22. Juli 2021
Corona-Impfung: Soll ich mein Kind impfen lassen?

Corona-Impfung: Soll ich mein Kind impfen lassen?

Seit Juni können Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Doch die Experten sind uneins, was bei Eltern und Kindern für Verunsicherung sorgt. Ein Überblick zu den Gründen, die dafür und dagegen sprechen.

Für alle Menschen ist die Corona-Pandemie nicht leicht und belastend, doch vor allem Kinder haben unter Kontaktbeschränkungen sowie Kita- und Schulschließungen besonders stark leiden müssen. Als Ende letzten Jahres die Corona-Impfstoffe zugelassen worden, waren Kinder und Jugendliche von der Impfkampagne erstmals ausgeschlossen. Im Mai dann hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) den von Biontech und Pfizer entwickelten Impfstoff für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 zugelassen. Seit dem 7. Juni können Kinder geimpft werden. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff. Andere Impfstoffe befinden sich derzeit noch in der klinischen Prüfung.

Corona-Impfung für Kinder: Das sagt die STIKO

Doch viele Eltern sind sich unsicher und fragen sich, ob sie ihr Kind impfen lassen sollten oder nicht. Zur Verunsicherung trägt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei. Denn die STIKO gibt keine allgemeine Impfempfehlung, sondern nur für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko. Gemeint sind damit Kinder, die bestimmte Vorerkrankungen haben, sich in einem Umfeld von gefährdeten Personen befinden, die sich selbst nicht schützen können und welche, die arbeitsbedingt einem erhöhtem Expositionsrisiko ausgesetzt sind.

„Impfungen sind präventiv-medizinische Interventionen an häufig gesunden Menschen und bedürfen einer eingehenden Risiko-Nutzen-Analyse. Zur Sicherheit der Impfung bei Kindern gibt es bislang noch zu wenig Daten und Erfahrungen“, schreibt das Robert-Koch-Institut. Eine weitere Begründung des RKIs ist, dass bei Kindern und Jugendlichen die Erkrankung mit SARS-CoV-2 „überwiegend moderat, häufig sogar asymptomatisch“ verläuft. Rund 1 Prozent der erkrankten Kinder und Jugendlichen musste aufgrund ihrer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden.

Bislang wenige Daten zur Sicherheit der Corona-Impfung für Kinder

Und wie sicher ist die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche? „Insgesamt ist der mRNA-Impfstoff nach allem, was bisher bekannt ist, ein sicherer Impfstoff“, so das RKI. Die Wirksamkeit der getesteten Wirkstoffe, welche die 12- bis 15-Jährigen erhalten haben, lag laut RKI bei 100 Prozent. Man gehe davon aus, dass die Impfung auch vor einem schweren Verlauf schütze.

Wie bei erwachsenen geimpften Personen kann es nach der Impfung zu grippeähnlichen Reaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden kommen, die nach ein bis drei Tagen abklingen. Allerdings heißt es auch: „Zur Sicherheit der Impfung bei Kindern gibt es bisher nur wenig Daten und Erfahrungen. Die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen ist zu klein, um auch häufigere unerwünschte Ereignisse zu entdecken.“

Das spricht für eine Corona-Impfung bei Kindern

Die Vorteile einer Impfung bei Kindern und Jugendlichen wären folgende:
Schwere Verläufe sowie Long-Covid könnten vermieden werden, die Ansteckungsrate könnte verringert werden und geimpfte Kinder könnten das Virus weniger weitergeben. Fakt ist auch, dass geimpfte Kinder entscheidend zur Herdenimmunität beitragen würden. Laut dem Wissenschaftsmagazin Quarks machen Kinder und Jugendliche in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen aus – etwa 16 Prozent der Bevölkerung. Wenn Kinder nicht geimpft werden, müssten sich stattdessen fast alle erwachsenen Menschen impfen lassen.

Schlussendlich fasst das RKI zusammen: „Der STIKO […] ist bewusst, dass die Impfung ihrer Kinder für viele Eltern gerade nach der belastenden Zeit der Pandemie ein wichtiges und bedeutsames Thema ist. Jedoch steht die Sicherheit der Kinder für die STIKO an oberster Stelle, weshalb derzeit nach einer strengen Risiko-Nutzen-Abwägung gegen eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren entschieden wurde.“

Corona-Impfung für Kinder: Delta breitet sich weiter aus

Und wie schätzen andere Experten die Lage ein? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte gegenüber dem WDR, dass eine Infektion mit Covid gefährlicher als die Impfung sei. Zudem wies er auf die Delta-Variante, die sich in Deutschland weiter ausbreitet und die auch für Kinder sehr ansteckend sei. „Die Kinder werden sich gegenseitig anstecken, was bei der ursprünglichen Variante in diesem Umfang überhaupt nicht beobachtet wurde.“ Daher gebe es beispielsweise in Großbritannien, in den Vereinigten Staaten und in Israel in den Schulen größere Ausbrüche.

Im Interview mit der Augsburger Allgemeine sagte Carsten Watzl, Professor an der Universität Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie: „Als Immunologe sehe ich die Impfung als sicherer an, als eine Infektion. Man muss sich im Klaren sein, eines von beiden wird über kurz oder lang kommen, denn das Virus wird nicht weggehen.“ Hinzu kommt, dass es bislang wenige Erkenntnisse zu Long-Covid bei Kindern gibt.

Fazit: Was sollten Eltern also tun?

Ob eine Impfung für ein Kind infrage kommt, sollte individuell entschieden werden. Suchen Sie am besten das persönliche Gespräch mit Ihrem Kinderarzt. Neben der Impfung gibt es noch weitere Faktoren, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Dazu gehören das Befolgen der Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Möglichkeit des Testens. Als Erwachsener sollten Sie die Corona-Impfung wahrnehmen, um zum Schutz Ihres Kindes beizutragen.

Video: Das spricht für und gegen eine Corona-Impfung von Kindern

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