Nervöser Magen Reizdarm: Symptome, Ursachen & Behandlung

Noch vor einigen Jahren glaubte die Wissenschaft, dass ein Reizdarm eher willkürlich auftritt und nicht von bestimmten Ursachen oder Auslösern beeinflusst wird. Mittlerweile gibt es aber andere Erkenntnisse. Wir erklären, was für einen nervösen Magen verantwortlich sein kann und was es bei einem Reizdarm zu beachten gibt.

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Symptome des Reizdarm-Syndroms

Circa sieben Millionen Betroffene gibt es laut Studien in Deutschland, die wegen Bauchschmerzen, Krämpfen, Blähungen, Verstopfung, Durchfall oder einer Kombination aus mehreren dieser Symptome Jahr für Jahr Arztpraxen aufsuchen. Sie lassen zahlreiche Untersu­chungen über sich ergehen, ohne dass sich ein Verur­sacher ihrer Beschwerden ausmachen lässt. Doch statt sich darüber freuen zu können, dass sie organisch gesund sind und nichts Schlimmes dahintersteckt, zum Beispiel eine Entzündung oder ein Tumor, geht ihr Leiden weiter. Frauen sind doppelt so häufig von dieser funktionellen Störung, dem sogenannten Reizdarm­Syndrom (RDS), betroffen als Männer. Wenn sie Pech haben, geraten sie an einen Arzt, der sich mit dieser Nicht-Diagnose zufrieden gibt. Die Betroffenen bekommen dann ein „Sie haben nichts“ zu hören und gleichzeitig das Etikett „eingebildete Kranke“ verpasst. Doch das haben sie nicht verdient. Der Reizdarm ist, ebenso wie sein kleiner Bruder, der Reizmagen, keine Einbildung. Gemäß Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) liegt die Krankheit Reizdarmsyndrom vor, wenn die oben genannten Symptome länger als drei Monate anhalten, sich auf den Darm beziehen lassen und meist Stuhlveränderungen mit sich bringen, andere Verursacher des Krankheitsbildes ausgeschlossen werden können und zudem die Beschwerden die Lebensqualität der Betroffenen in erheblichem Maße beeinträchtigen. Dieses „Nichts“ ist also durchaus „Etwas“.

Durchbruch in der Ursachenforschung

Bislang speiste man viele Patienten also mit der Diagnose, sie seien vollkommen gesund ab, weil keine organische Ursache für ihr Leiden bekannt war. Das dürfte sich nun ändern: Biologen der Universität München gelang 2010 der Durchbruch in der Ursachenforschung: Sie fanden heraus, dass Mikro-Entzündungen in der Schleimhaut zu einer Überempfindlichkeit des Nervensystems im Darm führen. "Dann setzt die irritierte Darmschleimhaut vermehrt neuroaktive Stoffe wie Serotonin oder Histamin frei", erklärt Studienleiter Prof. Michael Schemann. "Dieser Cocktail könnte die eigentliche Ursache der Beschwerden sein". Dafür spricht unter anderem, dass es viele RDS-Patienten entschieden besser geht, wenn sie ein sogenanntes Antihistaminikum nehmen — ein Mittel gegen Allergien.

Veranlagung für Reizdarm genetisch bedingt 

Forscher am Heidelberger Institut für Humangenetik haben entdeckt, dass bei Patienten, die unter einem Reizdarm,umgangssprachlich auch ein nervöser Magen genannt, das Serotonin-Rezeptor-Gen verändert ist. Dadurch wird die Signalübertragung durch den Botenstoff Serotonin gestört, es kommt zu einer Überreizung des Darms. 5 Millionen Deutsche sind vom Reizdarmsyndrom betroffen, Frauen doppelt so oft wie Männer. Eine wirksame Therapie rückt für sie nun näher. 

Psychische Belastung als Auslöser für einen nervösen Magen

Auch die Psyche hat durch den regen Datenaustausch zwischen Gehirn und Bauchhirn Einfluss auf die Verdauung – und umgekehrt. Stress gilt als einer der gesicherten Auslöser des Reizdarmsyndroms, in jedem Fall verstärkt er die Symptome oder verhindert, dass sie abklingen.

Bewusste Ernährung als Behandlungsansatz

Eine ärztliche Behandlung soll normalerweise die Ursache identifizieren und ausschalten. So geht Heilung. Doch beim Reizdarm greift das Prinzip nicht. Es präsentiert sich kein Übeltäter auf dem Silbertablett. Für den Körper ist diese Erkrankung im Prinzip harmlos. Bei manchen Menschen reagiert der Verdauungstrakt auf gewisse Umstände offensichtlich extrem gereizt. Diese Reaktion gilt es zu beruhigen, Beschwerden zu lindern oder gar aus der Welt zu schaffen. Schön wär’s, gäbe es dafür ein Patentrezept. Doch die Symptome sind zu vielfältig. Generell sollten Sie

  • langsam essen,
  • viel kauen
  • und nicht unnötig viel Luft dabei schlucken.

Verzichten Sie auf kohlensäurehaltige Getränke. Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag werden erfahrungsgemäß besser vertragen als wenige, die dafür üppiger ausfallen. Darüber hinaus lassen sich die einzelnen Symptome mit entsprechenden Präparaten behandeln. Eine Übersicht finden Sie in unserem Artikel: "Rezeptfreie Mittel gegen Reizdarm". Sie können allerdings noch mehr tun, als nur in den Arzneischrank zu greifen. Eine Ernährungsumstellung bietet sich an, weil die Beschwerden ja bei der Verarbeitung der Nahrung entstehen. Viele Menschen leiden auch unter einer Lebensmittelunverträglichkeit, welche die Symptome eines Reizdarms noch verstärken kann. Wenn Sie ein Ernährungstagebuch führen, finden Sie mit der Zeit heraus, was Ihnen besser oder schlechter bekommt und lernen Ihren Darm und seine „Macken“ immer besser kennen. Weil Ihr Bauchhirn ein recht gutes Gedächtnis hat, sollten Sie regelmäßig und zu festen Zeiten essen. Vielleicht sollten Sie auch auf manche Bestandteile völlig verzichten. Beim Arzt können Sie sich auf Unverträglichkeiten testen lassen. Auch wenn Sie sich selbst nicht unbedingt gestresst fühlen, der Reizdarm-Bauch ist es definitiv. Entspannungsübungen helfen, Stress abzubauen und das Nervensystem zu beruhigen. Auch psychotherapeutische Verfahren oder Hypnotherapie zeigen gute Wirkung. Nur Mut, tasten Sie sich an die Behandlungsmöglichkeiten heran, und finden Sie heraus, was Ihnen am besten bekommt. Denn: Fühlt sich Ihr Bauch wohl, tun Sie das auch.

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