27. April 2021
Covid-19-Behandlung: Therapie von Corona-Patienten

Covid-19: So werden Corona-Patienten therapiert

Trotz Lockdown-Maßnahmen und Impfkampagne stecken sich weiterhin viele Menschen mit dem Coronavirus an. Doch wie werden Corona-Patienten eigentlich therapiert? Hier erfahren Sie alles zur Covid-19-Behandlung.

Da es noch keine Heilung für Covid-19 gibt, kommt es vor allem auf eine gute symptomatische Therapie an. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie die Behandlung von Covid-19-Patienten sowohl bei milden als auch bei schweren Verläufen derzeit aussieht.

Covid-19: So werden Corona-Patienten therapiert

Behandlung bei mildem Verlauf

Milde Verläufe von Covid-19 (ca. 81 % aller Fälle) ähneln einer Erkältung oder Grippe. Typische Symptome sind Husten, Fieber, Schnupfen sowie eine Störung des Geruchs- und Geschmackssinns. Zur Behandlung werden daher dieselben Maßnahmen wie bei einer Erkältungserkrankung empfohlen, um dem Körper den Kampf gegen die Erreger zu erleichtern:

  • Ruhe,
  • vermehrte Flüssigkeitszufuhr,
  • bei Bedarf Medikamente zur Fiebersenkung oder Schmerzlinderung.

Behandlung bei schwerem Verlauf

Schwere Verläufe von Covid-19 (ca. 14 % aller Fälle) können lebensgefährlich sein und gehen mit starken Symptomen wie Entzündungen der Blutgefäße und Organe, z.B. Lungenentzündungen (Pneumonie) einher. Laut RKI müssen etwa 14 Prozent der wegen Covid-19 hospitalisierten Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.

Medikamentöse Therapie

Derzeit gibt es noch kein Medikament, das die Erkrankung Covid-19 heilen kann. Allerdings werden in der klinischen Therapie hauptsächlich die folgenden drei Medikamente eingesetzt, um das Coronavirus zu bremsen oder den Verlauf abzumildern:

  1. Remdesivir
    Dieser Virenhemmer soll die Vermehrung des Virenerbguts in den Körperzellen verhindern oder verlangsamen. Das Medikament ist nicht unumstritten, da es Schäden an Nieren und Leber hervorrufen kann. Bei gegebener Indikation, also bereits auftretender Lungenentzündung und Sauerstoffpflichtigkeit des Patienten, kann Remdesivir bei frühzeitiger Gabe jedoch vor einem schwereren Verlauf schützen, da es die Vermehrung und Verbreitung des Coronavirus im Körper deutlich einschränkt. Bei bereits fortgeschrittener Covid-19-Erkrankung (Symptomdauer über sieben Tage) hat Remdesivir jedoch keinen Nutzen mehr. 
  2. Cortison, z.B. Dexamethason
    Vor allem bei schwer Erkrankten, die invasiv beatmet werden müssen, werden Kortikosteroide wie Dexamethason eingesetzt. Da das Coronavirus lebensgefährliche Entzündungsreaktionen in den Organen, z.B. Lungenentzündung (Pneumonie) sowie Blutgefäßen auslösen kann, können entzündungshemmende Kortikosteroide die Mortalität gefährdeter Patienten deutlich senken. Für Patienten ohne Sauerstoffbedarf wird die Therapie mit Dexamethason jedoch laut RKI nicht empfohlen, da sie in solchen Fällen sogar die Sterblichkeit erhöhen kann.
  3. Gerinnungshemmer
    Sogenannte Antikoagulantien werden gegen Thrombosen und Embolien eingesetzt. Hier ist eine prophylaktische Behandlung möglich und sinnvoll, um Hirnvenenthrombosen, aber auch Lungenembolien zu verhindern.

Sauerstofftherapie

Da sich Coronaviren vor allem in der Lunge ausbreiten, kommt es bei schweren Covid-19-Verläufen häufig zu Atembeschwerden (Dyspnoe) sowie Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie). Um diesen zu beheben und die Sauerstoffsättigung des Bluts zu erhöhen, wird den Patienten über eine Atemmaske Sauerstoff gegeben. Über die Hälfte (58 %) der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten müssen mittels Intubation invasiv beatmet werden. Als letzte Option wird eine maschinelle Beatmung mittels externem ECMO-Gerät (extrakorporale Membran-Oxygenierung) angewendet. Hier wird das venöse Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und dann wieder ins arterielle Blutgefäßsystem des Patienten geleitet. Das Verfahren ist jedoch hochkomplex und birgt einige Risiken, weswegen es nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommt.

In Untersuchung befindliche Therapieansätze

Neben den oben genannten etablierten Methoden und Mitteln, gibt es auch einige Medikamente und Behandlungsansätze, die derzeit erforscht werden und von denen man sich zum Teil große Erfolge verspricht:

Rekonvaleszenten-Plasma
Bei diesem Therapieansatz soll das Blutplasma von bereits genesenen Covid-Patienten in den Blutkreislauf noch nicht genesener Patienten gebracht werden, um ihm Antikörper gegen SARS-CoV-2 zur Verfügung zu stellen. Widersprüchliche Studienergebnisse haben den Einsatz der Blutplasma-Therapie bisher verhindert. Dennoch werden derzeit wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, um weitere Evidenz hierzu zu liefern.

Monoklonale Antikörper
Monoklonale Antikörper wirken schnell antiviral und könnten bei frühzeitiger Gabe theoretisch das Virus neutralisieren. Zurzeit laufen zahlreiche klinische Studien, in denen verschiedene monoklonale Antikörper untersucht werden, z.B. Bamlanivimab, Casirivimab oder Imdevimab. In den USA gab es vereinzelte Notzulassungen bestimmter Präparate. Aufgrund mangelnder Daten rät das RKI jedoch von vorschnellen Zulassungen von monoklonalen Antikörpern für die Covid-19-Behandlung ab.

Budesonid
Dieses Asthmaspray wurde vor Kurzem als „Game Changer“ in der Behandlung von Covid-19 betitelt. Bei Budesonid handelt es sich um ein inhalatives Kortikosteroid, welches zur Therapie von Asthma eingesetzt wird. Aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung scheint es frühe Verläufe sogar mildern zu können: „Für frühe Patienten ist es sicher ein Zusatzmedikament, was man einsetzen kann, aber sicher kein Gamechanger. Dann bräuchten wir ein Medikament, was die Patienten in allen Stadien der Krankheit adäquat therapiert“, sagte Dr. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz, dem MDR.

Video: Intensivstationen am Limit – das ist Triage

Quellen: rki.de, aerztezeitung.de, ndr.de, mdr.de

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