Ein gutes Bauchgefühl Hilfe bei Endometriose

Viele Frauen glauben, Regelschmerzen müssten sie aushalten. Doch dahinter kann eine Krankheit mit dem schwer sich zu merkenden Namen Endometriose stecken. Und die lässt sich mittlerweile erfolgreich behandeln. Eine Frau erzählt ihre Geschichte.

Bauchgefühl

Leidensgeschichten wie diese kennt Prof. Ivo Meinhold-Heerlein nur zu gut. 2009 gründete er am Universitätsklinikum Aachen mit seinen Kollegen Prof. Nicolai Maass und Oberärztin Dr. Monika Wölfler eines der ersten Endometriose-Zentren Deutschlands (Infos: www.ukaachen.de). „Regelbeschwerden wurden jahrhundertelang als gegeben akzeptiert, auch von Ärzten“, so Meinhold-Heerlein. „Das größte Problem aber ist, dass die Ausprägung der Krankheit lange unterschätzt wurde.“ Denn Endometrioseherde, die klein wie eine Stecknadel oder groß wie eine Faust sein können, dehnen sich oft auf innere Organe aus, wachsen in andere Gewebe hinein und führen, wenn sie an Eileitern oder Eierstöcken sitzen, zum unerfülltem Kinderwunsch. Am Universitätsklinikum Aachen fühlt sich Inge Schröder mit ihren Beschwerden endlich ernst genommen. Mit ihrem Zentrum, das die Europäische Endometriose Liga mittlerweile zertifiziert hat, wollen Meinhold-Heerlein und sein Team betroffenen Frauen schnell helfen. „Wir haben eine Spezialsprechstunde eingerichtet und arbeiten interdisziplinär. Das ist vor allem für schwere Endometriose-Fälle wichtig. Und wir operieren laparoskopisch“, so Prof. Nicolai Maass. Das heißt: Die Operation verläuft per Bauchspiegelung, ohne größere Schnitte.

Mit der Krankheit in guten Händen

Die OP-Werkzeuge werden durch fünf bis zwölf Millimeter schmale Öffnungen eingeführt, können sogar kleinste Endometrioseherde aufspüren und entfernen. Dabei geht das Ärzteteam nicht standardisiert vor. „Wir müssen vor allem die Lebenssituation der Frau berücksichtigen“, sagt Oberärztin Dr. Wölfler. „Es ist ein großer Unterschied, ob eine 35-Jährige zu uns kommt, die sich noch Kinder wünscht, oder ob wir eine Frau behandeln, die ihre Familienplanung abgeschlossen hat.“ Die Behandlung wird für jede Patientin individuell zusammengestellt. Inge Schröder hat hier das erste Mal das Gefühl, mit ihrer Erkrankung ernst genommen zu werden.

„Reden über die Krankheit erleichtert“, sagt die zweifache Mutter. „Das muss auch mit dem Arzt möglich sein.“ Mit Dr. Monika Wölfler konnte sie reden, musste sich nicht ständig auf andere Ansprechpartner einstellen. „Dass hier nur Spezialisten sitzen, gibt mir Kraft und Sicherheit.“ Dafür nimmt Inge Schröder gern die etwa einstündige Anfahrt von ihrem Wohnort Montenau in Ostbelgien in Kauf. Ursprünglich hatte ihr Frauenarzt sie 2004 hierher geschickt. Das Endometriose-Zentrum existierte da noch nicht, aber sehr wohl das Fachwissen. Letzte Hoffnung für Inge Schröder, die damals längst aufgehört hatte, ihre Operationen zu zählen. „Ungefähr 20 waren es“, schätzt sie. Doch spätestens sechs Monate nach jeder Operation kehrten die Beschwerden zurück.

Regelschmerzen verändern das Leben

Einen sorglosen Alltag erlebte sie immer seltener. Erst kam die Erkrankung, dann die Familie. Für mehr blieb kaum Platz. „Mein Mann Dirk hat immer zu mir gehalten, obwohl ich oft, auch von Freunden, als Spaßbremse angesehen wurde“, sagt Inge Schröder dankbar. Sie ist am Ende ihrer Kräfte, als sie in der Uniklinik Aachen ihren ersten Termin bekommt. Sie weiß nicht, ob die Endometrioseherde diesmal in umliegende Organe hineingewachsen, ob Blase und Darm gefährdet sind. Eine große OP scheint auf jeden Fall nötig. Doch die Ärzte machen ihr Mut und können die Erkrankung durch den operativen Eingriff erfolgreich zurückdrängen. Und nicht nur das: Inge Schröder wird schwanger – und spürt in dieser Zeit durch den veränderten Hormonhaushalt erstmals überhaupt nichts von der Endometriose. „Die Schwangerschaften waren meine schönste Zeit“, erzählt sie. Ohne Komplikationen kamen 2008 Sohn Mika und 2011 Tochter Viola zur Welt.

Autor: Edda Neitz