12. April 2021
Corona-Impfung: Thrombose-Risiko auch bei Sputnik und J&J?

Corona-Impfung: Ist das Thrombose-Risiko auch bei Sputnik und Johnson & Johnson erhöht?

Nach den Corona-Impfungen mit AstraZeneca gab es einige Fälle von Hirnvenenthrombosen. Was bedeutet das für die anderen Vektorimpfstoffe Sputnik V und Johnson & Johnson? Besteht auch hier ein erhöhtes Thrombose-Risiko?

Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca steht in der Kritik und unter Verdacht, seltene Fälle von Hirnvenenthrombosen zu verursachen. Aus diesem Grund änderte nach einem mehrtägigen Impfstopp die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfempfehlung für den Vektorimpfstoff. Seit Anfang April soll AstraZeneca, oder auch Vaxzevria, wie er jetzt heißt, nur noch für Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren verteilt werden. 

AstraZeneca-Impfung: mögliche Ursachen für Thrombosen

Forscher aus Greifswald wollen nun herausgefunden haben, wieso nach der Impfung mit AstraZeneca Hirnvenenthrombosen aufgetreten sind. Den Forschern zufolge soll die Ursache ein starker Abwehrmechanismus sein, der durch die Impfung ausgelöst werde. „Wir meinen, dass wir einen Zusammenhang nachweisen können zwischen dem Vorliegen dieser Antikörper und dem Auftreten der Thrombosen“, erklärte Andreas Greinacher, Leiter der Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald im Interview mit dem ZDF. Warum vor allem jüngere Frauen von den Sinusvenenthrombosen betroffen sind, könnte an den weiblichen Geschlechtshormonen liegen, welche die Blutgerinnung erhöhen. 

Bislang ist noch nicht klar, ob diese Reaktion aufgrund

  • der Bestandteile des Adenovirus-Vektors,
  • des gebildeten Spike-Proteins
  • oder einer allgemeinen unspezifischen Entzündungsreaktion hervorgerufen wird.

Die These zu dem Spike-Protein ist laut aktuellem Forschungsstand eher unwahrscheinlich, da bei den anderen mRNA-Impfungen keine Hirnvenenthrombosen beobachtet wurden. „Die anderen Impfstoffe lösen offensichtlich dieses Autoimmunphänomen nicht aus“, erklärt Johannes Oldenburg, Thrombose-Experte von der Uni-Klinik Bonn, gegenüber dem ZDF.

Demnach könnte es wahrscheinlicher sein, dass die selten auftretenden Thrombosen auf die verwendeten Adenoviren zurückzuführen seien. Der Vektorimpfstoff von AstraZeneca basiert auf Adenoviren, die bei Schimpansen Erkältungen auslösen, für den Menschen aber harmlos sind. Ein kleiner Teil des neuartigen Coronavirus ist in die DNA dieser umgebauten Schnupfenviren eingebaut worden, um das Spike-Protein des Coronavirus selbst herzustellen und somit Antikörper zu bilden.

Erhöhtes Thrombose-Risiko auch bei anderen Vektorimpfstoffen?

Sollte sich diese Theorie bewahrheiten, stellt sich die Frage, ob auch beim neu zugelassenen Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson (J&J) sowie beim russischen Vakzin Sputnik V ein solches erhöhtes Thrombose-Risiko besteht. Darauf weiß Andreas Greinacher bislang noch keine Antwort. Um das herauszufinden, müssten er und sein Team Proben der beiden Impfstoffe haben. Diese liegen den Forschern allerdings noch nicht vor – sie hoffen aber, diese bald zu bekommen. 

„Es ist nicht auszuschließen, dass die Komplikationen auch etwas mit der Menge an Adenoviren zu tun haben könnten, weil wir noch nicht wissen, was genau die Immunantwort auf die Blutplättchen auslöst“, sagt der Berliner Infektiologe Leif Erik Sander im Gespräch mit ZDFheute. Nach bisherigen Erkenntnissen sei es aber am ehesten ein Impfstoff-spezifisches Problem und nicht das der ganzen Vektorimpfstoff-Klasse, so Sander. Auch die Virenart könnte entscheidend sein. Die Johnson & Johnson- sowie Sputnik-Vakzine basieren auf humanen Adenoviren und nicht wie AstraZeneca auf tierischen Adenoviren. 

Vier Thrombose-Fälle: EMA prüft Johnson & Johnson

Medienberichten zufolge wird nun auch der Impfstoff von Johnson & Johnson von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) untersucht. Man nehme vier ernste Fälle von Thrombosen in den Blick, erklärt die EMA. In den USA wurden drei Fälle Thrombosefälle gemeldet, ein weiterer in einer klinischen Studie. Der Impfstoff von Johnson und Johnson wurde von der EU am 11. März zugelassen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Impfstoffe ab dem 19. April geliefert werden. Anders als bei den anderen Impfstoffen reicht eine Impfung mit dem Vakzin aus.

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