auch noch Ängste aufkommen.

Bei einem Reizdarm scheint außerdem die Feinabstim­mung der Darmbewegungen nicht einwandfrei zu funkti­onieren. Die Muskelbewegungen geraten ins Stocken oder werden überaktiv. Bei zu langsamen Muskelbewegungen kommt es in der Darmpassage zum Stau, dem Stuhl wird immer mehr Flüssigkeit entzogen und er verdickt sich – das kennen wir als Verstopfung. Doch ein zu schneller Transport bringt ebenfalls Beschwerden: Kommt eine zu große Wassermenge im Dickdarm an oder schafft der Resorptionsmechanismus seine Arbeit nicht, rauscht der Darminhalt einfach durch — wir bekommen Durchfall. Und wenn sich die Muskulatur so zusammenzieht, dass sie sich nicht mehr entspannen kann, krümmen wir uns vor Krämpfen. Haben wir etwas Verdorbenes gegessen oder uns einen Infekt eingefangen, kann das bei jedem von uns mal vor­ kommen. Die Beschwerden sind dann Begleiterscheinungen des Abwehr­- und Heilungsprogramms des Darms.

Übrigens: Darmbakterien unterstützen auch unsere Abwehrkräfte! Gerät die Darmflora, bestehend aus allen Mikroorganismen, die unseren Darm besiedeln, aus dem Gleichgewicht, häufen sich meist Infekte. Mit probiotischen Lebensmitteln kann man die Darmflora natürlich stärken. Sie bauen sie das Immunsystem wieder auf, indem sie unerwünschte Keime verdrängen. Auch eine Darmsanierung und Probiotika Pulver können einem solchen Ungleichgewicht entgegenwirken.

Darmgesundheit – wann ist mein Darm ungesund?

Entwickelt sich das Durcheinander aus Magen- und Darmproblemen wie Blähungen und Beschwerden bei der Verdauung ohne Entzündung oder Infektion zum Dauerzustand, wechseln sich die Be­schwerden ab oder treten in Kombination auf, hat das mit einer Normalfunktion nichts mehr zu tun. Neben der gestörten Darmperistaltik können auch eine erhöhte Durchlässigkeit oder Immunaktivität der Darmschleimhaut Auslöser des Reizdarmsyndroms sein, ebenso ein Magen-Darm-Infekt. Auch die Psyche hat durch den regen Datenaustausch zwischen Gehirn und Bauchhirn Einfluss auf die Verdauung und Darmgesundheit – und umgekehrt. Über den sogenannten Vagus-Nerv schicken Nervenzellen ihre Signale zwischen Gehirn und Darm hin und her. Dabei gehen 90 % der Kommunikation vom Darm aus – und nur 10 % der Signale von unserem Gehirn. Stress gilt als einer der gesicherten Auslöser des Reizdarmsyndroms, in jedem Fall verstärkt er die Symptome oder verhindert, dass sie abklingen.

Wichtig: Halten Ihre Darmbeschwerden länger an und werden sie von Symptomen wie starken Schmerzen beim Stuhlgang, Fieber oder Blut im Stuhl begleitet, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Gleiches gilt auch für Personen, die beim Abführen stark pressen müssen.

Unsere Schaltzentrale für Leib und Seele ist hochsensibel und störanfällig. Auf den nächsten Seiten finden Sie die wirksamsten Maßnahmen für einen gesunden Darm – und eine Liste der Dinge, die unseren Darm krank machen.

Der Darm

Das führt zu einem gesunden Darm

  • Zur Unterstützung der Darmgesundheit empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn, täglich mindestens 30 GRAMM BALLASTSTOFFE in die Ernährung zu integrieren. Denn: Ballaststoffe im Essen schützen die Darmwände vor giftigen Substanzen. 30 Gramm insgesamt sind z. B. enthalten in: 1 Scheibe Vollkornbrot, 1 Portion Müsli mit Nüssen, 1 EL Leinsamen, 1 Salzkartoffel, 1 Portion Vollkornreis, 1 Portion Feldsalat, 1 Karotte, 1 Apfel mit Schale, 1 Portion Erdbeeren und 10 Haselnüssen.
  • Ob zwischendurch im Büro oder unterwegs – das STORCHSTEHEN ist eine perfekte Übung, um die Darmmuskulatur zu trainieren und die Verdauung zu aktivieren. So geht’s: 1 Minute auf der Stelle treten, dann einen Oberschenkel hoch an den Bauch heranziehen. 5-mal rechts, 5-mal links. Auf das rechte Bein stellen, den linken Oberschenkel an den Körper heranziehen. Mit beiden Armen fest an den Bauch drücken, 5 Sekunden in dieser Position verharren. Auf das andere Bein wechseln. 5-mal wiederholen, 10-mal am Tag.
  • Natürliche Probiotika wie Joghurt, Kefir oder Molke stärken mit ihren MILCHSÄUREBAKTERIEN die Darmflora und unterstützen das Immunsystem. Spezielle probiotische Drinks aus fettfreier Magermilch enthalten Milliarden aktive, besonders gesunde Shirota-Bakterien (z.B. „Yakult“).
  • Macht einen müden Darm munter: eine tägliche 5-MINUTEN-ENERGIE-MASSAGE. Dazu auf den Rücken legen, Beine leicht anwinkeln. Mit einer weichen Bürste langsam im Uhrzeigersinn über die Bauchdecke streichen. Von rechts unten nach oben, nach links über den Magen und wieder hinunter. Mit ausholenden Kreisen beginnen, die auch Brustkorb und Teile des Beckens erfassen. Kreise dann wieder kleiner werden lassen, bis sie am Nabel enden. Kreise danach wieder ausweiten. Wenn der Darm trotzdem mal streikt, helfen Tropfen mit dem Wirkstoff Natriumpicosulfat (z. B. „Dulcolax“), der die Dickdarmmuskulatur und damit die Darmbewegung aktiviert.
  • Es gibt zahlreiche Gewürze, welche die Produktion der Verdauungssäfte in Galle, Bauchspeicheldrüse und vor allem im Darm anregen. Allen voran die beiden asiatischen Exoten INGWER UND KURKUMA. Ingwer hemmt die Vermehrung von Dickdarmbakterien, die für Blähungen sorgen, und fördert das Wachstum von Milchsäurebakterien einer gesunden Darmflora. Neueste Studien belegen zudem, dass Kurkuma das Darmkrebsrisiko verringert und die Gesundheit fördert.
  • FERMENTIERTE LEBENSMITTEL wie Sauerkraut liefern ebenfalls probiotische Bakterien, die das Wachstum positiver Bakterien fördern. Außerdem enthalten sie Ballaststoffe, die die Darmtätigkeit und damit die Verdauung anregen. Ballaststoffe sind auch bei Verstopfung ein wichtiger Helfer.
  • Damit der Darm nicht träge wird, sollten Sie täglich anderthalb bis zwei Liter WASSER TRINKEN.
  • Nehmen Sie sich immer ausreichend ZEIT beim Essen. Wenn Sie gründlich kauen, gelangt nicht zu viel Luft in den Darm.

Der Darm

Das schadet unserem Darm

  • Ein Forscherteam der Swinburne Universität im australischen Melbourne hat erstmals nachgewiesen, dass STRESS die Anzahl gesunder Milchsäurebakterien im Darm verringert. Einer der Gründe dafür, dass wir in Prüfungssituationen oder in Lebenskrisen nicht nur mit der Verdauung zu kämpfen haben, sondern auch leichter eine Infektion bekommen, weil das Immunsystem heruntergefahren wird und so Bakterien die Gesundheit leichter angreifen können.
  • Übergewichtige Frauen mit einem Body-Mass-Index von über 30 und einem TAILLENUMFANG VON 88 ZENTIMETERN und mehr bekommen deutlich häufiger Darmkrebs als schlanke. Nehmen Frauen ab dem 30. Lebensjahr stark zu, steigt ihr Risiko um das 2,4-fache. Sie bekommen auch 7-mal häufiger Gallensteine; 70 Prozent entwickeln eine Fettleber, ohne dass sie übermäßig viel Alkohol trinken. Alle diese Faktoren tragen mit dazu bei, dass nicht mehr ausreichend Verdauungssäfte gebildet werden und so die Verdauung beeinträchtigt wird.
Frau Magenprobleme
© iStockphoto/Thinkstock
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  • Zu viel, zu fett und zu üppig – der Darm quittiert eine FALSCHE ERNÄHRUNG oft ziemlich prompt mit Blähungen, Verstopfung oder Durchfällen. Eine fettreiche Ernährung etwa macht den Darm eher träge. Frauen kommen z.B. mit 50 Gramm Fett pro Tag gut aus. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch, dass ihre durchschnittliche Verzehrmenge weit über 100 Gramm liegt. Zu viel Alkohol reizt die Dünndarmschleimhaut und schädigt sie. Ebenso können Röststoffe im Kaffee oder in Grillburgern und Steaks den gesunden Darm beeinflussen.
  • Wissenschaftler entdecken immer mehr, wie sehr BEWEGUNGSMANGEL unserer Gesundheit und der des Darms schadet. Wer in der Woche weniger als 1500 Kalorien (das entspricht z. B. einem Walking von 3-mal 1 Stunde pro Woche) durch Sport verbrennt, riskiert einen trägen, weniger durchbluteten Darm. Der Speisebrei bleibt regelrecht in seinen Schlingen hängen. Es kommt zu Verstopfungen, schmerzhaften Darmgasen und schädlichen Substanzen in der Darmschleimhaut.
  • Die Liste ist lang: Allerlei MEDIKAMENTE können die Darmflora schädigen und zu Durchfall führen. Dazu gehören u. a. Antibiotika, Säurebinder für den Magen, die Antibabypille, Cholesterinsenker, Entwässerungsmittel oder Blutdrucksenker.
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